20. November 2008

Job als studentische Hilfskraft: Vor- und Nachteile

AG-Teilnehmern (1. und 2. Semester) empfehle ich immer wieder, sich in Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften durch gute Mitarbeit hervorzuheben und sich um eine Stelle als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl ihrer Wahl zu bemühen.

Man knüpft Kontakte zu Professoren, Mitarbeitern und fortgeschrittenen Studenten und kann in puncto Organisation des Studiums einige sehr wertvolle Anregungen gewinnen. Insbesondere der Austausch mit Examenskandidaten kann ein Garant für das Gelingen des eigenen Studiums sein. Von den Vorteilen, die eine fachliche Diskussion mit dem Lehrstuhlinhaber und den Mitarbeiten für das eigene Verständnis juristischer Probleme bieten, ganz abgesehen. Nicht zuletzt stehen die Chancen gut, nach dem Examen vom Lehrstuhlinhaber zum Doktoranden "befördert" zu werden.
Das alles führt in Kombination zu einer statistisch signifikanten Verringerung des Risikos, als Unterschichten-Blawger zu enden.

Doch können mit einer solchen Tätigkeit auch Probleme verbunden sein.
So hört man immer wieder, dass vereinzelte Lehrstühle Druck auf ihre "Hiwis" ausüben und sie dazu anhalten, den vom Lehrtsuhlinhaber betreuten Schwerpunktbereich zu wählen. Anderenfalls könne das Arbeitsverhältnis leider nicht fortgesetzt werden.
Zur Begründung wird dann angeführt, dass den "Hiwis" u.a. die Aufgabe zukomme, vom Lehrstuhlinhaber verfasste Aufsätze (nachträglich) mit Fußnoten zu versehen - dies sei "fachfremden" Studenten aber gar nicht möglich. Ob eine solche Vorgehensweise den Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten gerecht wird, möchte ich bezweifeln.

Über welche Erfahrungen mit einem "Hiwi-Job" verfügt die werte Leserschaft?

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Kann davon nur abraten, man wird vorwiegend zum Kopieren etc. eingestellt, es wird oftmals indirekt verlangt, dass man wesentlich länger unbezahlt anwesend ist. Die netten Gespräche mit den Profs. gibt es aufgrund Zeitmangels und Niveauunterschieds so gut wie nie, die anderen Mitarbeiter delegieren nur unliebsame Aufgaben auf die StudHiKra. Kurzum, ein Job ohne nachhaltige Wirkung. Promotion etc. bekommt man auch alles so. Dagegen ist ein Nebenjob in einer Großkanzlei schon empfehlenswerter, hier wird allerdings stärker gesiebt und es gibt weniger Stellen, als an der Uni. Dafür wird man aber gleich mit inhaltlicheren und anspruchsvolleren Aufgaben betraut und hat schnell Einblick in Mandate und gewinnt Praxiserfahrungen, wer hier eine Stelle ergattern kann, Glückwunsch!

Hans hat gesagt…

Mir (als 1. Semster) wurde auch immer wieder davon abgeraten, man hat zwar einige "Vorteile" davon, näher am Prof zu sein, aber zumindest bei so einer kleinen Uni wie die Viadrina in Frankfurt (Oder) muss man sich schon fast bemühen, nicht nahe am Professor zu sein ;). Ansonsten wurde mich auch gesagt: Hilfsarbeiten, kaum juristischer Bezug.

Den habe ich in meinem Nebenjob in der Großkanzlei zwar auch nicht, aber zumindest könnte es ein Fundament legen.

NR hat gesagt…

Der Umgang mit den Hilfskräften kann extrem unterschiedlich sein. Ich kenne Leute, für die ist der Job ein Stipendium. Ab und an kopieren Sie etwas, aber auf ihre Sollstunden kommen sie nie. Stört auch keinen!

Ich kenne auch skurile Fälle: Studenten, die Folien abwischen mussten, damit sie nochmal benutzt werden können.

Ich persönlich hab nur gute Erfahrungen gemacht:

Ich hab in drei Jahren eigentlich alles am Lehrstuhl gesehen und gemacht:
- Klausuraufsicht
- Klausurrückgabe
- Finanzverwaltung
- Mitarbeit an der Homepage
- Mitarbeit in Forschungsprojekten
- Organisation von Tagungen
...
Das letzte Jahr habe ich mir meine Aufgaben überwiegend selbst gesucht und hatte einen 70h/Monat-Vertrag.
Jetzt bin ich Mitarbeiter und sehr zufrieden!

Chris hat gesagt…

@NR Das hast Du aber auch am Rande in der Großkanzlei als Student, zumal man dort umfangreichere und tiefgehendere Erfahrungen unter meist realistischem Zeitdruck erwirbt, zudem auch alles recht gut bezahlt. Man hat auch nicht nur einen Chef, sondern zahlreiche, vom Anwalt bis zum Prof, jedenfalls alles was als Partner herumrennt.

Anonym hat gesagt…

ich bin auch studentische hilfskraft und muss sagen, dass es sich sehr gelohnt hat, sich um solch eine stelle zu bemühen. nicht nur, dass der chef ein sehr netter, junger und engagierter prof ist, für den man vielleicht zwei mal im monat zehn- zwanzig blatt kopieren muss, sondern kostenlose zugänge (juris, beck-online, eigenes büro und bibliothekenschlüssel), was außerhalb der normalen öffnungszeiten sehr von vorteil sein kann (im hinblick auf seminar- und hausarbeiten), sind selbstverständlich. dass er derjenige war, der mir in der schwerpunktbereichsprüfung gegenüber saß, gereichte mir nicht zum nachteil ;-)
naja, nun hab ich gute (durch den sehr angenehmen hiwijob, bei dem ich niemals die stunden mache) ne promotionsstelle als wiss. mit. zu bekommen. promovieren kann man immer, das ist klar...aber dafür quasi bezahlt werden wie als wiss. mit.? das ist doch sahne.
von den vorzügen in einer großkanzlei abgesehen habe ich es mit meiner stelle sehr gut erwischt, was ich aber nicht verallgemeinern möchte, denn die gegenbeispiele häufen sich an natürlich an anderen lehrstühlen.

Nebenjobs in Berlin hat gesagt…

Also wir mußten immer entweder als HiWi, Werkstudent arbeiten bzw. anderweitig Nebenjobs ausüben um über die Runden zu kommen. Umso näher die Tätigkeit am Studium desto besser....was leider nicht immer gelingt.

Anonym hat gesagt…

Also das ist tatsächlich immer sehr unterschiedlich. Ich darf an meinem Lehrstuhl Aufsätze schreiben, viele Übersetzungsarbeiten machen, Reden verbessern; bekomme bald ein eigenes Projekt und kann mich sehr oft mit meinem Chef besprechen und mit ihm diskutieren.
In der Großkanzlei werden nicht so viele Unterschiede zwischen mir als Studentin und den wiss. Mitarbeitern gemacht.
Es gibt alles und ich habe wahnsinnig viel Glück gehabt :).

 

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