21. Februar 2008

Krieg der Abkürzungen: FTD vs. AO

Die FTD schreibt:
"Doch die Steuersünder, gegen die schon ermittelt wird, können keine Selbstanzeige mehr stellen."
§ 371 II Nr. 2 AO schreibt:
"Straffreiheit tritt nicht ein, wenn ... die Tat im Zeitpunkt der Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung ganz oder zum Teil bereits entdeckt war und der Täter dies wusste oder bei verständiger Würdigung der Sachlage damit rechnen musste."

Statt Aller fragt: Wer hat Recht?

Kommentare:

PR hat gesagt…

Man könnte ja argumentieren, dass jeder Steuersünder angesichts der derzeitigen medienwirksamen Ermittlungsarbeit zwangsläufig "bei verständiger Würdigung der Sachlage damit rechnen" muss, dass seine Tat bereits entdeckt ist.

Peter Sansibar hat gesagt…

Sicher kann man argumentieren. Dennoch ist der Satz aus der FTD wenigestens verkürzt und damit falsch.
Aber was will man von jemandem erwarten, der in demselben Artikel Folgendes von sich gibt: "Rechtsgelehrte pflegen ein blumiges Vokabular, wenn es darum geht, ihre staubtrockene Dogmatik eingängig zu etikettieren."

Offensichtlich steht der (volljuristische) Autor mit Jura ein wenig auf dem Kriegsfuß...

Gruß!
PS

erster Anonymer hat gesagt…

> Aber was will man von jemandem erwarten...

Angesichts der danach vom Autor aufgeführten Beispiele will er locker zur fruit of the poisonous tree-Doktrin überleiten (die Verbindung zwischen "blumig", "Rosinen", "Endivien" und "Frucht" eines "Baumes" ist schon aufgefallen?!).

Und dass man in Artikeln, die sich offenkundig an Nichtjuristen wenden (der Mann schreibt ja nicht in der NJW) nicht jeden Hintergedanken, der einen zu einer Aussage führt, dezidiert darlegt, hat mehr mit Lesbarkeit denn mit Kriegsfuß zu tun.

Peter Sansibar hat gesagt…

@ 1. Anonymer
Es geht nicht um den Teil "blumiges Vokabular", sondern um "staubtrockene Dogmatik" (dass das Zitat auch aus diese Stelle enthält, ist schon aufgefallen!?). Ich halte das für unsachlich und unangebracht und weckt in mir den Verdacht, dass der Autor mit juristischer Dogmatik nichts anzufangen weiß.

Ebensowenig wie offensichtlich mit dem Wortlaut herangezogener Rechtsnormen:
Man kann erwarten, dass eine maßgebliche Rechtsvorschrift nicht verkürzt und damit falsch zitiert wird. Warum nicht der kurze Hinweis: "..., wenn sie - etwa aufgrund der medialen Berichterstattung - mit Ermittlungen rechnen mussten." ?

Gerade für Nichtjuristen hätte es dieser Klarstellung bedurft. NJW-Leser können schließlich selbst nachsehen...

Von einer Zeitung wie der FTD erwarte ich das einfach! Wenn hier schlampig bzw. ungenau gearbeitet wird, wie sieht es dann in anderen Bereichen aus, in denen mir die nötige Sachkenntnis fehlt, um den Inhalt zu überprüfen???

Desperado hat gesagt…

"...wie sieht es dann in anderen Bereichen aus, in denen mir die nötige Sachkenntnis fehlt, um den Inhalt zu überprüfen???"

Absolut genauso scheiße. Wenn ich mich über Spiegel-Artikel wie z.B. den mit dem verwechselten Leistungsschutzrecht aufrege (auch im entsprechenden Printmedium), dann argumentiert meine Freundin immer, dass ich mir dann in Zukunft beschwichtigendes Geredes sparen kann, wenn sie sich über viiiel zu oberflächliche oder sogar falsche Artikel über Medizin-Forschungen aufregt. Sie reagiert da allerdings typisch weiblich und rührt dann eine Zeit lang erstmal keine Spiegel-Ausgabe mehr an, wenn sie so etwas entdeckte. ;)

 

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