21. Januar 2008

Familienrecht arabisch: Die Milch macht's!

Blut ist dicker als Wasser, sagt man, wenn man auf die naturgemäß bestehenden Bande zwischen Blutsverwandten hinweisen will.

Aber was ist mit Muttermilch, wie dick ist die? Diese Frage beantwortet das deutsche Familienrecht anders als das saudi-arabische.

Aber zunächst zu den Gemeinsamkeiten: Die Ehe zwischen Geschwistern ist weder in der einen noch in der anderen Rechtsordnung zulässig.

In Deutschland beschränkt sich das Verbot gem. § 1307 S. 1 BGB jedoch auf "vollbürtige" und "halbbürtige" Geschwister. Maßgeblich ist also eine "blutsmäßige Abstammung" (Brudermüller, in: Palandt § 1307 Rn. 3), Stiefgeschwister dürfen heiraten.

In Saudi-Arabien gibt es dagegen offenbar auch eine "milchmäßige Abstammung", die zur Geschwisternschaft führt und ein Eheverbot begründet. Sie kommt zustande, wenn Kinder verschiedener Eltern von der selben Amme gestillt werden.

Dies traf auch auf ein Ehepaar in Najran (Stadt in Saudi-Arabien, nahe der jemenitischen Grenze) zu. Die gemeinsame frühkindliche Schlemmerei bleib jedoch zunächst unerkannt. Erst als den Ehemann nach zehn Ehejahren und der Geburt von vier Kindern Albträume plagten, konsultierte er einen Traumdeuter. Der Traumdeuter sagte dem Mann, dass dieser mit seiner Schwester verheiratet wäre. Durch Nachforschungen kam die Milchverwandschaft ans Tageslicht - worauf der Mann seine Frau verstieß.

[Quelle: Arab News, 18. Januar 2008]

Kommentare:

Johnny Kuppler hat gesagt…

Hochinteressanter Artikel, werter Kollege!
Vor ein paar Wochen geisterte eine Meldung mit ähnlichem Hintergrund durch die abendländische Medienlandschaft:
Ein Rechtsgutachten Izzat Attias, Professor an der Al-Azhar-Universität zu Kairo, widmete sich einem Problem der Arbeitswelt islamisch geprägter Länder. Nach einer strengen Islamauslegung dürfen nicht verwandte oder verheiratete Männer und Frauen sich nicht gleichzeitig in einem Raum aufhalten. Dies gestaltet sich im heutigen Büroalltag leider schwierig. Daraufhin schlug Herr Attia vor, die weiblichen Angestellten sollten ihre männlichen Kollegen einfach stillen, um die Ammen- oder Milchverwandtschaft herzustellen. Nach einer Geschichte schlug dereinst der Prophet Mohammed einer Frau vor, ihren Stiefsohn zu stillen, um das Verbot der Adoption zu umgehen.
Dieses Ritual können nach dem Rechtsgutachten wieder aufleben. Nach fünfmaligem Stillen dürfe eine Frau sogar ihr Kopftuch vor den bislang fremden Männern ablegen...

Auch in der arabischen Welt wurde diese Fatwa mit Entsetzen und vielfach mit Schmunzeln aufgenommen. Mittlerweile hat der gute Herr Attia sein Gutachten aber wieder zurückgezogen...

Desperado hat gesagt…

Ich habe gestern abend damit begonnen, das Buch "Drachenläufer" von Khaled Hosseini zu lesen, um mich auf den gleichnamigen Film von Marc Forster ("Stay", "Monster's Ball") vorzubereiten. Dort wird auch geschrieben, dass eine Brüderlichkeit zwischen Menschen besteht, die von der selben Brust getrunken haben. Das ist wohl wirklich nur für uns westliche Welt ein Kuriosum.

Anonym hat gesagt…

Geht es um dieselbe Zitze oder dieselbe Frau? Oder wird widerleglich vermutet, dass der von derselben Person gestillte Säugling mal rechts, mal links gesäugt wurde?

Desperado hat gesagt…

Ich denke mal, dass auf die Milch abgestellt wird und somit auch auf die Frau. Denn die Milch muss ja ohnehin aus beiden Leitungen raus, auch wenn ich jetzt nicht der große Biologe bin.

 

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