17. November 2007

Werbefinanzierte Gratis-MP3s

Seit vorgestern ist ein neues Musikprojekt im Netz, dass werbefinanzierte MP3-Downloads anbietet und damit völlig legal ist: rcrdlbl.com
Die Idee ist genial, aber noch ist das Angebot doch etwas sehr "übersichtlich angeordnet", um es mal wie Loriot zu formulieren. Bisher sind nur sehr wenige der Songs tatsächlich zum Download freigegeben.

Auf der rechten Seite ist das "RCRD LBL RADIO" zu sehen, das einem die Songs durch einen Mausklick im Streaming-Format vorspielt. Klickt man einen Song an, der auch herunterladbar ist, dann wird dies (leider erst nach dem Mausklick) durch das Wort "Download" angezeigt. Durch einen weiteren Klick auf dieses Wort, öffnet sich ein neues Fenster, dass einem den Download ermöglicht. Dies alles ist nach kostenloser Anmeldung möglich.

Die im Menü oben zu lesenden Worte "Warp", "Modular", "Dim Mak" etc. verwirren den Laien, der hier vergeblich nach einer Suchfunktion o.ä. sucht. Es handelt sich hierbei um Partnerfirmen, die ebenfalls diese Marketingmasche nutzen möchten. ("Downtown" ist die Mutter von RCRD LBL.)

Die Musik ist typische Musik eines Independant-Labels und damit also eher etwas für den Musikhörer, der auf Musik fernab des Mainstreams steht. Mich persönlich überzeugte sehr schnell Michael Mayer, doch gerade seine Musik ist leider (noch?) nicht zum Download freigegeben.

Ich denke, dass RCRD LBL vielleicht etwas zu früh an den Start gegangen ist, da die Anzahl der Downloads einfach noch zu gering ist. Vielleicht ist der jetzige Start auch einfach eine Testphase, ob sich das Projekt durch die Werbeeinblendungen von Virgin America, Nicon und Puma wirklich finanzieren lässt. Immerhin erhält jeder Künstler zwischen 500 und 5000 Euro Vorschuss pro Song, wie musikwoche.de vermeldet.

Vorsichtshalber ein Hinweis hierzu:
Ein "Vorschuss" ist in der Musikbranche mit den sog. Royalties (Erlöse aus dem Verkauf der Platten) so lange verrechenbar bis das eingenommene Geld den Vorschuss tatsächlich übersteigt. Wenn der Punkt erreicht ist, ist die Platte im Fachjargon "recouped" und die Zahlung der Royalties beginnt. Wird der Vorschuss nicht erreicht, darf der Künstler das Geld trotzdem behalten. Er erhält dann aber natürlich keine Royalties, was insofern egal ist, als dass die Platte die Kohle ja eh nicht einspielte. Das Risiko liegt in jedem Fall bei der Plattenfirma, hier also bei RCRD LBL.

Wer jetzt der Meinung ist, "RCRD LBL" sei ein völlig bescheuerter Name, den sich kein Mensch merken kann, dem sei der Hinweis zugedacht, dass es sich hierbei um die Bezeichnung "Record Label" ohne Vokale handelt.
Das erinnert mich an eine Szene aus der TV-Serie "ALF", in der versucht wurde, die Langeweile innerhalb eines Wohnmobils zu bekämpfen:
Kate: "Wir könnten Scrabble spielen."
Lynn: "Alf hat die ganzen Vokale gegessen."
Kate (zu Alf): "Du isst Vokale?"
Alf: "Ich habe mich gelangweilt. Und wenn ich mich langweile, dann esse ich Vokale."
Weiterführende Literatur zum Thema "Vorschuss":
- Donald S. Passman/Wolfram Herrmann, "Alles, was Sie über das Musikbusiness wissen müssen", S. 81 ff.
- Richard Schulenberg, "Legal aspects of the music industry", S. 103 ff.
- "Handbuch der Musikwirtschaft", 6. Aufl. 2003, S. 1079 f.
- Ein Mustervertrag findet sich ebenfalls im "Handbuch der Musikwirtschaft" ab S. 1119. Die dazugehörige Vorschussklausel findet man auf S. 1134.

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