19. Dezember 2008

Der gemeine Jura-Student an sich - eine natürliche Person?

Die Korrektur von Examensübungsklausuren ist immer wieder ein Hochgenuss und ein unerschöpflicher Fundus der tollsten Skurrilitäten.

Nachdem vor einiger Zeit in einer Klausur die Rechtsfähigkeit von bisher nicht entdecktem außerirdischen Leben diskutiert wurde, fanden sich in einer Klausur nun die folgenden Ausführungen:
"S müsste als Verbraucher iSd § 13 BGB gehandelt haben. Verbraucher ist jede natürliche Person, die das Geschäft nicht zu einem gewerblichen Zweck abgeschlossen hat. S müsste also eine natürliche Person sein. S ist Jurastudent. Daher ist davon auszugehen, dass S eine natürliche Person ist."

Kommentare:

RA Munzinger hat gesagt…

Wer gründet mit mir eine Universität für juristische Personen ?

Kommilitone HRB 11102 und Kommilitonin HRB 23554a-123.y hört sich doch echt gut an.

PA Nr. 12345678

Anonym hat gesagt…

Auch eine GbR kann Verbraucher sein.

fernetpunker hat gesagt…

Ich weiß nicht, ob man sich über einen konsequenten Gutachtenstil lustig machen sollte. Darauf wird schließlich im ersten Examen wert gelegt. Ein Satz im Urteilsstil, S sei als Jurastudent natürliche Person im Sinne des § 13 BGB, hätte es hier aber vielleicht auch getan. Der Schwerpunkt der Prüfung dürfte hier nämlich in der Frage der privaten Veranlassung bestehen.

Peter Sansibar hat gesagt…

@ Fernetpunker
Das ist keine konsequente Umsetzung des Gutachtenstils. Das ("Es ist davon auszugehen, dass..") ist schlicht Nonsens.

@ Anonym
Wissensprostitution hat noch niemandem in einer Klausur weitergeholfen. Dasselbe gilt für Kommentare in Blawgs.

Gruß!
PS

Anonym hat gesagt…

Es ist eben nicht nur eine natürliche Person ein Verbraucher, von daher ist der Ansatz schon falsch.

Korrekt wäre die Feststellung gewesen, dass S als natürliche Person Verbraucher iSd § 13 BGB ist. Mehr ist in der Klausur nicht festzustellen. Aber es ist ja auch eine Übungsklausur, in der man Fehler machen kann und soll um daraus zu lernen.

fernetpunker hat gesagt…

@Peter Sansibar, wenn der Verfasser nicht konsequent den Gutachtenstil angewandt hätte, wäre eine solche Stilblüte umgangen worden. Die vom Klausurenschreiber gewählte und von Ihnen zitierte Formulierung ist ein Standard, um die Subsumtion abzuschließen. Dass die hier zu Nonsense führt, ändert nichts am konsequenten Gutachtenstil, der bei Selbstverständlichkeiten dann Probleme bereitet, gerade in einer Prüfungssituation, wo man sicher gehen will und nicht ausschließt, dass ein Jurastudent auch etwas anderes als eine natürliche Person sein könnte. Argumentative Vorsicht in Verbindung mit konsequentem Gutachtenstil führen dann zu solchen Absonderlichkeiten, die ich nicht verteidigen will, aber als Jurastudent nachvollziehen kann. Manchmal zweifelt man nämlich selbst daran, ob man eine natürliche Person ist, gerade in Prüfungssituationen.

Anonym hat gesagt…

@anonym: "Es ist eben nicht nur eine natürliche Person ein Verbraucher,..."

Und wo kommt diese Erkenntnis her? Ich zitiere mal §13 BGB:

"Verbraucher ist jede natürliche Person,..."

Jetzt ist gut, ne?

Anonym hat gesagt…

wie hätte es denn richtig lauten sollen?

Anonym hat gesagt…

Wie es richtig lautet? Eine kurze Feststellung im Urteilsstil.
Ein Satz und Ende. Eine Subsumtion ist da nur angebracht, wenn es zweifelhaft wäre, dass der Jurastudent ein Verbraucher ist.

Wie hier einige richtig bemerkt haben ist Wissensprostitution für die Klausur keine Lösung,gleiches gilt für überflüssige Subsumtion,die obendrein Wissenslücken aufzeigt.

Man sollte als Student wissen, dass entgegen dem Wortlaut von § 13 BGB auch eine GbR und vielleicht auch eine WEG Vebraucher sein kann.
Gerade weil das nicht dem Wortlaut von § 13 BGB entspricht muss man das wissen.

Peter Sansibar hat gesagt…

Der Gutachtenstil ist doch kein unumstößliches Dogma. Vielmehr muss Unproblematisches kurz festgestellt werden.
Würde man jedes einzelne noch so evident erfüllte Tatbestandsmerkmal in allen Schritten des Gutachtenstils behandeln, wird man seine Examensklausur niemals innerhalb von 5 Stunden fertigstellen können. Schwerpunktsetzung ist gefragt!

In diesem Fall hätte man dieses Tatbestandsmerkmal auch gerne völlig unter den Tisch fallen lassen und sich sogleich den relevanten Fragen (hier: Problem des dual use iRd § 13 BGB) zuwenden können. Dass "Jurastudent S" eine natürliche Person ist, leuchtet jedem ein. Bsp.: "S müsste als Verbraucher iSd § 13 BGB gehandelt haben. Fraglich ist, ob S bei dem Kauf des Druckers einen Zweck verfolgt hat, der weder seiner gewerblichen noch selbständig beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann."

Ausführungen zu einer GbR oder WEG sind in diesem Fall (!) völlig fehl am Platz - nochmals: die handelnde Person wird im SV als "Jurastudent S" beschrieben. Soll man hier noch feststellen, dass zwar auch eine GbR Verbraucherin sein kann, "Jurastudent S" aber eben keine GbR ist?!

Einen schönen 4. Advent wünscht
PS

Anonym hat gesagt…

Eben, natürlich schreibt keiner etwas zu einer GbR oder WEG, wenn eine natürliche Person gehandelt hat. Das ist schlichtweg unnützt und damit falsch.

Was aber auch falsch ist, dass ist es im Gutachtenstil das Thema abzuhandeln und zu sagen:

Verbraucher ist jede natürlich Person... bla bla ist eine natürliche Person, mithin Verbraucher."

Das ist nämlich so, wenn man es genau nimmt und das sollte man, falsch. Weil zwar jede natürliche Person Verbraucher sein kann, aber nicht muss, jedoch nicht nur natürliche Personen Verbraucher sein können.

Für den Fall relevant wird das Wissen dazu natürlich nur, wenn der Klausursteller eine Abwandlung stellt, in der die Jurastudenten A und B zu C eine tolle Idee haben und sich als GbR zusammenschließen um was auch immer zu machen.

Anonym hat gesagt…

Nachtrag: Schöne Weihnachtensferien.

Anonym hat gesagt…

wie rechtfertigt sich dann die schizophrenie, im ersten semester unbedeutendes wo nur möglich im gutachtenstil zu verfassen, im examen aber dies mit verweis auf schwerpunktsetzung zu verneinen?

wo zieht man klare grenzen, wann etwas im gutachtenstil sein muss?

Anonym hat gesagt…

Wie man das rechtfertigt?

Man hat eine anspruchsvolle Klausur mit einer Bearbeitszeit von 5 Stunden.
Ein guter Student erkennt darin viele Probleme, die er ansprechen und bearbeiten will um möglichst eine zweistellige Note zu erreichen. Das kann man überhaupt nur dann schaffen, wenn man das Unproblematische kurz abhandelt und Schwerpunkte setzt.

In den Anfängerklausuren an der Uni geht es vorallem darum den Gutachtenstil zu erlernen. Deshalb wird er dort in einer teilweise übertriebenen Form verlangt.
Im Examen und viel später in der Praxis geht es darum einen Fall zu lösen. Der Stil ist nur ein Mittel zum Zweck.

Man wird, sofern man den abgedroschenen Rat konsequent befolgt und viele, viele Klausuren schreibt, einen Blick dafür entwickeln was man wie darzustellen hat.

Malte S. hat gesagt…

So, endlich mal nachgeschaut - ich wars nicht ^^ Obwohl die ich bei der Klausur ziemlich geschludert hatte :\

 

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