1. Februar 2008

(Erneute) Revolution im Profi-Fußball?

Der Court of Arbitration for Sports (CAS) hat entschieden, dass der schottische Fußball-Profi Andy Webster seinen bisherigen Arbeitgeber Heart of Midlothian gegen eine Entschädigung von (nur) 150.000 GBP vor Ende seiner Vertragslaufzeit verlassen darf.

Grundlage ist das "FIFA-Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern". Dessen Abschnitt IV. (Artt. 13 ff.) enthält Bestimmungen zur "Wahrung der Vertragsstabilität zwischen Berufsspielern und Vereinen". Vor diesem Hintergrund mutet die Entscheidung des CAS seltsam an, hat Webster den Verein doch vor Ablauf seiner Vertragslaufzeit verlassen.

Schauen wir uns die Regeln mal ein wenig genauer an.
Art. 13 beeinhaltet das, was man gemeinhin dem Grundsatz pacta sunt servanda entnimmt: Ein Vertrag zwischen Spieler und Verein endet mit Ablauf der Vertragslaufzeit oder bei Auflösung kraft gegenseitigen Einvernehmens. Soweit, so gut.
Art. 14 spricht beiden Vertragsparteien das Recht zu, den Vertrag ohne jegliche Folgen aufzulösen , soweit ein triftiger Grund vorliegt (vgl. auch § 314 BGB). Ein solcher kann etwa dann vorliegen, wenn ein "etablierter" Profi zum "Bankdrücker" mutiert (siehe Art. 15).

Interessant ist Art. 17, der eine einseitige Vertragsauflösung OHNE triftigen Grund ermöglicht:
"Löst eine Partei einen Vertrag ohne triftigen Grund auf, kommen folgende Bestimmungen zur Anwendung:
1. Die vertragsbrüchige Partei ist in jedem Fall zur Zahlung einer Entschädigung verpflichtet. Vorbehaltlich der Bestimmungen in Art. 20 und Anhang 4 zur Ausbildungsentschädigung und sofern vertraglich nichts anderes vereinbart wurde, werden bei der Festlegung der Entschädigung aufgrund eines Vertragsbruchs nationales Recht, die Besonderheit des Sports sowie alle anderen objektiven Kriterien berücksichtigt. Darunter fallen insbesondere die Entlöhnung und andere Leistungen, die dem Spieler gemäss gegenwärtigem und/oder neuem Vertrag zustehen, die verbleibende Vertragslaufzeit bis maximal fünf Jahre, die Höhe von Gebühren und Ausgaben, für die der ehemalige Verein aufgekommen ist (und die über die Dauer des Vertrags amortisiert wurden) sowie die Frage, ob sich der Vertragsbruch während der Schutzzeit ereignete.
2. (...)
3. Im Falle eines Vertragsbruchs während der Schutzzeit kann einem Spieler zusätzlich zur Verpflichtung, eine Entschädigung zu zahlen, auch eine sportliche Sanktion auferlegt werden. Diese Sanktion besteht aus einer viermonatigen Spielsperre für offizielle Spiele. (...)
4. (...)
5. (...)"
Obwohl also Art. 13 den Grundsatz der Vertragstreue schützt, gesteht Art. 17 dem Spieler die Möglichkeit zu, den Vertrag ohne triftigen Grund einseitig zu brechen. Dabei muss er mit keiner sportlichen Sanktion rechnen, soweit der Vertragsbruch sich außerhalb der Schutzzeit ereignete. Unter Schutzzeit versteht man einen "Zeitraum von drei ganzen Spielzeiten oder drei Jahren, was zuerst eintritt, nach Inkrafttreten des Vertrags eines Berufsspielers, sofern der Vertrag vor dessen 28. Geburtstag unterzeichnet wurde, oder ein Zeitraum von zwei ganzen Spielzeiten oder zwei Jahren, was zuerst eintritt, nach Inkrafttreten des Vertrags eines Berufsspielers, sofern der Vertrag nach dessen 28. Geburtstag unterzeichnet wurde."

Nicht wenige Spieler können ihren Vertrag also bereits nach 2 Jahren brechen und sich eine lukrativere Beschäftigung suchen, ohne eine sportliche Sanktion fürchten zu müssen. Obwohl Art. 17 (1) mehrere Faktoren zur Bestimmung der Höhe der Entschädigung anführt und dabei auch nicht abschließend zu verstehen ist ("insbesondere"), hat sich der CAS am verbleibenden Wert des Arbeitsvertrages zwischen Webster und Midlothian orientiert. Damit wird die Höhe der Entschädigung vorhersehbar. Spieler und deren Agenten können nun kalkulierten Vertragsbruch begehen.

Man wird abwarten müssen, welche Folgen dieser Spruch auf den Profi-Fußball haben wird. FIFA-Präsident Blatter jedenfalls fürchtet, dass sich Spieler-Berater auf Kosten der Vereine die Hände reiben werden.

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