18. September 2008

Störrischer Chef

Wie ich in meinem letzten Post beiläufig erwähnte, haben ordnungsgemäß geladene Zeugen die Pflicht, vor Gericht zu erscheinen. In einem meiner letzten Sitzungsdienste durfte ich jedoch erleben, dass beim erstmaligen Gespräch mit den Zeugen eine Zeugin vermisst wurde. Auf Nachfrage des Vorsitzenden berichtete dann ein anderer Zeuge, diese Zeugin sei seine Freundin und ihr Chef habe ihr nicht freigegeben. Natürlich war der Vorsitzende schon etwas angefressen, aber der Kragen platzte ihm endgültig bei der Antwort auf seine Frage, wo denn die Zeugin arbeitet:
"Bei einem Anwalt."
Die gute Dame ist also eine Rechtsanwaltsfachangestellte. (Ist das die korrekte Bezeichnung für diesen Job?)
Ok, das war jetzt nicht vorschriftsmäßig, aber wie so oft, so haben wir die Zeugin auch dieses Mal sowieso nicht benötigt. Es waren einige Zeugen vor Ort, von denen die Hälfte ungehört nach Hause geschickt wurde. Schon die Aussagen der Geschädigten reichten für eine Einstellung des Verfahrens aus.
Dennoch fand ich das hier einmal erwähnenswert, dass ein Anwalt seiner Angestellten für eine Zeugenaussage nicht frei gibt. Der Anwalt ist nebenbei gesagt Strafverteidiger!

Kommentare:

shabazz hat gesagt…

Vielleicht hatte er Ihren Beitrag vorher gelesen. Grins

Christina hat gesagt…

Wahnsinn!!! Unsere Zeugen, die nicht frei bekommen, sind meistens Krankenschwestern oder allgemein Azubis. Aber dass der Anwalt seiner Angestellten nicht freigegeben hat ist doch die absolute Höhe... Werd aber mal beim allabendlichen Sitzungsakten-Studium mal genauer auf die Berufe der geladenen Zeugen schauen... :)

 

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