8. April 2008

Gehts noch? StA Stralsund erlaubt "Dr. Div. hc"!

Wie bereits berichtet, lässt sich im Internet das eine oder andere Schnäppchen schießen.
So kann man beispielsweise für 29 US-$ die schöne Würde Doctor of Divinity erstehen (wer dann noch 250 € zahlt, ist selbst schuld...).

Diese Würde verführt den einen oder anderen dazu, sich fortan mit "Dr. Div. hc" zu schmücken.
Die Staatsanwaltschaft Stralsund hat nunmehr ein Ermittlungsverfahren wegen Missbrauch von Titeln mangels Tatverdachts eingestellt.


Statt Aller stellt sich in den Dienst aller rechtschaffenden und gottesfürchtigen Doctores und wird Beschwerde einlegen.
Dabei haben wir Beistand aus der Rechtsgeschichte: Das BayObLG hat 1999 (NStZ-RR 2000, S. 236) entschieden, dass derjenige sich gem. § 132a II StGB strafbar macht, der sich mit "Dr. Div. hc schmückt", obwohl er nur ein "Doctor of Divinity" ist.

Wir bleiben dran!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Könnte mich vor Lachen in die Ecke legen, wenn ich mir vorstelle, wie der Zoni-Amtsanwalt "she (sic!) Faculty" in sein Diktiergerät genuschelt hat.

Desperado hat gesagt…

Das ist ja interessant! Ich habe gerade beschlossen, die Arbeiten an meiner Diss nun ruhen zu lassen und mich mit Ice-Crusher und ein paar Cocktail-Zutaten in wärmere Gefilde zurückzuziehen. Dafür bin ich gerne bereit, zuvor die 29 US-$ zu bezahlen. (Beim aktuellen Kurs sind das nicht einmal 20 Euro.)
Wenn das Crushed Ice zuneige geht, mache ich ohne 2. Staatsexamen in Stralsund eine Kanzlei auf und nenne mich "Rechtsanwalt". Vielleicht stört das die StA dort auch nicht so sehr?

Stefan hat gesagt…

Oder vielleicht "Wirtschaftsjuridt for biggest mergers" oder "Bachelor for consulting in all laws". ;-)

Stefan hat gesagt…

meinte Wirtschaftsjurist

Innozenz hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Innozenz hat gesagt…

In dieser Broschüre gibts den ganzen Quatsch gebündelt:

Der Laden zeichnet sich durch ein besonders tiefes Angebot aus... Quatsch-Titel für jeden Anlss.

Leider findet sich nur der Hinweis, dass das Ganze "legal" sei; das betrifft aber nur den Erwerb und nicht eine abgekürzte Titelführung. Die Käufer wollen den Titel doch aber geade so führen, dass er mit einem echten Titel verwechselt wird. Auf S. 4 der Broschüre heißt es dazu bloß: eine Nostrifikation ist weder erforderlich noch möglich, denn kirchliche Titel fallen nicht unter das AkadGrad Gesetz! ME bedeutetet das die schlüssige Zusage der Führbarkeit etwa als "Dr. Quatschkopp"...

Erwerber können also die (wohl rechtskauf)vertraglichen Mängelrechte geltend machen...

advantage hat gesagt…

Ist denn eine Rechtsbelehrung erfolgt? Wenn ja, meines Erachtens dann zu Unrecht. Siehe Kommentierung im M-G, § 172, Rdnr. 9ff. Also keine Vorschaltbeschwerde, kein Klageerzwingungsverfahren. Insgesamt bin ich aber erschüttert. Das grenzt an Strafvereitelung im Amt. Notfalls muß die nächste Anzeige her, wieder bei der StA Stralsund. Bis dies merken.

Innozenz hat gesagt…

Ja, ist erfolgt... mal sehen, was der General zu der ganzen Angelegenheit meint...

Peter Sansibar hat gesagt…

Ich war auch ein wenig verwundert, dass mir die Beschwerde nach § 172 StPO zustehen soll (bin ich "der Verletzte"?).
Da aber die StA Stralsund die schöne Rechtsbehelfsbelehrung angehängt hat, wollte ich die nicht ungenutzt lassen... :)

Sollte das Verfahren aber tatsächlich endgültig eingestellt werden und der feine Herr weiterhin als "Dr. div. hc" firmieren dürfen, werde ich die Arbeiten an meiner Diss einstellen und für 29 Euronen den "Doktor" bestellen. :-/

Desperado hat gesagt…

@peter sansibar: 29 Dollar! Das sind nicht einmal 20 Euro. Ist echt eine Überlegung wert. Stattdessen machen wir ein paar Big Lebowski Abende mit anschließendem Bowling...

Peter Sansibar hat gesagt…

@Desperado
Alles klar, das ist ein klarer Fall einer win/win-Situation! :)

Nils hat gesagt…

Die Vorschaltbeschwerde wird nach meiner Erfahrung immer nur von dem Privatklageverfahren abgegrenzt. Bei den Delikten aus der Liste des § 374 StPO kann der Geschädigte (dort aber tatsächlich nur der Verletzte) selbst StA spielen und Privatklage erheben - was aber in der Praxis selten zugelassen wird.

Ansonsten ist immer Vorschaltbeschwerde drin. Wenn Katalog gem. § 374 (-) = Vorschaltbeschwerde.

In der Tat habt Ihr Recht - der Wortlaut des § 172 I 1 StPO sagt etwas anderes. Aber sind wir nicht alle ein bißchen geschädigt?

kaihawai hat gesagt…

Habt ihr schon gesehen, da gibt's noch ganz andere schöne Angebote. Wer wär nicht gern Minister oder gar Doctor of the Universe oder Doctor of Immortality! Alles unter diesem Link:

http://www.ulc.net/index.php?page=shop

Gruß!

 

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