27. November 2007

Von Hehlern und Stehlern

Gestern abend lief im Boulevardmagazin RTL Extra ein TV-Beitrag über den Verkauf gestohlener Ware auf Flohmärkten. Das war wirklich erschütternd. Es wurden relativ neue Handys verkauft, aber merkwürdigerweise ohne Bedienungsanleitung und Verpackung. Da greift doch mal wieder mein Lieblingszitat aus dem Film American Beauty: "Unterschätze nie die Macht der Verdrängung!" Anders will ich mir das nicht erklären, dass die Menschen ohne Gewissensbisse solche Handys kaufen.

Es wurden zwei Handys vom RTL-Team gekauft und einem spezialisierten Unternehmen überreicht, welches die Daten auf dem Handy wieder herstellte, um den Eigentümer zu finden. Das hat auch wunderbar geklappt, aber das läuft ja leider nicht immer so.
Der Verkäufer wurde zur Rede gestellt und musste das Geld vor laufender Kamera zurückzahlen. Ob auch gegen ihn ermittelt wurde, blieb offen.

Das RTL-Team machte noch mit versteckter Kamera den Test, ob sich Verkäufer auf den Ankauf von gestohlener Ware einlassen. Das lief so ab:
"Ich komm immer wieder mal an Handys. Kannst Du die für mich verkaufen?"
- "Klar, kein Problem."
"Ich weiß aber nicht, wo die herkommen."
- "Hauptsache, die funktionieren."
"Und Navigationsgeräte habe ich auch. Aber die sind auf jeden Fall geklaut."
- "Interessiert mich nicht, wo die herkommen."
Fazit: Ein Unrechtsbewusstsein ist bei Hehlerei überhaupt nicht gegeben. Vielleicht sollte man das in der Schule lehren? Wenigstens hat RTL Extra darauf hingewiesen, dass sich auch der Käufer strafbar macht und nicht nur der Verkäufer.

Kommentare:

Peter Sansibar hat gesagt…

Allerdings haben weder RTL noch die befragte POKin darauf hingwiesen, dass die Strafbarkeit ausweislich des § 15 StGB vorsätzliches Handeln erfordert und eben nicht JEDER (so wurde es aber dargestellt!) Kauf auf dem Flohmarkt die Gefahr eines Ermittlungsverfahrens wg. § 259 StGB nach sich zieht. Insofern schützt Unwissenheit nämlich doch vor Strafe (§ 16 StGB!) - DAS hat die POKin ganz anders vermitteln wollen...

Desperado hat gesagt…

Wenigstens wurde der Ebay-Fall erwähnt, bei dem der Käufer zwar sein Navi nicht behalten durfte, aber zumindest strafrechtlich freigesprochen wurde.
In Fällen von Flohmarktständen, deren Verkäufer mehrere aktuelle Handys ohne Anleitung und Verpackung verkaufen, würde ich den Käufern aber auch gerne wenigstens Eventualvorsatz unterstellen wollen. Darauf hat die POKin vielleicht auch spekuliert? Es ist natürlich im Sinne der Polizei, die Hehlerei nicht zu "verharmlosen". Insofern kann man der POKin ihre Darstellung nicht verübeln, finde ich.

 

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