31. Oktober 2008

Dr. Ralf Höcker betreibt Rechtsanwalt-Bashing

Gestern abend bin ich beim Durchschalten zufällig bei Johannes B. Kerners Talkshow auf dem ZDF hängen geblieben. Zu Gast war unter anderem Dr. Ralf Höcker, Urheber der bekannten Rechtsirrtümer-Lexikonreihe. Sein neues Werk Anwalt-Deutsch/Deutsch-Anwalt muss natürlich promoted werden. Dabei bedient er die gängigen Klischees und macht sich über die vermeintlich abgehobene Sprache der Juristen lustig.

Gestern hat er als Beispiel die absurde Prüfung des Diebstahls angeführt. Die Juristen müssten alles unnötig verkomplizieren, Begriffe wie Wegnahme definieren und sind dann auch noch gezwungen, diese Definitionen erneut zu erklären (Was ist denn ein Bruch?). Dabei wisse doch jeder, dass das fragliche Verhalten am Ende ein einfacher Diebstahl gewesen sei.

Großes Gelächter im Publikum und bei Johannes B. Kerner, der betont, mit Dr. Höcker mache es wirklich Spaß über Jura zu diskutieren.

Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, warum Dr. Ralf Höcker, der ausweislich seiner Homepage eine echte juristische Heißdüse zu sein scheint, platte Vorurteile gegenüber Juristen auch noch wider besseren Wissens bedient. Auch wenn humoristische Abhandlungen über Juristen ihre Berechtigung haben, sollte doch wenigstens ein Rahmen wie gestern abend genutzt werden zu erklären, warum eine exakte (!) Sprache grade im Strafrecht vielleicht doch ihre Berechtigung hat.

Und am schlimmsten ist dann immer, dass die lieben Angehörigen oft genug meinen, ein Buch aus der Feder Höckers sei das ideale Geschenk für einen Juristen... Herzlichen Dank auch!!

Kommentare:

Desperado hat gesagt…

Yeah, der letzte Absatz trifft es sehr. Aber Deine Verwandten lesen doch sicher StattAller, oder? ;-)

Auch ansonsten gebe ich Dir Recht: Höcker hätte vielleicht mal Beispiele aus der Rechtsprechung geben sollen, wo ein einzelnes Merkmal unserer komplizierten Diebstahlsdefinitionen zur Verurteilung oder Nichtverurteilung führte. Ich bin sicher, Kollege Sansibar könnte aus dem Stegreif mindestens fünf Fälle nennen. (Keine Sorge, das soll keine Aufforderung sein.)

Alexander Hartmann hat gesagt…

Wunderbar treffender Beitrag - vielen Dank!

Hendrik hat gesagt…

Ihnen geht es doch hier aber genau wie Herrn Höcker. Er hat Arbeit in sein Werk gesteckt und lässt sich aus diesem Grund dazu hinreißen, in nicht gerade förderlichen Sendungen wie die von Herrn Kerner aufzutreten.
Sie haben viel Arbeit in Ihr Studium und diverse Weiterbildugnen gesteckt und mögen es jetzt nicht, wenn Ihre Arbeit angegriffen wird.
So ist es nun einmal beim Menschen, keiner mag es, wenn seine Arbeit kritisiert wird. Schlimm wird es allerdings wenn man es nicht einsieht und sich verbeißt. (Ganz provokativ: Für Juristen im Allgemeinen ist es sicher so gut wie unmöglich von einer bestehenden Meinung abzurücken.)

Im Endeffekt beschreibt Herr Höcker aber nur Vorurteile, an denen sicher sehr viel dran ist, sonst würden Sie nicht existieren.

Ich werde mir dieses Buch mit Sicherheit holen, da man schon allein für den Preis einen Blick riskieren sollte.

Anonym hat gesagt…

...einer seiner angestellten anwälte hat neben seinem ll.m-studium auch noch ein schauspielstudium absolviert.

gehört derartiges mittlerweile schon zu den heißbegehrten schlüsselqualifikationen?

Ralf Höcker hat gesagt…

Liebe Kollegen,

ich erlaube mir mal, mich in die Diskussion einzumischen - immerhin betrifft sie mich.

Ich gebe Ihnen völlig recht darin, dass es mir in der Sendung nicht gelungen ist, meine Positionen, v.a. was § 242 StGB betrifft, ausreichend zu begründen. Dies ist in einer Talkshow allerdings auch sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Dort blieb mir kaum eine andere Wahl, als mich auf die pauschale Feststellung zu beschränken:

„Das ist alles viel zu kompliziert.“

Alternativ hätte ich ganz den Mund halten müssen.

Das hätten Sie möglicherweise für vorzugswürdig gehalten. Ich meine aber, dass meine Auffassung es durchaus auch dann wert ist, gegenüber juristischen Laien transportiert zu werden, wenn man sie nicht so erläutert, wie ich sie Ihnen als Kollegen erläutern kann.

Diese Erläuterung hole ich hiermit gerne nach:

Ich halte § 242 StGB in der Tat nicht für ideal formuliert. Weshalb z.B. werden Generationen von Jurastudenten mit der Abgrenzung von Diebstahl und Unterschlagung gequält? Würde man hierauf verzichten und einen einheitlichen Tatbestand schaffen, der unabhängig vom Gewahrsamsbruch ist, könnte man sich eine Menge Arbeit sparen. Da das geschützte Rechtsgut der §§ 242, 246 (Eigentum) identisch ist, ließe sich das m.E. realisieren. Die Definitionen von „Gewahrsam“ und „Bruch“ fielen dann schon einmal weg. Sie werden erwidern, dass § 242 anders als § 246 nach h.M. nicht nur das Eigentum, sondern auch den Gewahrsam schützt und das es etwas anderes sei, ob ich mir eine Sache zueigne, die ich bereits in Gewahrsam habe oder eine Sache, die ich erst wegnehmen muss. Das ist richtig. Bei einer Abwägung der Vor- und Nachteile einer Gesetzesvereinfachung halte ich den strafrechtlichen Schutz des Rechtsguts "Gewahrsam" jedoch für verzichtbar, wenn auch eine rechtswidrige Zueignung vorliegt. Denn der Kern auch des Diebstahlsvorwurfs betrifft doch nicht den Gewahrsamsbruch sondern die rechtswidrige Zueignung. Und die haben wir auch bei der Unterschlagung. Wenn nicht geklärt werden kann, ob ein Gewahrsamsbruch vorliegt, wird bei bewiesener rechtswidriger Zueignung schließlich sowieso wegen Unterschlagung verurteilt.

Dies ist nur ein Beispiel. Ich habe in meinem Buch andere Beispiele gebracht, in denen ein unbestimmter Rechtsbegriff durch einen anderen ersetzt wird und dies dann „Definition“ genannt wird. Nur noch albern wird es zum Beispiel, wenn im Lebensmittelrecht Krebse als Tiere der Klasse der Crustacea definiert werden. Zur Erläuterung: Crustacea ist schlicht die lateinische Übersetzung für Krebse. Das sind doch keine juristisch notwendigen Definitionen. Das ist doch l´art pour l´art!

Ich hoffe, mit diesen Erläuterungen für ein wenig Klarheit über meinen Standpunkt gesorgt zu haben und freue mich über die Möglichkeit, dies in einem Blog wie diesem tun zu können!

Beste Grüße

Ralf Höcker

Nils hat gesagt…

@ Ralf Höcker: Danke für den Beitrag. Ja, da ist etwas dran, zumal die Verurteilungen wegen § 246 und § 242 am Ende keinen so gewaltigen Unterschied machen. Aber die Länge Ihrer Darstellung zeigt durchaus, dass eine Unterhaltungssendung eben nicht der passende Rahmen für die Diskussion ist. Beim Publikum bleibt hängen: Die machen alles unnötig kompliziert und denken nicht darüber nach. Zumindest letzteres bezweifle ich.

@ hendrik: "Im Endeffekt beschreibt Herr Höcker aber nur Vorurteile, an denen sicher sehr viel dran ist, sonst würden Sie nicht existieren."

Ich fürchte, sie wollten keine satirische Aussage machen. Wesentlich dümmer geht es nun wirklich nicht.

Johnny Kuppler hat gesagt…

Lieber Herr Höcker,
herzlichen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag. Endlich lässt sich auch mal Prominenz in unserem kleinen Blog blicken. :)

Dennoch bleiben wir bei unserer grundsätzlichen Kritik:
Sie bedienen gängige Klischees über Juristen. Da sie selbst "vom Fach" sind, kommt Ihren Äußerungen ein besonderes Gewicht in der öffentlichen Wahrnehmung zu.

Dabei werden Sie selbst wissen, dass die Universität in der Ausbildung darauf achtet, dass
die Studenten sich eben nicht Substantivistisch, Passivisch und verschachelt ausdrücken. Als Korrekturassistent achte ich strikt auf eine klare und präzise Sprache.

Selbstverständlich gibt es einige Anwälte, die nicht über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, sich klar auszudrücken. Das aber ist kein System- oder Ausbildungsfehler, sondern dem mangelnden Intellekt dieser Personen geschuldet. Allenfalls liegt der Fehler des Systems darin, solche Personen mit zwei Examina auszustatten...
Man sollte darauf achten, nicht die gesamte Juristenschaft mit diesen Negativbeispielen gleichzusetzen. Ihre Kritik in Ihrem Kommentar scheint im Übrigen mehr dem Gesetzgeber, denn dem Rechtsanwender zu gelten.

Im Endeffekt aber haben Sie alles richtig gemacht und mehrere Beststeller verfasst. Sie sind uns einfach nur zuvorgekommen. :)

Herzlichst,
Ihr J. Kuppler

Anonym hat gesagt…

Ich hätte mall sehr gerne eine andere Frage aufgeworfen.
Mann verliert die Glaubwürdigkeit an Politiker wenn die eins reden und sich nicht mehr daran hallten.
Ist das auch so ganz normall und unverpflichtet bei eine Behörde b.z.w. Fachämter?

Meine erste Frage:
a)Darf der Bürger sich auf eine Schriftliche Aussage einer Behörde (Fachämter) verlassen können?
b)Müssen die Fachämter sich nicht auch dann daran hallten?

Wer weiß ob es nicht schon mall in der Frage (a) ein Urteil gefählt ist worden?
Ich bitte sehr auf einen Hinweis, hier oder am besten auf meine mail schalom2@gmx.de und danke herzlich im vorraus.

 

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