28. Juli 2008

Juristische Auswirkungen des "Fulgerators"

Ein 24-jähriger Student hat ein Gerät erfunden, welches die Kunstwelt verändern soll, wie die Süddeutsche berichtet. Es ist vereinfacht ausgedrückt eine Kamera, die ganz kurz Bilder an die Wand projeziert, also quasi im Rückwärtsgang arbeitet: Er nennt es "Fulgerator". Ausgelöst wird die Millisekunden-Projektion durch das Blitzlicht einer in der Nähe stehenden Kamera, wodurch der Abbildung dieser Kamera etwas hinzugefügt wird. Erst auf dem Foto sehen die Fotografen also, was sie da zusätzlich zum anvisierten Motiv fotografiert haben.
Für die nichtfotografierenden anwesenden Leute führt die kurze Projektion vielleicht zu kurzen unterbewussten Signalen, wenn man daran denkt, wie in "Fight Club" durch Tyler Durden (Brad Pitt) Porno-Fotos vor Kinovorführungen in Kinderfilme geschnitten wurden, die das Auge nicht sehen konnte. (Die im Kinosaal anwesenden Familienväter nahmen diese Bilder unterbewusst wahr und wunderten sich, wieso sie auf einmal so fürchterlich spitz wurden... In der Werbung ist dieser "hinterhältige Angriff auf das Unterbewusstsein" übrigens verboten, wie ich mal vor Jahren irgendwo las.)

Zur Kunstwerkherstellung (siehe die projezierten Flammen aus dem Reichstagsgebäude) sicherlich großartig, dieser Fulgerator. Das Foto von Barack Obama mit projeziertem Kreuz am Rednerpult zeigt allerdings, welch Missbrauchsgefahr sich in dieser unscheinbaren Erfindung realisiert.

Um ein paar Beispiele zu nennen:
Durch das "Aufdrücken einer Religion" können sich persönlichkeitsrechtliche Konsequenzen ergeben.
Wer mit dem Fulgerator unentdeckt die Arbeit eines Fotografen dadurch zerstört, dass er pornografische Projektionen u.ä. in die Fotografien befördert, kann das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb verletzen, falls nicht ohnehin schon die Verletzung eines sonstigen absoluten Rechts vorliegt.
Auch urheberrechtliche Konsequenzen können sich ergeben, wie z.B. Werkentstellung. Dabei wird möglicherweise ein Problem darstellen, dass das Werk genau gleichzeitig mit der Beeinträchtigung geschaffen wurde.
Die Liste ließe sich immer weiter fortführen.

Insgesamt finde ich die Erfindung auch genial, aber ob der Erfinder an solche Konsequenzen dachte?

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