21. Juli 2008

Vornamen im Jugendstrafrecht

Ohne den kleinsten Hauch von Boshaftigkeit möchte ich an dieser Stelle einmal anmerken, dass mir während meiner bisherigen Referendarszeit im Dezernat für Jugendsachen bei der Staatsanwaltschaft Gleichmäßigkeiten aufgefallen sind, was die Vornamen der Täter angeht. Drei Vornamen lagen schon mehrfach als Akten getarnt auf meinem Schreibtisch:
Kevin,
Marvin
und Jaqueline.
Und ganz im Ernst: Neulich hatte ich eine Akte, in der mehrere Jugendliche erwähnt wurden, in der alle diese Namen vorkamen, teilweise sogar doppelt. Heute bekam ich von meinem Ausbilder neue Akten und schon wieder ist eine Jaqueline dabei.

Zur Rehabilitation dieser Namen möchte ich auf folgendes hinweisen:
Es gibt eine ganze Reihe toller Schauspieler mit dem Vornamen "Kevin" wie z.B. Kevin Bacon, Kevin Costner, Kevin Kline und Kevin Spacey oder gerne auch Kevin James (King of Queens).
Einer der großartigsten Sänger aller Zeiten trug den Vornamen "Marvin", nämlich Marvin Gaye. Ein weiterer großartiger Sänger, den die Welt unter dem Namen Meat Loaf kennt, heißt mit bürgerlichem Vornamen ebenfalls Marvin.
Eine Lanze für den Vornamen "Jaqueline" (wenn auch in anderer Schreibweise, aber sicher mit den selben Wurzeln) möchte ich durch die Erwähnung von Jacqueline Kennedy oder Jacqueline Bisset brechen. Letztere spielte in Filmklassikern wie Bullit oder Mord im Orientexpress mit. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die legendäre Cellistin Jacqueline du Pré, der mit Hilary and Jackie ein filmisches Denkmal gesetzt wurde. Unvergessen bleibt ihre Interpretation des Cellokonzerts in e-Moll op. 85 von Edward Elgar.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Und was ist mit Ali, Igor und Hassan??

Anonym hat gesagt…

Das ist leicht erklärbar, da die Vornamen einer Mode unterliegen: Z.Zt. sind die Anfang der 90er geborenen Jahrgänge 'in der wilden Zeit' und das ist nun mal jener Kevin, welcher nicht mehr 'allein zu Haus' bleibt. Vor einem Jahrzehnt waren es noch Täter mit 'Fernwehvornamen' wie z.B. "Enrico" & "Mario", die durch die Presse geisterten oder jene Namen auf '-y' wie z.B. "Ronny" oder "Mandy". Der Umstand, dass solche Modevornamen ausserdem innerhalb bestimmter sozialer Schichten besonders häufig vergeben werden verstärkt das beschriebene Phänomen weiter.

Desperado hat gesagt…

@ #1:
Solche Namen kamen zwar durchaus vor, aber mein Dezernat scheint für eine Gegend zuständig zu sein, in der Menschen mit Migrationshintergrund seltener strafrechtlich in Erscheinung treten.

@ #2:
Interessante Erklärung mit "Kevin allein zu Haus". Da könnte der Hase im Pfeffer tatsächlich liegen.

Desperado hat gesagt…

@ Consigliere:
Ja, Du hast Recht. Wie bist Du darauf gekommen? Kommen ja auch genug andere in Frage? ;-)
Möglicherweise kennst Du uns Autoren dieses Blogs? Dann gib Dich doch mal bei Gelegenheit bei einem von uns bitte zu erkennen.

Consigliere hat gesagt…

Intuition...
Kennen wohl nicht, da ich aus dem Ref-"Jahrgang" nach mir (Hinweis! ;) ) niemanden kenne, glaub ich.

Desperado hat gesagt…

D.h., wir wurden/werden von derselben Person ausgebildet? (Hänge ja nicht durchgehend in seinem Büro rum, insofern laufen wir uns da wohl eher nicht über den Weg.)
Wie bist Du denn auf unseren Blog aufmerksam geworden?

Consigliere hat gesagt…

Hatte die AG bei ihm und R-P. Einzelausbildung bei einer anderen StAin. Und auch wenn du nicht immer in dem Büro ganz am ende des Flures rumhängst, könnte ich ihn sicherlich einfach fragen ;)
Und aufmerksam geworden: JuraBlogs.de und dann ab und zu mal ein Auge geworfen, nachdem ich erkannt habe, dass es um "meine" Uni ging.

Anonym hat gesagt…

Einen ebenso beliebten Namen des Prekariats hast du vergessen: JUSTIN.

Desperado hat gesagt…

Ok, dann möchte ich aber auch für diesen Namen eine Lanze brechen: Justin Timberlake. ;)

Anonym hat gesagt…

@anonym
Du hast noch Kevin Kostner vergessen, der uns Anfang der 90er Jahre mit Filmen wie Bodyguard und Robin Hood erfreut hat!!!

Während meiner Zeit in der Staatsanwaltschaft, hatte ich neben einer Menge Kevins auch einige Dannys getarnt als Akte auf meinen Schreibtisch. Auf welchen Schauspieler, Sänger oder Film beruht denn dieser Name aus den Anfang der 90er geborenen Jahrgängen? Danny DeVito?

Martin hat gesagt…

Das häufige vorkommen dieser Namen kann ich nur bestätigen. Ich habe zwar hauptsächlich nur Erwachsenensachen auf dem Tisch, aber letzte Woche doch auch mal einen Fall, in dem ein Sami, ein Kevin, ein Marvin und ein Darvin zusammen auf einen Polizisten eingeprügelt haben. Nur die Jaqueline hat gefehlt !

 

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