26. August 2008

Dr. med Eckart von Hirschhausen und die Juristen der Steinzeit

Mindestens die Harald-Schmidt-Fans unter uns kennen Dr. med Eckart von Hirschhausen, da er bei Harald Schmidt seine ersten kabarettistischen Auftritte abfeiern durfte.
Nun wurde ich gerade auf einen Beitrag von ihm gestoßen, der einen schönen Seitenhieb gegen Juristen beinhaltet (YouTube bei ca. 2:45). Er redet über Neandertaler und deren Zufriedenheit:
Dann gab es ein paar, die waren total gut drauf. Die hüpften durch die Wiese und sagten: "Hey, ein Gänseblümchen". Und dann - zack - Säbelzahntiger im Nacken, Ende Gelände. Die mögen glücklich gewesen ein, aber von denen stammen wir auch nicht ab. Die haben sich nicht mehr fortgepflanzt. Wer sind unsere genetischen Vorfahren? Die Miesepeter, die in der Höhle geblieben sind. Die sich gesagt haben: "Komm, lass die Glücklichen auf die Wiese. Und wenn der Tiger satt ist, dann sammeln wir die Beeren." Unsere Vorfahren waren die Ängstlichen, die Zögerer, die Juristen der Steinzeit, wenn man so will.
Tja, was soll man sagen? Der Mann hat irgendwo Recht. Wenn es zwei Lösungsmöglichkeiten gibt, entscheidet sich der Jurist in seinem Rat immer für die risikolosere, auch wenn der Fragesteller lieber die andere Lösung gehört hätte. Immer lauert der Säbelzahntiger in Form einer Haftungsfalle.
Und so werden Verträge immer länger und immer komplizierter. In Plattenverträgen werden mittlerweile die Rechte für das gesamte Universum eingeräumt, da das ja eines Tages mal relevant werden könnte. Der legendäre Konzertveranstalter Marek Lieberberg machte 1972 hingegen einen Vertrag mit Deep Purple noch zack-zack auf einer Papiertischdecke in einem Frankfurter Gartenlokal, andere Verträge auf Servietten. Ja, so können Laien Verträge machen, wenn kein Jurist dabei ist, der jede Menge Haftungsfallen wittert.
Ich will uns ja gar nicht niedermachen. Die ein oder andere Gefährdungsvermeidung mag auch für Mandanten dabei sein bei all dieser Übervorsicht.
Dennoch muss ich dem geschätzen Kollegen Munzinger Recht geben, der in seinem Blog-Profil schreibt "Gerade in der Juristerei werden oft Problemlösungen angeboten, von hinten durch die Brust ins Auge." und fasse als Vorsatz sein Motto "Simplify your life".

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Achja? Schon mal einem Mandanten erklären müssen, warum die so schön simple Preisklausel in seinem so schön simplen Vertrag (den er seit 20 Jahren als Muster verwendet) nichtig ist und er daher eine Menge Geld verlieren wird?

Peter Sansibar hat gesagt…

Kollege Desperado versteht "Simplify your life" sicherlich nicht so, dass man Mandanten nicht vor unwirksamen Klauseln warnen sollte. Auch spricht er einer fundierten kautelarjuristischen Beratung nicht deren Wert ab. Vielmehr plädiert er für ein Besinnen auf das Wesentliche: Der Anwalt als Problemlöser, nicht als Problemschaffer (auch wenn ein bekanntes Repetitorium seinen Teilnehmern etwas anderes einbläut...).
Das kann man eigentlich auch ohne weiteres aus dem Post herauslesen. Wenn man denn wollte.

Gruß
PS

Walter hat gesagt…

Wir wollen hoffen, dass Kollege Desperado bis zum Eintritt in das Berufsleben die Moral von der Geschichte vom Säbelzahntiger etwas besser verstanden hat als im Moment noch. Ein Mandat von wirtschaftlicher Bedeutung sollte man jedenfalls einem Juristen, der "simplify your life" zum Leitmotiv seiner Berufsausübung macht, lieber nicht anvertrauen.

RA Munzinger hat gesagt…

@ Walter

Dann verkomplizieren Sie schön weiter ihr Leben und lassen es von anderen Anwälten als mir so kompliziert gestalten, dass Ihnen irgendwann der Blick fürs Wesentliche fehlt.

Das würde ich dann mit "das Recht vor lauter §§ nicht mehr sehen" umschreiben.

RA Munzinger hat gesagt…

Und nun noch ein praktisches Beispiel:

Meine gattin und ich, wir sind uns einig, heute Abend eine DVD anzusehen. Der Vorschlag meiner Frau sagt mir nicht zu und umgekehrt verhält es sich genauso.

Also schlage ich eine Zufallsentscheidung vor und wähle bei geschlossener Schranktür die 4. DVD links, oben.

Und siehe da: mit diesem Film können wir uns beide anfreunden.
Und jetzt geht sie los, die show....

Peter Sansibar hat gesagt…

@ RA Munzinger
Ich hoffe für Sie und Ihre werte Frau Gemahlin, dass es sich dabei nicht um "Cloverfield" gehandelt hat. Kollege Desperado und ich sind nach der soeben beendeten Sichtung nämlich höchst enttäuscht.

Gruß!
PS

RA Munzinger hat gesagt…

Wir haben uns "Puppenmord" angesehen, eine herrliche englische Kriminalkomödie.

Walter hat gesagt…

@RA Munzinger: Ihre Methode zur konfliktarmen Auswahl des abendlichen Spielfilms ist als solche zweifellos vorbildlich.

Dass Sie sie aber als "praktisches Beispiel" dafür bezeichnen, wie Sie Ihr "simplify your life"-Motto in Privatleben und (!) Beruf handhaben, spricht aus meiner Sicht für sich und wie bereits gesagt klar dagegen, Ihnen anwaltliche Mandate von wirtschaftlicher Bedeutung anzuvertrauen.

Nils hat gesagt…

@ walter: Och Gottchen, wenn Ihnen jemand wichtige Mandate anvertraut, dann muss er sich ja auch fragen, warum Sie um 1908 h und um 1025 h Zeit haben, Referendaren das Leben und Kollegen die Welt zu erklären.

JackJogger hat gesagt…

Wenn das mal nicht sehr kurzsichtig und eine Haftungsfrage ist, denn wie man weiß, existieren zahlreiche Universen...

 

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