25. Juli 2008

Durch Ostern geläutert

In einer Akte äußert sich ein Beschuldigter abschließend wie folgt:
"Ich habe mit dem Klauen aufgehört, seit ich von ... erpresst wurde, so zwei Tage nach Ostern."
Naja, das ist ja sehr honorig. Ostern war dieses Jahr am 23.3.2008. Da schaue ich doch glatt mal auf das Datum der Vernehmung: Huch, Mitte April? Na, da hat er ja schon lange durchgehalten. Da will ich seinen vorherigen Stehl-Zyklus gar nicht wissen.

Die Akte hat noch ein Highlight. Es geht um Graffiti. Der Täter hat doch tatsächlich eine website mit Fotos der von ihm beschmierten Züge. Für die Akte ganz praktisch. Man muss nicht selbst Fotos anfertigen, sondern muss nur die website ausdrucken.
Auch ganz praktisch bei Graffiti ist, dass die Täter immer ihr sog. Tag unter die Bilder setzen. Wenn die Täter sich dann noch von ihren Freunden und Bekannten mit ihrem Tag ansprechen lassen, gestaltet sich die Zeugensuche als einfach.

Auch ganz gut ist, dass einer der Geschädigten (eine besprühte Häuserwand) ein Rechtsanwalt ist. Selbst, wenn die StA öffentliches Interesse i.S.d. § 376 StPO hätte verneinen können, hätte der Anwalt möglicherweise mal die in der Praxis fast nicht existierende Privatklage (§ 374 StPO) erheben können, wenn er dann entsprechend angefressen wäre.

Aber Vorsicht, hier lauert eine schöne Examensfalle:
Ich muss dazu nämlich erwähnen, dass der Täter ein Jugendlicher ist. Gemäß § 80 Abs. 1 JGG kann gegen Jugendliche keine Privatklage erhoben werden! Hier wäre wegen des gebotenen Erziehungszwecks ohnehin angeklagt worden. Ok, all diese Hintergründe wusste der Täter vermutlich nicht.

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