24. Juni 2008

Laxe Berichterstattung über den U-Bahn-Schläger-Prozess

Die Presse hat Glück, dass sie wegen der Debatte über den Ausschluss der Öffentlichkeit im U-Bahn-Schläger-Prozess wenigstens hierüber berichten kann und somit etwas Futter für die Massen hat. Es sollte dann aber mit der gebotenen journalistischen Sorgfalt berichtet werden, was selbst Spiegel Online egal zu sein scheint.

Zur Sache:
Gemäß § 48 Abs. 1 JGG ist die Öffentlichkeit in Jugendsachen auszuschließen. Hintergrund ist der Schutz der Jugendlichen. Dieser Schutz tritt hinter das Informationsinteresse der Allgemeinheit zurück, wenn im gleichen Verfahren auch Heranwachsende oder Erwachsene angeklagt werden, vgl. Abs. 3 der Norm. Das ist hier der Fall und daher die ganze Aufregung. Hierüber hat SpiegelOnline in einem Videobeitrag berichtet und dabei die Jugendlichen bzw. Heranwachsenden gefilmt. (Abzustellen ist auf das Alter zum Tatzeitpunkt.)
Ganz artig wurden auch die Namen gekürzt, z.B. "Serkan A.". Das Gesicht wurde aber äußerst lax unkenntlich gemacht. Sehr lieblos wurden gerade einmal die Augen weggepixelt(!), die aber - je nach Blickwinkel - immer noch zu erkennen sind. Dabei dürfte gerade in Journalistenkreisen die Rechtsprechung der letzten Jahre bekannt sein, die einen schwarzen Balken über den Augen als unzureichend bewertet hat, wenn die Person im Bekanntenkreis des eigenen Umfelds immer noch zu erkennen ist, wie z.B. (neben anderen) das LG Hamburg (MMR 2007, 398 f.) entschied. Bei den beiden Tätern traue ich mir nach den Filmaufnahmen zu, sie auf offener Straße wiederzuerkennen. Das kann doch nicht wahr sein?

Hier unterstelle ich dem zuständigen Journalisten einfach mal, dass vorsätzlich so getan wurde, als "halte man sich an die Vorschriften", er die Täter aber eigentlich doch auf dem Präsentierteller servieren wollte. Auch ich habe eine wahnsinnige Wut gegen die Täter (wie wohl auch der Rest der Welt) und bin sprachlos ob dieser unglaublichen Brutalität, aber auch dann muss man objektiv bleiben und sich an presserechtliche Grundsätze halten. Die hier angewendete Methode ist ja beinahe mittelalterlich.

Kommentare:

mcn hat gesagt…

In der Bild werden die beiden ganz ohne Verfremdung gezeigt! Sowohl im Foto als auch im Video. Wen wunderts bei der Bild.

Desperado hat gesagt…

Das ist natürlich auch übel, danke für den Hinweis. Als ich das gerade mal auf der Bild-Website kontrollieren wollte, fand ich diese Oben-Ohne-Bilder einer Fußballerfreundin. Ist denn das Caroline-Urteil (EGMR) nichts wert? Wer Urlaub macht, möchte derzeit nicht in der Öffentlichkeit stehen, basta. Erst recht sicher nicht "oben ohne", so schön die Rundungen auch sein mögen.

Anonym hat gesagt…

auf RTL sind die gesichter der beiden ebenso zu sehen wie bei der bild...das tv-pendant zum größten europäischen journalistischen klopapier.

 

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