21. November 2007

Limited vs. GmbH

In letzter Zeit häufen sich Anfragen aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis, ob es nicht sinnvoll sei, eine Limited zu gründen und nicht auf das "Auslaufmodell" GmbH zu setzen. Grund ist nicht zuletzt die offensive Marketingstrategie von Unternehmen wie "Go Ahead-Limited & More", die deutschen Unternehmern die Limited schmackhaft machen wollen.
Anlass genug, unseren Lesern kurz meine persönliche (!) Sicht der Dinge zu diesem "Duell der Rechtsformen" darzulegen.

Ich habe Bekannten und Verwandten bisher von der Gründung einer "deutschen" Limited abgeraten. Warum?
Zunächst ist die Rechtslage ziemlich unklar - nicht zuletzt aufgrund vieler offener internationalprivatrechtlicher Fragen. Niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt genau absehen, welches Rechtskleid die "deutsche" Limited trägt. Welche Haftungsrisiken bestehen für die Geschäftsführer? Wie gestaltet sich das Bilanzrecht, wie die Rechnungslegung? Welche Regeln gelten im Falle einer Insolvenz?
Der Beratungsaufwand steigt in jedem Fall beträchtlich - wer kennt sich schon im englischen Gesellschaftsrecht so gut aus wie im deutschen? Das zieht m.E. deutlich erhöhte Haftungs- und Kostenrisiken nach sich.
Zwar kann eine Limited zur Zeit noch schneller und einfacher gegründet werden als eine GmbH. Aber wer sagt denn, dass damit auch auf mittlere und lange Sicht die günstigste Lösung gefunden ist?
Und wie steht es um die Seriösität einer "deutschen" Limited in den Augen deutscher Vertragspartner?

In Zukunft stellt sich verstärkt die Frage, ob es der Gründung einer "deutschen" Limited überhaupt noch bedarf.
Bekanntlich wird das GmbH-Recht demnächst modernisiert (Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG)). Danach wird einerseits das Stammkapital auf 10.000 € herabgesetzt, andererseits eine neue "kleine" GmbH eingeführt, die ohne bestimmtes Mindeskapital gegründet werden kann (sog. haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft, § 5a GmbH-E). Diese darf dann zwar die Gewinne nicht gänzlich ausschütten, aber das ist der Preis, den man für die deutlich erleichterte Gründung zahlen muss. Im Übrigen wird auch viel dafür getan, den bürokratischen Grüdungsaufwand zu verringern: Es wird wohl einen Muster-Gesellschaftsvertrag geben und die Registereintragung wird elektronisch - und damit deutlich beschleunigt - abgewickelt.

Wird das MoMiG Gesetz (vermutlich im 2. Quartel 2008), dürfte es Unternehmen wie "Go Ahead" deutlich schwerer fallen, gut beratene Kunden für die Gründung einer "deutschen" Limited zu gewinnen.

Interessierten Leser sei der Aufsatz von Schneeloch, "Ltd. anstelle einer GmbH - Ein Vorteilsvergleich", BFuP 2007, S. 197 ff., zur Vertiefung anempfohlen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Warten wir die ersten Prozesse ab, in denen die Ltd-Gründer von Gläubigern der Ltd persönlich in Anspruch genommen worden sind und nunmehr die Gründungshelfer wegen Fehlberatung in Anspruch nehmen. Ich möchte nicht wissen, was diese Kasperln den Gründern alles erzählen. Dr. P. kann sich ja selbst ein Bild machen: Autodienst Sorup Ltd. liegt auf dem Weg. Kraut-Umlaute kennt das Register in England wohl nicht.

Heiko hat gesagt…

Sie leben offensichtlich tief in der Vergangenheit, wenn Sie immer noch nicht wissen, welches "Rechtskleid" die Limited trägt.

Die Fragen des internationalen Gesellschaftsrechts sind geklärt. Ich sage nur: Daily Mail, Centros, Inspire Art. Das musste vor einigen Jahren auch der BGH einsehen, wenngleich einige Richter privat (in Aufsätzen) immer noch vom GmbH-Artenschutz träumen.

Eine persönliche Haftung von Gesellschaftern einer englischen Ltd. ist so gut wie ausgeschlossen. Ausnahme: Wenn die Ltd. zu Betrugszwecken o.ä. verwendet wird.

Richtig ist natürlich, dass man mit der Ltd. deutschem und englischem Recht unterworfen ist. Das bedeutet teilweise doppelten Aufwand, etwa im Registerrecht und in der Rechnungslegung.

Andererseits dürfte der Beratungsaufwand bezüglich des englischen Gesellschaftsrechts deutlich niedriger sein, weil es nicht die wahnsinnig komplexen Kapitalerhaltungsregeln des deutschen GmbH-Rechts kennt.

Wie dem auch sei - eine persönliche Haftung der Ltd.-Gesellschafter und ihrer Anwälte an die Wand zu malen, ist an den Haaren herbeigezogen.

Peter Sansibar hat gesagt…

Dass Daily Mail und Co. die angesprochenen Fragen nicht beantworten, dürfte Ihnen bekannt sein. "Rechtskleid" meint mehr als nur die Frage nach dem maßgeblichen Gesellschaftsstatut. I.Ü. dürfte jeder halbwegs brauchbare Anwalt auf dem Gebiet des Gesellschaftsrecht (dank langjähriger Erfahrung) mit den komplexen Kapitalerhaltungsregeln des GmbHG vertraut sein - gilt das auch für die Regeln des CA 2006? Dort muss man einschlägige Aufsätze in der RIW studieren, um überhaupt die Frage nach dem (intertemporal) anwendbaren Recht klären zu können.
Abschließend ein Zitat aus dem BB:

"Aus dieser Verschränkung verschiedener Rechtsordnungen ergibt sich eine Fülle von international-privatrechtlichen, sachrechtlichen und auch gemeinschaftsrechtlichen Fragen, die von der Rechtspraxis noch nicht abschließend gelöst - und wahrscheinlich noch nicht einmal in Gänze erkannt - sind." (Müller, BB 2006, S. 837)

Gruß,
PS

 

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