9. September 2008

Die neue Serie! "Promovierte Volksvertreter" - heute: Markus Söder

Heute will ich Ihnen die Doktorarbeit des sympathischen, bayrisch-kernigen MdL Dr. Markus Söder vorstellen. Der Nachwuchshoffnung der CSU wird ja oft mangelnder politischer Tiefgang vorgeworfen, wenn er statt auf Inhalte lieber auf Populismus setzt. Doch schon ein Besuch auf der Homepage des Staatsministers für Bundes- und Europaangelegenheiten zeigt, dass der gute Mann tatsächlich ganz nah am Menschen ist, so wie er gegen die Bildschirmscheibe klopft und offenbar rausgelassen werden will...

Der Jungpolitiker, der sich selbst gern als promovierten Juristen bezeichnet, hat in der Tat zwischen 1987 und 1991 Rechtswissenschaften an der Universität in Erlangen studiert und mit dem ersten Juristischen Staatsexamen abgeschlossen. Die vielen politischen Tätigkeiten, die eine Karriere als Berufspolitiker schon früh abzeichneten, und seine Tätigkeit als Redakteur beim Bayrischen Rundfunk verhinderten leider ein Referendariat, so dass Markus Söder jedenfalls kein Volljurist wurde.

Trotz dieser Abkehr von einer juristischen Laufbahn schloss er 1998 noch das Promotionsverfahren an der FAU Erlangen/Nürnberg ab. Titel seiner Dissertation:
"Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt - Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818"

Nun überrascht die Wahl eines rechtshistorischen Themas nicht unbedingt, wenn man in seinem Leben nicht mehr juristisch arbeiten will und stattdessen lieber geschichtlich forschen möchte. Wie aber ist es um die Qualität der Schrift bestellt?

Leider mangelt es mir an einer fundierten Kenntnis der bayrischen Kommunalverfassungsgeschichte. Eine inhaltliche Bewertung scheidet daher aus. Vielleicht lassen aber die Fakten Rückschlüsse darauf zu, ob Herr Söder der Wissenschaft einen großen Dienst erwiesen oder eher ein dünnes Brett gebohrt hat.

Negativ fällt bei Ansicht der Dissertation sofort auf, dass sie nur im Selbstverlag veröffentlicht wurde. Finanziell ist dies ja nicht unbedingt günstiger als der zu zahlende Druckkostenzuschuss bei einem renommierten Verlag. Auch ein Literaturverzeichnis mit nur 60 Einträgen spricht mehr für eine umfangreiche Seminararbeit denn für eine Dissertation. Auf 243 Seiten, große Schrift und 1,5-zeilig bedruckt, kommt Markus Söder sodann mit nur 416 Fußnoten aus. Viele davon verweisen auch nur auf das bayrische Hauptstaatsarchiv. Andererseits wird seitenlang ohne Verweis auf andere Autoren ausgeführt, obgleich der Text eine Bezugnahme erkennen lässt.
All dies spricht für eine Schmalspur-Dissertation. Der Titel macht sich auf Wahlplakaten trotzdem gut...

Kommentare:

RA JM hat gesagt…

Literaturverzeichnis mit nur 60 Einträgen, 243 Seiten, 416 Fußnoten. An „meiner" Uni (CAU Kiel) gerade so für eine Hausarbeit im 1. Examen ausreichend. ;-)

Malte S. hat gesagt…

Na da bin ich ja auf die Fortsetzung gespannt. Schäuble, Steinmeier, Beckstein...

@RA JM: Grüße aus "Ihrer" alten Uni - sitze grad im Seminar ;)

Peter Sansibar hat gesagt…

Steinmeier ist in der Tat "der Nächste".
Vorher muss ich aber zu den Pädagogen oder zu Frommel (s. UB-Katalog)...

Gruß!
PS

Malte S. hat gesagt…

an dann wünsche ich viel Spaß bei den Pädagogen ;)
Die von Schäuble wurde übrigens sogar schon weggesperrt ins geschlossene Magazin - also noch nicht im Giftschrank ^^

Anonym hat gesagt…

Immerhin hat er sein Promotionsvorhaben eingereicht, als sie im Keller vergammeln zu lassen... oder ist das ein Zeichen von Mut gewesen?
Die rote Grütze ist hevorragend gewählt ;)
Lässt dies Rückschlüsse auf eine schwarz/rote Koaltion nach den Septemberwahlen in Bayern zu?
Oder verspeist er die roten zum Frühstück?

Simon hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Ulrich Wackerbarth hat gesagt…

Lieber Herr Kuppler,
da bin ich aber mal sehr gespannt auf Ihre Dissertation, die vermutlich aus dem Familienrecht sein wird (weil das so gut zu Ihrem Namen bzw. dem fehlenden Impressum auf Ihrem Blog passt). Ich freue mich schon darauf, Seitenzahlen und Fussnoten zu zählen und schlage bereits jetzt vor, dass die Notenvergabe für Doktorarbeiten sich künftig allein nach diesen Kriterien und noch dazu nach dem gewählten Verlag richten soll.
Beck-Verlag = summa cum laude
Selbstverlag = leider insufficienter.
Haben Sie da nicht noch eine Super-Idee zur Bewertung der Lehr- und Forschungsleistung von Professoren?
Noch viele gute Ideen wünscht Ihnen
Ulrich Wackerbarth

Anonym hat gesagt…

Mah..das ist weder notwendig..so was von entbehrlich!Und die Meute stürzt sich auf das Opfer....und wie gut, dass die Analyse seiner Diss so unglaublich wissenschaftlich ist: Parameter der Quantität etc..war immer schon ein Kriterium viel Luft zu produzieren bedeutet Qualität..
Aber wenigsten gesteht der "Gutachter" hier, das er keine Ahnung vom Thema hat...
Bitte unterlasst so etwas ich finde das soo primitiv!

Malte S. hat gesagt…

@beide Vorposter: Wenn eine wissenschaftliche Arbeit relativ wenig Quellen verwendet und offenbar zitierte Quellen nicht angibt, dann ist das meistens schon ein Anzeichen dafür, dass sie nicht gerade überragend ist. Das kann sich im Inhalt natürlich widerlegen lassen - aber hier wurde ja ausdrücklich nicht der Inhalt, sondern der Eindruck bewertet.

Anonym hat gesagt…

@ ulrich wackerbarth: Seien Sie doch froh, wenn Herr Kuppler ein neues Bewertungssystem für Lehrende entwirft. Verheerender als Ihre Bewertung (http://www.meinprof.de/uni/prof/482) kann es doch kaum noch werden.

Innozenz hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Innozenz hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Wackerbarth,

vertreten Sie etwa die Ansicht, dass eine Rechtspflicht bestünde, 'Statt aller' mit einem Impressum auszustatten?

MfG!

Peter Sansibar hat gesagt…

Lieber Herr Wackerbarth,

ich hätte Ihnen ein wenig mehr Humor zugetraut.
Ihre Video-Streams (zusammen mit Herrn Kreße) finde ich nämlich ganz amüsant.

Gruß!
PS

Anonym posten ist doof! hat gesagt…

Ohne jegliche Ahnung von der Thematik einer wissenschaftlichen Arbeit ist es unmöglich zu beurteilen, ob wichtige Literatur nicht ausgewertet wurde, bzw. ein Zitat nicht durch eine Fußnote als solches gekennzeichnet wurde. Über die inhaltliche Qualität ist damit sowieso nichts ausgesagt.

Von daher handelt es sich klar um einen Schmalspur-Blogeintrag.

@innozenz: Inwiefern nach § 5 TMG eine Anbieterkennung rechtlich erforderlich wäre, interessiert doch überhaupt nicht. Wenn man sich ein Werturteil über eine Person/deren Leistung erlaubt, gebietet es der Anstand, dass man sich selbst zu erkennen gibt. Ansonsten bezeichnet man so ein Verhalten gemeinhin als feige.

Statt hat gesagt…

Anonym kommentieren ist doofer! ;)

Innozenz hat gesagt…

Noch ein paar Worte zu Dr. Söder:

Machen wir uns nicht vor: Natürlich wird es anspruchsvollere Promotionsvorhaben geben als ein rechtsgeschichtliches zur "Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818" (gibt es ein linksrheinisches Bayern?!).

Aber gerade wenn man hauptberuflich Aufgeben im Landtag und in der Partei zu erledigen hat ist es eine bewundernswerte Leistung, ein solches Vorhaben in angemessener Zeit "durchzuziehen" - besser jedenfalls, als jahrelang an einem hochdogmatischen Thema zu laborieren, es ei denn man hat Spaß an soetwas.

Titel ist schließlich Titel, gerade wenn man ihn nur für das Wahlplakat und nicht als Startpunkt für eine Wissenschaftskarriere will.

Selbst wenn es sich um eine "Schmalspurdiss" handeln sollte also "Hut ab" vor Dr. Söder - jedenfalls solange er sich nicht der Dienste eines
"akademischen Ghostwriters"
bedient hat, was ich ihm aber in keinster Weise untersstellen möchte!!!

Ulrich Wackerbarth hat gesagt…

In der Reihenfolge der Reaktionen:
@malte s.: Genau, hier wird offensichtlich nicht der Inhalt, sondern nur der Eindruck bewertet... und mein Eindruck ist, dass hier jemand durch den Kakao gezogen werden soll, ohne dass es dafür inhaltliche Substanz gibt...
@anonym: Wieso? Ich bin doch Top-Professor meiner Uni...
@innozenz: Siehe den übernächsten beitrag von anoynm posten ist doof!
@peter sansibar: Es tut mir leid, aber ich bin wohl eine völlig humorfreie Zone...

Malte S. hat gesagt…

@Innozenz: Was ist an der Diss den beachtlich, wenn sie eine Schmalspurdiss ist? Qualitativ steigt sie nicht dadurch, dass der Autor einen schwierigen Lebensweg eingeschlagen hat. Das bekommt man in keiner Prüfung - und nichts anderes ist die Promotion - angerechnet.

@Prof.Wackerbarth: Wenn man aus dem Indiz mangelnder Formalien einen netten Anhaltspunkt hat und dazu noch Spaß daran hat, das etwas süffisant auszudrücken, was soll daran schlimm sein?

Innozenz hat gesagt…

@malte s.

Falscher Ehrgeiz schadet nur. Das zu erkennen und danach zu handeln, ist eine beachtliche Leistung! Viele erkennen das nämlich nicht - zumindest nicht rechtzeitig...

Malte S. hat gesagt…

@Innozenz: Stimmt. Allerdings dem wissenschaftlichen Niveau - gerade bei Leuten, die ihre Diss nur noch "pro forma" machen (sog. Schmalspurdissertation). Hätten die mal erkannt, dass sie keinen wertvollen Beitrag zur wissenschaftlichen Literatur liefern können und sollten....

Anonym hat gesagt…

söder zur kompetenz des deutschen volkes, über europa zu entscheiden: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,559630,00.html

"Die Volksabstimmungen bergen immer die Gefahr, dass es nicht um die Sache, sondern nur um innenpolitische Motive geht. Deshalb sind wir gegen Referenden."

das heißt soviel wie: ihr alle seid strunzdoof!

Malte S. hat gesagt…

Nein, das soll heißen, dass er befürchtet, das Volk könnte erkennen was für einen Unsinn die Regierung baut und entsprechend anders entscheiden...
Wie war das doch gleich:
"Demokratie ist die effizienteste Form, einem unterdrückten Volk Glauben zu machen, es werde nicht unterdrückt."
und noch effizienter gehts wohl, wenn man die demokratischen Elemente auch noch reduziert (sog. Scheindemokratie). ^^

Anonym hat gesagt…

Der Witz an einem Weblog ist doch gerade, dass man anonym bleiben kann. Höhö. Sowohl als Kommentator als auch als Autor. Und hier hat ja wirklich keiner jemanden beschimpft oder verächtlich gemacht, sondern sich aufgrund von Tatsachen ein Werturteil gebildet.

Innozenz hat gesagt…

@malte
du hast offenbar nicht erkannt, dass wissenschaft kein selbstzweck ist.

Malte S. hat gesagt…

@Innozenz: Selbstverständlich habe ich das erkannt. Nur wird der Zweck der Wissenschaft durch schlechte Dissertationen nicht gerade gefördert.

Anonym hat gesagt…

Herr Söder war auch ein Schmalspurstudent-meine Freundin und ich durften Ihn auf einer halb-offiziellen Nachwuchs-CSU Party in den 90'zigern erleben...

Eins steht fest;sollte er jemals Ministerpräsident werden wollen,packen wir aus,was in dieser Nacht geschah!

Anonym hat gesagt…

Oh Mann ... diese "Bewertung" einer Diss ist doch echt für die Katz. Was soll denn das? Schon mal ne gute Mathe-Diss gesehen?
Wenige Seiten ....

Anonym hat gesagt…

Bei einer (rechts)historischen Arbeit sollte man erwarten, dass mit archivalischen Quellen gearbeitet wird. Deshalb ist es keineswegs negativ, wenn Herr Söder häufig auf das Bayerischer Staatsarchiv verweist. Und auch beim Literaturverzeichnis sollte man nicht nur auf Quantität, sondern auch auf Qualität achten.

 

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