4. Februar 2008

Haschischanbau: StA ermittelt gegen vorsitzenden Richter und Anwältin

Unter Berufung auf einen internen Bericht der StA Aachen meldete jüngst der "Spiegel", dass gegen einen vorsitzenden Richter am VG Minden und dessen Frau wegen Verstoßes gegen das BtMG ermittelt werde.

Aus dem Bericht gehe hervor, dass Polizisten den Mann im ausgebauten Dachgeschoss seines Hauses nebst elf mit
Cannabis-Blüten und -Pflanzenteilen gefüllten Marmeladengläsern angetroffen hätten. Ein zwölftes Glas habe auf dem Schreibtisch des Raums gestanden, den die Ermittler aufgrund gefundener Unterlagen als Arbeitszimmer des 55-Jährigen bezeichnet hätten. Im Keller des Hauses seien danach 13 Blumentöpfe mit Hanf-Hauptstengeln samt Wurzeln gefunden worden sowie für die Pflanzenzucht nötige starke Licht- und Wärmequellen.

Zum Tatvorwurf hätten weder der Richter noch seine Frau Angaben gemacht.

[Quelle: Der Spiegel 5/2008 S. 14]

NACHTRAG, 4.2.08, 20:35 h:

Oha, der Skandal weitet sich aus: Wie der Online-Ausgabe des Mindener Tageblatts zu entnehmen ist, entdeckte die Polizei nicht nur bei dem Richter, sondern auch bei einer Anwältin die verbotenen Pflanzen.

Auf die Spur der beiden Juristen waren die Ermittler gekommen, weil sie zuvor einen sogenanten "Grow Shop" mit Anbaubedarf durchsucht und dessen Kundendatei beschlagnahmt hatten.

Ferner zeichnet sich das weitere Schicksal der illegalen Rauchware ab: Teile der Erzeugnisse sollen nach Abschluss der Ermittlungen in der Müllverbrennungsanlage in Bielefeld vernichtet werden. "Statt aller" fragt: Packen die Rauchfilter das, oder steht Bielefeld ein Tag voll sanftmütiger Antriebslosigkeit bevor?

NACHTRAG, 5.2.08, 21:40 h:

Wegen seines (bisher) tadellosen Betragens kann der betreffende Richter vorerst weiterrichten.

***

Schön in diesem Zusammenhang ist übrigens
die Rede der nordrhein-westfälischen Justizministerin Müller-Piepenkötter zur Absenkung der "Eigenbedarfsgrenze" um fast die Hälfte:

"Forschungsergebnisse zeigen, dass regelmäßiger Konsum von Cannabisprodukten zu schwerwiegenden, dauerhaften Gesundheitsstörungen führen kann. So können - neben einer Abhängigkeit - Realitätsverlust, Angstzustände, Wahnvorstellungen und extreme Persönlichkeitsveränderungen auftreten."
"Wir wollen – und das werde ich Ihnen gleich im Einzelnen erläutern – ein deutliches Zeichen setzen, dass der Missbrauch illegaler Drogen von der Justiz nicht toleriert wird."
und schließlich

"Auch im Bereich der Drogendelikte gilt: Klarheit und Konsequenz ist das, was Jugendliche verstehen."

Unabhängig davon, ob man Cannabis für genauso gefährlich hält wie die Ministerin dies tut (übertreibt sie?) - die oben geschilderten Entwicklungen lassen jedenfalls die Justiz selbst nicht allzu konsequent erscheinen...

1 Kommentar:

Peer Patent hat gesagt…

Ich dachte immer, Bielefeld gäbe es überhaupt nicht...

 

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