16. Oktober 2008

Erhoffte bauliche Veränderungen in Kiel

Für Kieler Musikliebhaber ist es kein Geheimnis: Wir haben einfach keinen vernünftigen Konzertsaal. Als Klassikradio das 1. Mal mit der großen Welt der Filmmusik auf Tournee ging, wurde als Konzertsaal die Ostseehalle genutzt. Trotz meiner Eigenschaft als großer Filmmusikfan blieb (nicht nur) ich diesem Event wegen der nicht standesgemäßen Akustik fern.
Ein weiterer Konzertsaal in Kiel befindet sich im Kieler Schloss. Dieses trägt seinen Namen auch nur noch aus historischen Gründen und damit völlig zu Unrecht. Optisch an Hässlichkeit kaum zu überbieten, doch es enttäuschen auch die inneren Werte. Die Akustik ist für klassische Konzerte eher suboptimal. Die vielen von den oberen Rängen überbauten Sitzreihen haben eine Akustik, die dem Zuhörer das Gefühl geben, in einer engen Nische eingefercht zu sein oder vergessen zu haben, den Motorradhelm abzusetzen. Insgesamt ist der Sound viel zu leise und zu kraftlos. Die seitlichen Plätze sind noch viel schlimmer. Nachdem ich im Hamburger Raum so um die 15-20 Konzerte vom BoogieWoogie-Star Joja Wendt besuchte, saß ich bei seinem ersten Kieler Konzert seitlich unterhalb des Rangs und fühlte mich akustisch deutlich weniger integriert.

Das alles könnte bald vorbei sein!
Die Stadt Kiel steht in Verhandlungen mit der ECE über den Bau einer Philharmonie. Dafür soll das Kieler Schloss abgerissen und durch die zeitgemäße Philharmonie, die man auf einem Foto auf der ECE-website deutlich sehen kann (im linken Teil des Bildes), ersetzt werden. Zusätzlich soll die Eggerstedt-Straße durch eine Shopping-Mall ersetzt werden. Darüber hinaus soll die Stadt ein 5-Sterne-Hotel erhalten, welches auf dem Foto im rechten Teil zu sehen ist. Keine Sorge, das Rantzau-Gebäude bleibt bestehen und wird in die geplanten Umbaumaßnahmen integriert.

Ich hatte das Glück, zu den beiden kleinen Fotos eine ganze PowerPoint-Präsentation sichten zu können. Das gesamte Projekt wirkt sehr ansprechend und hebt die Attraktivität der Stadt m.E. erheblich. Schließlich sollten wir nicht vergessen: Kiel ist die Landeshauptstadt. Da wäre es doch angebracht, dies durch ein schönes Hotel (unsere Hotellandschaft ist auch eher dünn) und eine schöne Philharmonie zu unterstreichen. Ende Dezember wird wohl darüber entschieden werden.

Kommentare:

BN hat gesagt…

Ich hab darüber vor einiger Zeit in der KN gelesen. Das Kiel städtebaulich erhebliches Ausbau-Potential hat ist wohl unbestritten und jede Neubaumaßnahme von vorherein irgendwie willkommen. Aber angesichts der Bausummen, die da im Raum stehen und angesichts der gesamtwirtschaftlichen Schieflage muß man sich realistischerweise schon fragen, ob das machbar oder gar vernünftig ist. Kiel hat mit dem Schmid-Bau ja schon mal einen städtebaulichen Fast-GAU erlebt, der erst allmählich wieder behoben werden konnte... Aber ein Konsum- und Vergnügungs-/Kulturtempel im Zeichen aufkommender Rezession??? Oh hauaha...

Desperado hat gesagt…

Die Bausummen sind in diesem Fall egal. ECE zahlt das alles. Die wollen ja auch die Mieten. (Denen gehört auch der Sophienhof.) Die brauchen nur die Genehmigung, das Schloss abreißen zu dürfen und das ist natürlich ein Politikum.

Nils (aus Lübeck) hat gesagt…

Kiel ist ein Scheiß-Fischer-Dorf, das zu Recht nie Bedeutung hatte. Es wurde aus Dummheit und Ignoranz Landeshauptstadt. Nicht umsonst fährt die Landesregierung mit ausländischen Besuchern schamhaft nach Lübeck, weil man die peinliche Bauruine an der Ostsee niemandem präsentieren mag. Das schönste an der Stadt ist die Auffahrt zur B 404. Das darf auch so bleiben.

Desperado hat gesagt…

Na, aber es wäre doch auch schön, wenn man die ausländischen Besucher nicht mehr nach Lübeck fahren müsste, weil man selbst was zu bieten hat? Für mich wäre so eine architektonisch interessante Philharmonie definitiv ein Anfang.
Kiel ist eine Stadt am Wasser. Das hat schon Potenzial, welches bisher nicht genutzt wurde, finde ich.

Nils hat gesagt…

@ Desperado: Natürlich wurde das Wasser schon immer hinreichend genutzt.

Erst als Fischerdorf, was ja in den Herzen der Kieler auch immer noch angelegt ist, dann durch Kaiser Wilhelm und seine Marine, dann durch die Briten, weil Wasser so schön funkelt und man damit besser treffen kann und danach zum draufgucken: Als der damalige Landtagspräsident Heinz-Werner Arens den für ein paar Millionen umgebauten Landtag eröffnete, rechtfertigte er das Verbrennen der Steuergelder mit dem Hinweis, dass nun auch "alle Abgeordneten aufs Wasser gucken können". Schön. Wasser hinreichend genutzt. Vielleicht kann man die Stadt irgendwann auch dahinein entsorgen.

Dass es künftig nicht mehr nötig sein soll, mit Delegationen nicht nach Lübeck (was halt eh Landeshauptstadt sein sollte) zu eiern, meinst Du hoffentlich nicht ernst: Dann kann man die ausländischen Delegationen ja tagsüber nur mit Augenbinde herumlaufen lassen oder sie halten Kiel für eine normale deutsche Stadt.

BN hat gesagt…

Also, wenn ich richtig informiert bin, würden die mehr als 300 Millionen veranschlagten Kosten durch ECE, Bauzuschüsse anderer Investoren aber auch durch öffentliche Mittel getragen werden. Soweit die Stadt für den Unterhalt und Betrieb der Philharminonie zuständig sein soll, wird sie sich natürlich auch finanziell an dem Projekt zu beteiligen haben.

Auch die ECE wird es sich nicht leisten können, das Geld so einfach zu verbrennen - sowas will auch angemessen finanziert sein. Die Geschichte um die Hamburger Elbphilharmonie ist da sicher Warnung genug. Im übrigen müßten auch erstmal Mieter für die 40% mehr Verkaufsfläche gefunden werden, die mit diesem wie dem Rathausgalerie-Projekt/Umbau Leik entstehen würden.

Man verstehe mich da nicht miss: Ich bin für die Veränderung, durchaus auch mal für Revolutionäres. Ich habe inzwischen einige deutsche Städte gesehen, in denen städteplanerische Visionen a la ECE und Co. zum Teil - nach meiner unbedarften Meinung - durchaus gut realisiert wurden. Aber leider ist Kiel städtebaulich so marode, dass man vorschnell dazu neigt, ja und Amen zu allem neuen architektonischem Spielzeug zu sagen.

Und was Lübeck angeht: Es bedarf schon mehr als Buddenbrook, Thomas Mann, Draeger und nen bisschen verwittertes Backstein, um ne Landeshauptstadt abzugeben. Städtebaulich ist die Hansestadt nun auch nicht unbedingt der Quell der Freude.

 

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