10. Dezember 2007

Neiddebatte

"Ist für Deutsche der Erfolgreiche eher ein Objekt des Neids und der Missgunst und ein Anlass für Zweifel, ob auch alles mit rechten Dingen zugegangen sei, ist er für Amerikaner eine Ermutigung, es ihm nachzutun"
(Dietrich Schwanitz in: "Bildung", S. 448)
Die Managergehälter in Deutschland sind zu hoch.
Das finden jedenfalls zahlreiche deutsche Politiker und fordern Gegenmaßnahmen - Populismus ist en vogue.
So wird eine gesetzliche Begrenzung von Manager-Abfindungen oder gar der Vergütung als solche erworgen. Welchen Sinn die staatliche Einmischung in privatwirtschaftliche Einkommen hat, sehen wir grad am Beispiel der PIN AG: Mit welchem Recht soll der Staat darüber entscheiden dürfen, wieviel eine Aktiengesellschaft ihrem Vorstand zahlt? Das ist einzig und allein Sache der Aktiengesellschaft.
Es gibt übrigens bereits Regelungen im Deutschen Corporate Governance Kodex, die sich bemühen, die Manager-Gehälter anhand "objektiver Kriterien" angemessen zu gestalten (siehe 4.2 des CGK). Dank der Regelung des § 161 AktG besteht dann sogar eine gewisse "psychologische Bindung" an diesen Kodex.

Lächerlich wird es, wenn Bundesinnenminister Schäuble "mehr Transparenz" fordert. Wem gegenüber sind denn bitte schön die Manager zu Transparanz verpflichtet?
Doch wohl einzig und allein den Aktionären - diese zahlen im Endeffekt die Vergütung. Nach § 285 Nr. 9a S. 5 HGB haben börsennotierte Aktiengesellschaften ohnehin die Bezüge eines jeden einzelnen Vorstandsmitglieds offenzulegen. Davon kann die Hauptversammlung befreien (§ 286 V HGB). Wenn sie das tut (3/4-Mehrheit!), dann ist der Vorstand aber niemandem mehr zu Transparenz verpflichtet.
Vergleichen wir diese Rechtslage doch einmal kurz mit den für Abgeordnete geltenden Transparenz-Vorschriften. Es wird ja wohl niemand bestreiten wollen, dass Abgeordnete uns allen gegenüber verantwortlich sind und ein gewisses Maß an "Transparenz" schulden. Bei den Nebeneinkünften von Parlamentarieren wird bekanntlich nur nach 3 verschiedenen "Einkommens-Stufen" unterschieden (vgl. § 3 der Anlage 1 zur GOBT) - Transparenz sieht anders aus. Anhand dieser Angaben lassen sich bestehende Abhängigkeiten bestenfalls erahnen.
Es ist grotesk, an Manager strengere "Transparenz-Anforderungen" stellen zu wollen als an Mitglieder des Deutschen Bundestages.

Kommentare:

Desperado hat gesagt…

Jo, sehr schöner Bericht und ein schöner Vergleich mit den Abgeordneten. Schön auch wieder die Verknüpfung des Artikels mit Gesetzestexten! :)

Anonym hat gesagt…

Die Bewertung trifft genau den Kern des Problems!

 

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