14. Februar 2008

Das geht nur im Arbeitsrecht: Anwalt ohne Jurastudium!

Anwalt sein ganz ohne Studium - in der VR China ist das offenbar gang und gäbe.

Heute beim Frühstück sah ich das "Auslandsjournal kompakt" auf ZDF doku. Dort wurde ein neues Arbeitsschutzgesetz vorgestellt, das in China zum Anfang diesen Jahres (vermutlich des chinesichen Jahres, Beginn 7.2.2008, Jahr der schlauen Erd-Ratte) in Kraft getreten sein soll. Dieses Gesetz hat angeblich das deutsche Arbeitsrecht zum Vorbild und sieht unter anderem die für China weitreichenden Neuerungen vor, dass Überstunden grundsätzlich zu vergüten sind und jeder Arbeitnehmer Anspruch auf einen Arbeitsvertrag hat - macht nur so weiter, ihr Chinesen, dann kommen die Arbeitsplätze bald wieder nach Deutschland zurück... :o) Aber ohne jede Ironie: Es freut mich wirklich, wenn die menschenunwürdigen Zustände in chinesischen Fabriken langsam beseitigt werden - selbst wenn dann die Produktionskosten steigen und ich keinen Kaffeebereiter für unter 10 € beim Lidl mehr kaufen kann (habe ich kürzlich getan, funktioniert gut).

Wenn die chinesichen Arbeiter ihre Ansprüche gerichtlich geltend machen wollen, brauchen sie Rechtsbeistand. Die Reporter in dem Beitrag stellten zwei chinesische "Anwälte" vor, die Arbeitnehmer vertreten. Mittlerweile sollen Arbeitnehmerklagen übrigens schon in der Hälfte aller Fälle erfolgreich sein! Die "Anwälte" jedenfalls waren selbst einmal Fabrikarbeiter, die ihr Recht vor Gericht suchten und sich dazu autodidaktisch Rechtskenntnisse aneignen mussten. Später halfen sie auch Kollegen - und sind jetzt ganz als Anwälte für Arbeitsrecht tätig, so richtig mit Sakko und Aktenkoffer. Kollege Sansibar wird schon immer vermutet haben, dass man für Arbeitsrecht kein Jurastudium braucht... :o)

Wer aber in China die Interessen der Menschen gegen Staat und Wirtschaft verteidigt, lebt immer noch gefährlich: So ist der regimekritische Bürgerrechtsanwalt Gao Zhisheng (auch ein Autodidakt) seit einiger Zeit spurlos verschwunden. Kollege Chen Guangcheng, der sich für zwangssterilisierte Dorfbewohner einsetzte, wurde inhaftiert, brutal misshandelt und sogar geblendet.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Orientieren sich die VR China an unserem jetzigen, doch nicht sehr einfachem ArbR? Oder wurde vll schon der momemtan diskutierte Vorschlag von Herr Henssler und Herr Preis zum Vorbild genommen...welche ja sehr viel mehr Systemorientierter ist

Innozenz hat gesagt…

eine gute Frage, die in dem bericht leider nicht beantwort wurde... mE wird das gesetz aber in punkto kompäxität und schutzniveau welten vom deutschen ArbR entfernt sein.

 

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