13. Januar 2008

Von barbusigen Frauen in Schwimmbädern

In Schweden macht sich eine Gruppe emanzipierter Frauen dafür stark, sich barbusig in Schwimmbädern aufhalten zu dürfen und feiert damit erste Teilerfolge. Dies ist auf jeden Fall ein "Emanzen-Einsatzbereich", mit dem sich auch Männer anfreunden können. Ok, wenn dann aber diese Frauen barbusig durch das Schwimmbad laufen und man(n) (aus Versehen) mal mit den Augen die Brüste streift, hagelt es vermutlich auch wieder Beschwerden von genau den selben Frauen.
Der emanzipierte Faktor des ganzen ist deren Argument, dass sich auch Männer oben ohne in Schwimmbädern aufhalten dürfen. Ja, da haben sie Recht und ich weiß gar nicht, warum man da widersprechen sollte?

Der vormalige aktivistische Ansturm barbusiger Frauen auf Schwimmbäder endete in der Regel mit einem Rausschmiss durch die Bademeister. Diese beriefen sich offensichtlich auf das Hausrecht, also googlete ich gerade mal nach Hausordnungen einiger Schwimmbäder. Auch bei uns braucht es wohl ein paar Aktivistinnen, wenn man sich folgende Hausordnungen beispielhaft anschaut:

Die Hausordnung für das Schwimmbad Bad Berg erklärt in § 4 Nr. 1, dass der Aufenthalt in der Schwimmhalle nur in Badekleidung gestattet ist. Nun ja, barbusige Frauen würden ja zumindest ein Höschen tragen? Eine genauere Definition der Badekleidung erfolgt nicht, jedoch wird in § 4 Nr. 2 explizit erwähnt, dass Badegäste aus dem Bad verwiesen werden können, deren Badekleidung zu beanstanden ist.

Das Schwimmbad der Stadt Luckau bestimmt in § 4 Nr. 6 der Hausordnung, dass das Baden nur in üblicher Badebekleidung gestattet ist. Eine Definition der "üblichen Badebekleidung" erfolgt nicht. Leider wird für Frauen aber wohl ein Oberteil "üblich" i.S.d. § 4 Nr. 6 sein.

Der SSF Bonn 1905 e.V. beispielsweise erwähnt unter 3. Nr. 4 der Haus- und Benutzungordnung für das Schwimmbad explizit, dass Sitte und Anstand gewahrt werden müssen. Diese Regel ist sinnvoll z.B. bei Besuchen durch exhibitionistische Paare, die ihr geschlechtsaktives Treiben demonstrieren möchten. Leider kann man diese Regel wahrscheinlich auch gegen barbusige Frauen einsetzen, obwohl ich persönlich nicht finde, dass eine barbusige Frau Sitte und Anstand verletzt. Das ist aber wohl der Grund, warum die schwedischen Aktivistinnen die weiblichen Formen gerne entdramatisiert hätten: Unser Sittenempfinden muss neu durchdacht werden.
Kleidervorschriften lassen sich in der Hausordnung des SSF Bonn 1905 e.V. sonst nicht finden. Unter 3. Nr. 7 wird jedoch das Schwimmen ohne Badekappe ausdrücklich verboten. Damit ist nach meiner Ansicht ein "Oben-ohne"-Verbot durch die Sittenregel in 3. Nr. 4 noch fragwürdiger.
Denn zumindest könnte auf Grund der Badekappenvorschrift nicht mehr von einer (möglicherweise sogar die Sicherheit gefährdenden) Ablenkung der Männer die Rede sein, denn barbusige Frauen mit Badekappe entsprechen dem erotischen Gehalt eines nackten Mannes mit Socken.

Kommentare:

Peter hat gesagt…

Ich vermute, der Kampf der Feministinnen für Busenfreiheit ist nur der erste Schritt. Der folgerichtige nächste wird sein, aus den tatsächlichen oder vermeintlichen Reaktionen der Männer eine permanente sexuelle Belästigung zu konstruieren und Männer aus den Bädern ganz oder zeitweise auszuschließen.

Frauenbadetage gibt es ja teilweise heute schon, wobei ja eine solche Ungleichbehandlung (es gibt keine analogen Männerbadetage) eigentlich mit dem GG unvereinbar ist.

Hat da eigentlich schon mal jemand deswegen geklagt?

Desperado hat gesagt…

Ja, da hast Du Recht. Ich fordere auch Männerparkplätze in Tiefgaragen von Einkaufszentren. ;)

Peter hat gesagt…

Ja warum nicht? *gg* Wobei ja "Frauenparkplätze" keinerlei rechtliche Verbindlichkeit haben. Die entsprechenden Schilder sind ja nur ein Hinweis für Frauen, kein Verbotsschild für Männer.

Nils hat gesagt…

@ Peter: Aha, woher nehmen Sie Ihr Wissen? Es steht dem Parkhausbetreiber wohl durchaus zu, innerhalb seines Parkhauses Regeln zu treffen, die dann Vertragspflichten darstellen.

Anonym hat gesagt…

Eines jedenfalls ist sicher:

Dieser Planet wäre wirklich ein wunderbarer Ort, wenn es nichts wichtigeres gäbe als die Frage, ob Frauen oben ohne in Schwimmbädern herumlaufen dürfen oder nicht!

Und noch was ist sicher:

Wenn schon absolute Textil-Gleichheit, dann ist´s besser, beide Geschlechter laufen oben ohne rum, als dass wir Männer uns beim Schwimmen einen Bikini anziehen müssen...

Peter hat gesagt…

@ Nils: Aha, uneingeschränkte Vertragsfreiheit? Der Betreiber darf Regeln machen wie es ihm passt? Absolutes Hausrecht noch dazu? (Weil der Betreiber muss ja irgendwie auch seine Regeln durchsetzen können, sonst sind sie ja nur eine Lachnummer).

Dann wäre ja quasi jedes Parkhaus, ja sogar jedes Privatgrundstück eigenes Staatsterritorium?

Faszinierend, die Vorstellung.

Aber vielleicht möchten Sie Ihren Ansatz nochmal überdenken?

Nils hat gesagt…

@ Peter: Nö, möchte ich eigentlich nicht überdenken. Vielleicht kennen Sie das noch von Mutti und Vati: Vati hatte seinen Sessel, auf dem er immer sitzen durfte. Da hätte er auch ein Schild dran machen dürfen: Hier sitz nur ich (Vati) und wer sonst drauf sitzt, fliegt aus meinem Haus. Und er hätte auch für Mutti ein Schild machen dürfen. Und das darf der Parkhausbesitzer auch.

Peter hat gesagt…

@ Nils

Sie haben ein bemerkenswertes Rechtsverständnis *gg*

Mal eine Frage: Darf dann auch ein Kneipenwirt in seinem Lokal (nehmen wir mal an, sein Lokal befindet sich in Bayern und er hat das Hausrecht) das Rauchen erlauben? Nach ihrer Logik schon. Ich fürchte bloß, der Staatsanwalt würde das ein klein wenig anders sehen ;-)

P.S. Sie studieren hoffentlich nicht Jura?

Nils hat gesagt…

@ Peter: Danke der Nachfrage, ich habe Jura studiert und mit Prädikat abgeschlossen. Danach habe ich promoviert. Ich kenne mich grob aus. Zu Ihrem Nichtraucher-"Argument": Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Natürlich muss ich auch in den Räumen, über die ich das Hausrecht ausübe, öffentlich-rechtliche Vorschriften beachten, sei es das Rauchverbot oder die Tatsache, dass ich niemanden erschießen darf. Handlungen, die sich innerhalb der Rechtsordnung bewegen, kann ich aber in meinen Räumen regeln, zumindest solange dies diskrimnierungsfrei geschieht (siehe den Post zu Lüth).

So, das wars jetzt auch. Ihre Auffassung stimmt leider nicht. Hören Sie jetzt auf zu quengeln. Übrigens auch nicht in Bezug auf Ihren Staatsanwalt: Die Einhaltung des Rauchverbots stellen die Ordnungsbehörden sicher.

Peter hat gesagt…

@ Nils

Schon ein starkes Stück, Diskussionsbeiträge und Kommentare als "quengeln" zu bezeichnen.

Aber sie haben ja tatsächlich alles gesagt: Das Hausrecht unterliegt Einschränkungen durch Vorschriften und Gesetze, hier: das Diskriminierungsverbot.

Meine Eingangsfrage war ja, ob schon mal jemand gegen Frauenbadetage ohne entsprechende Männerbadetage geklagt hat. Es liegt ja auf der Hand, dass dies eine Diskriminierung darstellt, da die Nutzungseinschränkung nur geschlechtseinseitig ist.

Werde aber mal selber recherchieren...

Was Frauenparkplätze angeht: Hab mir heute mal die Haus- und Nutzungsordnung von dem Parkhaus angesehen, in dem ich parke: Kein Wort über Frauenparkplätze. Damit ist das Thema eh erledigt.

Übrigens: Sie können gegen Entscheidungen der Ordnungsbehörden den Rechtsweg beschreiten. Und wem werden sie dann im Gerichtssaal letzten Endes gegenüberstehen (sitzen)?

Aber das wissen sie ja alles...

Nils hat gesagt…

@ Peter: Kompliment, Sie haben mich immerhin in einem Punkt noch zu einer Antwort bewegt.

"Und wem werden sie dann im Gerichtssaal letzten Endes gegenüberstehen (sitzen)?"

Antwort: Dem Vertreter der Ordnungsbehörde. Die StA ist zwar formal die Vertreterin in so einem Verfahren, wird in einem solchen Fall aber immer von der Ordnungsbehörde vertreten. Gut zu wissen, was?

Anonym hat gesagt…

Wie soll Mann das verstehen, da demonstrieren die Feministinnen dafür, in öffentlichen Schwimmbädern den blanken Busen zeigen zu dürfen, es sei diskriminierend, da den Männern das Recht zugestanden würde, oben ohne zu baden. Wenn in der Werbung der Busen einer Frau gezeigt wird, demonstrieren dieselben Feministinnen und behaupten, es sei Frauendiskriminierend. Bei Männeroberkörpern ist es bekanntlich egal.

Christine hat gesagt…

Hallo! Ich bin der Meinung, dass es bestimmte Plätze für barbusige Frauen haben soll. Also es ist wirklich unangenehm manchmal, im Schwimmbäder soll das absolut verboten sein.

 

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