6. Dezember 2009

Business-Knigge für die USA

Da die USA nach wie vor ein beliebtes Ziel für eine Station des Referendariats ist, dürfte es unsere Leser interessieren, wie man vor Ort im Business-Alltag möglichst viele Fettnäpfchen vermeiden kann. SpiegelOnline hat kürzlich einen Artikel darüber veröffentlicht, wie amerikanische Chefs ticken. Als erste Orientierungshilfe durchaus nützlich.

6. November 2009

Wortlautgrenze

Das - nach den Feststellungen des Landgerichts Frankfurt am Main auch von abfälligen Kommentaren begleitete - Ausweiden und Zerlegen eines menschlichen Leichnams in einzelne Fleischportionen zum Verzehr kann ohne Überdehnung des Wortlauts und in vertretbarer Weise als beschimpfender Unfug angesehen werden.
BVerfG, Beschluss vom 7. 10. 2008 - 2 BvR 578/ 07

5. November 2009

Ahnungslos und Spaß dabei

Herr Vetter berichtet über die kleine Anfrage der Linken zum externen Beratungsbedarf des Gesetzgebers und die Antwort der Bundesregierung. Dazu schreibt er:
Wenn man einen durchaus stattlichen Stundensatz von 400,00 Euro brutto unterstellt.
"Durchaus stattlich". Danke, Herr Vetter, mehr davon. Mein gackerndes Gekreische dürfte man bis auf die Straße gehört haben. Mal im Ernst: Für 400,00 Euro/Stunde wäscht der Referendar Ihr Auto.

22. Oktober 2009

Händel-Konzert in der Uni-Kirche Kiel zum 250. Todestag

Was kaum einer weiß: Der großartige Komponist Georg Friedrich Händel studierte auch einmal Jura, nämlich bei Christian Thomasius. Dieses Jahr jährte sich sein Todestag zum 250. Mal, worauf auch in einem Jurablog hingewiesen werden kann.

Zur Erinnerung seine bekanntesten Hits: Ankunft der Königin von Saba, Hallelujah, Violinkonzert in B-Dur, Sarabande (bekannt auch aus irgendeiner Jeans-Reklame), Wassermusik und "last but not least" die Feuerwerksmusik.

Für unsere Kieler Leser kopiere ich aus diesem gegebenen Anlass eine interessante Rundmail der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in unseren Blog:
Am Sonntag, 1. November um 17 Uhr findet in der Universitätskirche ein Konzert anlässlich des 250. Todesjahrs von Georg Friedrich Händel statt. Das Barockensemble der Uni-Kirche bringt auf historischen Instrumenten Kammermusik, Arien und eine italienische Kantate, selten gehörte Werke allesamt.

Es wirken mit: Birgit Glatz, Sopran; Christiane Godt, Cembalo; Peter Godt,Traversflöte; Ilja Dobruschkin, Violine; Thomas Stöbel, Violoncello.

Wenn Sie sich einen Novembernachmittag mit teils spritziger, virtuoser und teils meditativer Barockmusik verschönern wollen, sollten Sie dies Konzert besuchen.

Eintritt frei!

Ich setze das stillschweigende Einverständnis der Organisatoren einfach mal voraus, dass ich die Mail hier veröffentlichen darf. Viele Zuschauer sind für Musiker immer erfreulich.
Die Kirche steht übrigens hier.

5. Oktober 2009

30. September 2009

Streitwertwürfeln

Wettbewerbsverstoß wegen den Verbaucher benachteiligender AGBen bei ebay. Das HansOLG macht Folgendes:
"Der Streitwert der Beschwerde wird auf EUR 13.333.33 festgesetzt."
Kann mir jemand erklären, warum man sowas macht?

1. September 2009

Nichts Schlimmes also

Auf Lawblog salbad, äh berichtet Herr Kunze:
Da ist etwa (sic!) kleiner Verkehrsunfall zur Abendzeit passiert. Dabei ist nur Blechschaden entstanden, nichts Schlimmes also.

Nun ja, ist der Fahrer betrunken (ab 0,3 geht der Spaß los) sind wir hier je nach Konstellation fix fix im Bereich des § 315c StGB, der selbst in der fahrlässig-fahrlässig-Kombination noch Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe vorsieht. Bei Vorsatz liegen wir im Bereich bis fünf Jahre oder Geldstrafe. Selbst für einen Anfänger (nicht Fahr-, sondern BZR-) sind das auch schon mal Strafen jenseits der magischen 90 Ts drin. Dazu ist der Lappen weg, § 69 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 1 S. 1 StGB. Dabei reden wir nicht von einer niedlichen Sperre von einem Monat oder so. Sondern er ist weg. Futsch. Neumachen (Frühestens nach einem halben Jahr, § 69a Abs. 1 StGB). Nichts Schlimmes also.

Kopf hoch, Bucce-Kandidaten

Jurabilis berichtet über Werbung für / kritischen Journalismus über die Bucerius Law School (auch bekannt als Bucce). Die Vorsitzende der Studierendenvertretung, Lena Färber, gibt brav zu Protokoll:
Aber wir bekommen schon gesagt: Tragt den Kopf nicht zu hoch.

Klappt meist nicht, kann ich aus meiner Erfahrung mit Mitarbeitern und Referendaren aus der Exzellenz-Anstalt sagen.

Im 2. Examen läuft es übrigens nicht immer blendend und Mr&Mrs Bucce realisieren plötzlich, dass es mit dem Umwerben durch die Kanzleien auch mal ziemlich fix vorbei sein kann.

30. August 2009

In Gedenken an ein paar Verkehrszeichen

Am 1.9.2009 tritt die reformierte StVO in Kraft. Es heißt Abschied nehmen von folgenden acht Verkehrszeichen, die man nur noch wenige Stunden in § 40 StVO findet:

Trost finden die Verkehrsteilnehmer in ein paar neuen Schildern. U.a. wird es ein Verkehrszeichen geben, das Inline-Skatern freie Fahrt erlaubt. Auch sinnvoll ist das neu eingeführte Sackgassen-Schild, welches deutlich macht, dass es am Ende der Sackgasse aber einen Fuß- und/oder Radweg gibt, der die Weiterreise ohne Auto ermöglicht.

27. August 2009

Der andere Arbeitsstil in den USA

Ende April berichtete ich über das Visum-Verfahren, das erforderlich ist, wenn man seine Wahlstation des Referendariats in den USA absolvieren möchte. Eine Voraussetzung zum Erhalt des DS-2019-Formulars als Vorstufe für das J1-Visum ist das DS-7002-Formular, welches von der "host company" ausgefüllt werden muss. Hierbei handelt es sich um "Training/Internship Placement Plan", der ausführliche Angaben darüber enthalten muss, was das Ziel der Ausbildung sein wird. Da dies mit Arbeit für die "host company" verbunden ist, ist dies m.E. der unangenehmste Teil an den u.a. dank September 11th geänderten Visum-Voraussetzungen. Diese Woche erhielt ich dann den Training Plan, so dass mein DS-2019-Antrag nun komplett ist. Der Plan liest sich total spannend.

Einer der Hauptgründe, warum ich die Wahlstation in den USA absolvieren möchte, ist das Kennenlernen eines anderen Arbeitsstils. In den USA ist Begeisterungsfähigkeit noch ein Plus und wird entsprechend gefördert. Als besonders empfinde ich am Training Plan aber vor allem, dass das von mir geliebte Networking zu einem Bestandteil der Ausbildung werden wird. Eines der Ziele lautet:
To gain contacts with businesses and individuals within the American music and music licensing industries.
Später in der Begründung des Plans wird es noch schöner:
The music industry is also a "relationship" business. Therefore, it is extremely helpful to generate contacts early in one's career. Such contacts are most easily acquired in the business, as opposed to academic, setting.
Hach, herrlich wird das, ich bin schon sehr aufgeregt! :)

Mutmaßliche Betrüger mit unterdrückter Rufnummer

Ich habe mir diese Woche freigenommen und komme prompt in den fragwürdigen Genuss, zu Hause unerwünschte Anrufe zu empfangen. Schon die unterdrückte Rufnummer beim Anruf vor wenigen Minuten erzeugt eine gewisse Skepsis. Als sich jemand von der Konsumenten-Soundso-Hotline am anderen Ende meldete und trotz meiner deutlichen Namensnennung "Mit wem spreche ich?" fragte, nannte ich kurz erneut meinen Namen und gab dann sofort meine Standardfloskel für diese Fälle weiter: "Ich möchte nichts bestellen, nichts abonnieren und auch nicht an Gewinnspielen teilnehmen." Das kam aber irgendwie nicht an. Stattdessen erhielt ich die Rückfrage: "Sitzen Sie gerade gut?"

Mit genervtem Unterton ließ ich Idiot mich auf dieses Spiel kurz ein. Im Ergebnis wäre ich angeblich in den letzten 100 Auslosungen irgendwelcher Gewinnspiele. Es sei nur noch die Frage, was ich gewinne, nicht mehr hingegen, ob ich was gewinne. Dabei entstünden für die letzten Auslosungen lächerliche Kosten in Höhe von € 44,- monatlich, denn es wäre ja unverschämt, wenn die Sponsoren diese Verwaltungsgebühren auch noch tragen müssten.

Jetzt wären nur noch die Daten abzugleichen, damit ich demnächst Post bekommen könne: "Ihr Vorname ist?" Ich wiederholte sehr genervt, dass ich an keinem Gewinnspiel teilnehmen werde. Schon gar nicht für einen monatlichen Betrag von € 44,-. "Ihr Nachname ist?" Ich war schon zuvor verwundert, dass die Antworten nur ungefähr auf meine Sätze passten, also fragte ich genervt: "Spreche ich mit einem Menschen oder einer Maschine?" Und schon hieß es von der anderen Seite: "Der Betrag in Höhe von € 44,- wird immer am Monatsanfang abgebucht. Das ist ok, oder?"

Ich habe dann entnervt aufgelegt, bin aber sicher, dass als nächstes noch meine Kontodaten abgefragt worden wären. Seit Anfang August dürfen Werbeanrufe nicht mehr mit unterdrückter Rufnummer erfolgen. Aber war das ein Werbeanruf? Jedenfalls sollte niemand am Telefon seine Kontodaten preisgeben, aber diese (mutmaßlichen) Betrüger werden bestimmt ein paar Erfolge verzeichnen können.

Werbung - als solche gekennzeichnet

Mandantin schickt den Zugang zum Datenraum und keinen Beratungshilfeschein. Sie bezahlt dann etliche 100.000 Euro, das sind die Kosten für unsere beliebten Due-Diligence-Reports.

Mal ehrlich: Finance-Abteilung spielt Halma, Im Real Estate nisten sich Vögel ein. Nur streitiges IP/IT und Kartell-OWi geht noch. Kann bitte bitte bitte jemand Mandate schicken? Wir würden wirklich gern wieder unsere beliebten Due-Diligence-Reports unters Volk bringen. Wer eine Transaktion hat oder doch mal wieder ein Verbriefung wünscht: Bitte melden.

22. August 2009

Skandal um gekaufte Doktortitel zieht weitere Kreise

Wie heute die Medien berichten ( http://www.rp-online.de/public/article/wirtschaft/news/748126/Schmiergelder-fuer-100-Professoren.html ), scheint der bereits teilweise an die Öffentlichkeit gelangte Skandal um gekaufte Doktortitel größere Kreise zu ziehen.

Insbesondere müssen nun endlich von den betroffenen Unis Konsequenzen gezogen werden. Den Betroffenen müssen die unredlich erlangten Titel unbedingt wieder aberkannt werden. Es scheint sich allerdings ein weiteres mal zu zeigen, dass innerhalb der Fakultäten keine wirkliche Kontrolle herrscht.

Rechtsvergleichend mit den USA: Schlussfloskel in Anwaltsschreiben

Es gibt einen Satz, der mir in den Akten meiner Gerichtsstation als Schlussfloskel öfter auffiel. Insbesondere in eigentlich nicht soooo überzeugenden Schreiben stand dann am Ende:
"Einer Klage sehen wir gelassen entgegen."
Dieser Satz wurde sogar im Einführungslehrgang der Anwaltsstation von einem Anwalt entnervt aufgegriffen und wir wurden darum gebeten, so einen Quatsch nicht zu schreiben.

In meiner Anwaltsstation ist mir nun ein ähnlich phänomenaler Satz über den Weg gelaufen. Mag sein, dass der Satz sogar ein Einzelfall ist, aber ein Anwalt aus den USA benutzte jedenfalls folgende Schlussfloskel:
"I look forward to reading your response or, if you want, seeing you in court."
Die Formulierung finde ich auf jeden Fall stilvoller, aber genau so überflüssig.

17. August 2009

Der Inbegriff der Hauptverhandlung / Einfalt

Am Wochende befreundeten Richter getroffen:
Der Vorsitzende der Großen Strafkammer, der er angehört, wollte ein größeres Verfahren terminieren, bei dem wegen Konfliktverteidigern und einer möglichen Erkrankung eines Richters ein Ergänzungsrichter mit an Bord sein sollte. Der Vositzende fragte den Präsidenten und den Vorsitzenden der "Verleihkammer", ob dies in Ordnung gehe. Der Präsident, ein ausgewiesener Zivilrechtler, sah das recht entspannt. Er habe den potentiellen Bedarf notiert und werde einen Ergänzungsrichter schicken, sobald ein Richter erfolgreich abgelehnt oder erkrankt sei, erklärte er.

13. August 2009

Hochschlafen undercover: Von Puten und Kühen

Natürlich kann man sich -wie in einer Behörde- auch in jeder anständigen Großkanzlei hochschlafen. Nachdem ich aber einen kompletten Abend (kostete mich minimum 3 billable hours) mit Tränentrocknen bei einer demnächst alleingelassenen und arbeitslosen Associate-Kollegin verbringen musste, hier die goldene Regel:
Schlafen Sie sich nur undercover hoch, die Ehefrau darf es niemals mitbekommen.

Vor etwa einem Jahr wurde die hoffnungsfrohe Associate durch irgendeine Nichtigkeit (Papier in gut sitzender Hose aufgehoben / korrekt über den Schreibtisch gebeugt) von ihrem Traumprinzen, einem verheirateten Partner entdeckt. Nach einigem Techtel und reichlich Mechtel entschied man sich, gemeinsam zu urlauben und zog sogar in eine gemeinsame Wohnung, in der Fräulein Associate wohnen durfte und die man gemeinsam in waagerechter Körperhaltung nutzte. Herr Partner versprach in dieser langen Zeit, sich von seiner Ehefrau und Mutter seiner zahlreichen Kinder zu trennen und besuchte zu diesem Zweck sogar einen "Coach", der bis Mitte des letzten Jahrhunderts wohl als "Idiotenarzt" firmiert hätte.

Stabilisierende Faktoren für eine Ehe sind:
  1. Haus
  2. Kinder
  3. Eigentum
  4. Soziale und finanzielle Abhängigkeit eines Partners, meist der Frau

Führt man sich nun vor Augen, dass Großkanzleipartner im Schnitt ein Wohn- und ein Ferienhaus eignen, um die 7-8 Kinder haben, es an sonstigem Eigentum auch nicht fehlt und oft Damen aus der Kategorie Is-nix-hat-nix-kann-nix-wird-nix-ohne-ihren-Mann geehelicht haben, ist das Ende vom Lied auch schnell gesungen. Die Ehefrau besteht übrigens darauf, dass "die Pute" (Fachausdruck für die Neue) die Kanzlei verlässt. Deshalb hier noch einmal:

Genießen Sie die Zeit und nutzen Sie schamlos alle Vorteile. Erwarten Sie niemals, dass er "die Kuh" (Fachausdruck für die Alte) verlässt.

11. August 2009

Erfahrungen mit dem Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH)

Beim Lesen anderenorts bekommt man durchaus den Eindruck, der Untergang des Abendlandes gehe mit dem Dipl.-Wirtschaftsjuristen und dem Bachelor für den ehrwürdigen Juristenstand unmittelbar einher. Fairerweise sei aber ergänzt, dass es in der Regel die -vermutlich überwiegend unexaminierte- Leserschaft von Jurabilis ist, die sich an dem ergötzt, was sie einmal sein könnte und die bei jeder anderen Ausbildungsform angezickt hysterisch reagiert. Homer möchte daher seine bescheidenen Erfahrungen mit den Nicht-voll-aber-ein-bisschen-Juristen beisteuern.
Marketing
Bisher wurden in den Marketing-Abteilungen der Großbuden hauptsächlich FH-BWL-Tanten eingesetzt. Hatte optisch was für sich, aber die bunten Blättchen, in denen Mandanten und Bewerber lesen konnten, warum wir den längsten haben, waren zum Teil sub omnibus canonibus. Mittlerweile haben wir dort einen Dipl-Wirtschaftsjuristen sitzen, der nicht nur ordentliche Broschürchen machen kann, sondern auch bei einem Pitch Vorlagen erstellt, für die es juristischer Basiskenntnisse bedarf.
Markenverwaltung
Die Truppe in der Markenverwaltung ist bunt gemischt, von der studierten und promovierten Anglistin über die abgebrochene Jura-Studentin bis eben hin zur Dipl-Wirtschaftsjuristin. Wenn es kompliziert wird, fragen die den Associate, der es auch nicht weiß, aber teilweise eine Antwort gibt, weil er versichert ist. Manchmal fragt er lieber den Partner, der es ebenfalls nicht weiß, aber dies nicht zugeben mag und sofort eine Antwort gibt.

Due Diligence
Im M&A-Bereich arbeiten wir seit längerem mit Wirtschaftsjuristen, die vorsortieren, was sich im Datenraum befindet, vorschlagen, was davon ausgedruckt oder am Bildschirm gelesen werden muss und Teile des DD-Reports entwerfen.

Mittelständische Kanzleien
Einfache Schriftsätze, insbesondere im Forderungsinkasso, werden dort oft von den Renos selbst gefertigt, den Fristenkalender und die Vorarbeiten für Notarurkunden fertigt der Bürovorsteher. Wüsste nicht, warum das nicht auch ein Wirtschaftsjurist machen sollte.

Alles in allem: Bedarf an Wirtschaftsjuristen, Bachelor etc gab es und gibt es, Volljuristen ersetzen sie allenfalls in Randbereichen.

7. August 2009

Markendorf

Ich habe auf einem Wochenendausflug zu dem etwas ländlicheren Wohnsitz von Freunden den idealen Wohnort (oder Geschäftssitz) für unseren markenrechtlich spezialisierten StattAller-Kollegen Brandmeister gefunden:


Auf dem Briefkopf einer Markenrechtskanzlei würde sich dieser Ort schon ganz gut machen, denke ich.
Der Ort ist übrigens in der Nähe von Minden, wie man hier sehen kann.

6. August 2009

Soll ich promovieren?

Nach meiner Erhebung schreiben 90% der Großbudenreferendare "nebenbei" noch an einer Dissertation, die "so gut wie fast fertig" ist, nötig sind "praktisch" nur noch das Inhaltsverzeichnis und zwei, drei Fußnoten müssen nachgeguckt werden. Man fragt sich bei den Erzählungen immer, warum das Werk immer noch nicht auf der Spiegel-Bestseller-Liste steht. Deshalb möchte Dr. Homer Jay das, was er öfter von diesen Referendaren gefragt wird, als FAQ-list, was mal ein cooler Titel für blöde Ratgeber-Seiten war, auflisten:
1. Brauch ich den Titel fürs Berufsleben?
Nach meiner Erfahrung eher nicht. Im öffentlichen Dienst wohl ohnehin nicht, im Anwaltsleben kommt er vielleicht gut, wenn man Familien-, Verkehrs- und Strafrecht macht. In der Großbude ist er nicht hinderlich, aber interessiert die Mandanten nicht besonders. Anderer Ansicht ist da Frau Dr. Jay, die gegenüber ihren Mandanten immer ein besseres Standing hatte als unpromovierte junge Kolleginnen.
2. Sollte ich im Vorstellungsgespräch rumjammern, warum die Diss nicht vorangeht?
Unbedingt, das interessiert uns brennend. Wenn der Titel eines tatsächlich zeigt, ist das Durchhaltevermögen. Geschichten von miesen, miesen Doktorvätern, schlecht vorgegebenen Themen, kurz vor der endgültigen Abgabe der Diss verschiedenen Großtanten und dem eigenen Beinahe-Tod zwischendurch ("echt schlimmer Schnupfen, heavy") will ich nicht mehr hören. Mit Ausreden ist es wie mit dem Poloch: Jeder hat eins und die meisten stinken.
3. Wenn ich den Titel unbedingt will (fürs Türschild, für Papa, fürs Ego), worin sollte ich dann promovieren?
Rechtsgeschichliche Biographie. Die Vorteile liegen auf der Hand: Anfang, Hauptteil und Schluss sind vorgegeben ("Karl Schlaimer wurde am 14.06.1884 als drittes Kind des Gutshofsbesitzers...Im August 1924 wurde er zum damals jüngsten Richter am Reichsgericht berufen...Er verschied 1960 unerwartet in Bielefeld"). Klarer Vorteil: Den Käse kann keiner nachprüfen, ohne sich im Archiv eine Staublunge zu holen. Nachteil: Eigene Staublunge.

31. Juli 2009

Wer findet den Fehler? - Heute: Urheberrecht in der Praxis

Ich bin (im wahren Leben, nicht in einem Lehrbuch!) über Allgemeine Geschäftsbedingungen gestolpert, die folgende Passage enthalten:
"Sämtliche von der Agentur angefertigten Entwürfe, Zeichnungen, Druckvorlagen, Konzepte, Ideen etc. sind urheberrechtlich geschützte Werke i.S.d. § 2 UrhG, und zwar selbst dann, wenn diese nicht die Erfordernisse des § 2 UrhG erfüllen."
Na, klingelt es schon bei dem einen oder anderen?
Für die Nichturheberrechtler biete ich aber doch schon einmal die Lösung: Urheberrechtlicher Schutz entsteht bereits durch die Schöpfung eines Werkes und zwar nur dann, wenn dieses die erforderliche Gestaltungshöhe erreicht. Urheberrechtlicher Schutz kann nicht vertraglich festgelegt werden. Das wurde in der Vergangenheit paradoxerweise zwar schon öfter probiert, aber die Gerichte haben dann auch jedes Mal dazwischengehauen, vgl. nur BGH GRUR 1991, 533 - Brown Girl II; OLG Hamm WRP 1983, 352, 353 - Chiceria Modeladen; OLG Karlsruhe GRUR 1984, 521, 522 - Atari-Spielcassetten.

So steht in § 2 Abs. 2 UrhG außerdem eindeutig: "Werke im Sinne dieses Gesetzes sind nur persönliche geistige Schöpfungen."

26. Juli 2009

Hochschulrecht und Prüfungsrecht

Es ist richtigerweise heutzutage so, dass sich Rechtsanwaltskanzleien auf einen rechtlichen Teilbereich spezialisieren. In einer Unterführung des Hamburger Dammtor-Bahnhofs (Ausgang zum Uni-Gelände) entdeckte ich folgendes interessantes Plakat, mit dem eine Hamburger Kanzlei für sich wirbt:


Eine interessante Nische, die sich zu lohnen scheint, wie man nicht nur am Werbebudget erkennen kann, sondern auch an der Kanzlei-Adresse. Definitiv interessanter als Weltraumrecht.

24. Juli 2009

Gebratene Tauben

Dem Angeklagten wird u.a. vorgeworfen, lauter illegales, teils tödliches Zeug in seiner Wohnung aufbewahrt zu haben.
Daneben wurden zahlreiche weitere Verfahren verbunden, sodass in der Hauptverhandlung zur Verwirrung des Referendars ein bunter Strauß unterschiedlichster Delikte und Sachverhalte entsteht, deren Beweisaufnahme je nach Erscheinen oder Nichterscheinen zahlreicher Zeugen in kleinen Häppchen und gemischter Reihenfolge stattfindet.
Nach der Erörterung eines dieser über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten gesammelten Werke betritt die Zeugin Cindy, Freundin des Angeklagten, den Sitzungssaal.

Es geht wieder um das illegale Zeug aus der zweiten oder dritten Anklage.
Cindy möchte untermauern, dass ihr Freund mit alledem nix zu tun hat und vielmehr dessen Kumpel Vladimir das ganze illegale Zeug in der Wohnung des Angeklagten lagert (wovon der Angeklagte natürlich nichts weiß) und zu diesem Zweck den Vladimir anschwärzen.
Um dem Vorsitzenden vor Augen zu führen, wie kriminell der Vladimir ist (was natürlich im Umkehrschluss heißt, dass der Angeklagte unschuldig ist), zaubert sie sodann einen Gegenstand hervor, den ihr der Vladimir geschenkt haben soll.
"Das hat der Vladimir geklaut und dann hat er es mir geschenkt", sagt Cindy.
Kurzes Schweigen im Saal. Den Hinweis des Vorsitzenden ignorierend, sie müsse sich hier nicht unbedingt selbst der Gefahr der Strafverfolgung aussetzen, fährt Cindy fort und zaubert einen zweiten Gegenstand, ein hochwertiges kleines Kommunikationsgerät, aus ihrer Handtasche.
"Das ist auch von Vladimir, auch geklaut",
sagt sie in der Überzeugung, das Gericht werde nun erkennen, dass Vladimir der wahre Kriminelle ist und nicht ihr Freund, der Angeklagte.

Der Vorsitzende fragt vorsichtshalber noch einmal nach:
"Der Vladimir hat das gestohlen, Sie haben es geschenkt bekommen und in diesem Wissen behalten?"
- "Ganz genau, so war's!"
Bisher musste ich Grünschnabel während meiner insgesamt fast 3-monatigen Karriere nach Hauptverhandlungen nur ab und zu die Einleitung eines Verfahrens wg. falscher uneidlicher Aussage empfehlen. Das bedarf immer einer langen Erläuterung. Die Begründung bei dieser Hehlerei dürfte kürzer ausfallen.

23. Juli 2009

Die drei goldenen Regeln des Zivilrechts...

... mit denen man, so jedenfalls mein AG-Leiter, der sich an eine Aussage seines damaligen Strafrechts-Profs erinnerte, weitgehend problemlos jegliche zivilrechtliche Streitigkeit entscheiden kann, ohne überhaupt in das Gesetz geschweige denn einen Kommentar geguckt zu haben:

1. die arme alte Frau

2. der Handwerker soll sein Geld bekommen

3. Makler und Banken verlieren immer

Ein Blick ins Gesetz werde erst dann erforderlich, wenn ein Handwerker von einer armen alten Frau seine Rechnungen bezahlt haben will...

17. Juli 2009

Lebensgefahr auch im Anwaltsberuf

Meine Anwaltsstation absolviere ich in einer Kanzlei, deren Büroräume sich auf alle Stockwerke eines sehr schön alten Hauses im Jugendstil erstrecken. Das "Wand-an-Wand" angrenzende Haus ist eine Total-Baustelle, es wird zur Zeit komplett entkernt und restauriert. Das kann schon mal tierisch nerven, wenn man in einem Büro arbeitet, dessen Wand direkt an dieses Gebäude angrenzt und genau an dieser Wand mit einer Art Presslufthammer o.ä. gearbeitet wird. Ich löse das Problem in diesen Fällen mit meinem iPod, auch wenn es natürlich doof wirkt, wenn ein Referendar sich erstmal Kopfhörer aus den Ohren ziehen muss, falls einer der Anwälte den Raum betritt.

Einer der Associates aus dem Dachgeschoss wollte das Problem anders lösen und fragte einen der Seniorpartner, ob er in das z.Zt. freie Zimmer im Erdgeschoss umziehen könne. Der wiederum entgegnete, das ganze sei doch nicht so schlimm und andere müssten das auch aushalten. (Hinweis: Das Büro des Partners ist nicht an der direkt angrenzenden Wand.) Er ließ sich dann aber darauf ein, den Associate in sein Büro zu begleiten, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Kurz bevor die beiden das Problemzimmer erreichten, krachte ein Schornstein von der benachbarten Baustelle durch die Dachluke vor den Schreibtisch und die Ziegel verteilten sich über den Fußboden. Was für ein Glück, dass niemand im Raum war. Der Associate meinte nur "Sehen Sie? Ich kann hier nicht arbeiten!" und bekam das Zimmer im Erdgeschoss zugewiesen.

10. Juli 2009

Krawattenzwang und Robenpflicht

Ehrlich, manchmal überkommen mich Selbstzweifel. War das richtig mit der Großbude. Warum musste ich den Vertrag damals mit Blut unterzeichnen? Die Zweifel werden zwar am letzten Donnerstag jedes Monats gelindert. Aber von Zeit zu Zeit frage ich mich:
Wärst Du als normaler Anwalt glücklicher? Echte Mandanten aus Fleisch und Blut, kleine Schlitzohren, sympathische Steuerhinterzieher, lustige Streitigkeiten um Mietnebenkosten und Trittschallschutz in Treppenhäusern, auf jeder Party 100 Anekdoten erzählen und jede Nutte in der Stadt mit Vornamen ansprechen können, weil is ja Mandantin, höhö.
Zweifel, Zweifel, Zweifel. Und sagte nicht schon der große Ernst Ferstl*
Zweifel sind meist nichts anderes als bereits zu Grabe getragene Hoffnungen.
Und dann lese ich, womit man sich so beschäftigen kann und tippe beschwingt die Zugangsdaten für den Datenraum ein. Außerdem sind es keine drei Wochen mehr bis zum letzten Donnerstag.

*Ich hoffe es, nachdem ich es ungeprüft aus Wikiquote abgepinselt habe. Und wer ist eigentlich Ferstl?

9. Juli 2009

Wikipedia - Quelle der Weisheit

Die Mandantin ist entzückt. Die Rechtsauskunft, für die ich über vier Stunden investieren musste, trifft zu. Sie flötet ins Telefon:
Ich habe in Wikipedia nachgeguckt - da steht das gleiche!

Wollen wir hoffen, dass die Verzückung anhält, bis die Rechnung kommt. Die telefonische Belästigung allein hat etwa 70,00 Euro brutto gekostet.

8. Juli 2009

Du Dillischäns

Wer ein Auto kauft, schaut in die dolle Werbebroschüre des Herstellers, in der selbst der Nissan Micra so fotografiert ist, dass man meint, man säße im Multivan.
Auch wer ein Unternehmen kauft, erfährt, dass das Unternehmen ganz tofte dasteht, mit einem prima Kundenstamm, ohne Sorgen und Haftungsrisiken mit pumperlgsunden Mitarbeitern, die für die Firma* durch die Hölle gehen.
So wie man sich beim Autohändler fragt, warum er nicht jedes Auto lieber selbst fährt, fragt man sich beim Unternehmen, warum es eigentlich verkauft werden soll, das Juwel.
Der Autokäufer schaut deshalb in die Autobild, in Bewertungsberichte des ADAC oder fragt seinen Nachbarn, der das gleiche Modell fährt. Das fällt dem Unternehmenskäufer schwer, deshalb legt er die erforderliche Sorgfalt an den Tag und lässt eine Due Diligence durchführen. Dann sitzen hochbezahlte Mietsklaven des Käufers, auch bekannt als unabhängige Organe der Rechtspflege, üblicherweise vor dem Bildschirm (in einem virtuellen Datenraum), seltener in einem Raum einer anderen Kanzlei (einem physischen Datenraum) und prüfen und prüfen bis Blut aus den Augen kommt. Daraus wird dann der Due Diligence Report und dem Käufer wird deutlich, dass das Unternehmen nur zwei von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest hat.** Das lässt den Käufer (ziemlich oft) zurückschrecken oder mindert den Kaufpreis.

In jedem fünften Tatort -gefühlt jeder zweite- fahren die Kommissare aufs Land, in ein verschwiegenes Dorf, in dem eine Frau getötet wurde und vor 23 Jahre schon mal eine. Alle verdächtigen den Dorf-Bekloppten, aber der ist es natürlich nicht. Kurz bevor der Bekloppte dann gelyncht werden soll und Anne Wills Kasperltheater beginnt, wird der arrogante Sohn des Großbauern festgenommen. Zwischendurch brennt noch eine Scheune. Die Kommissare quartieren sich in der Dorfgaststätte ein, mit Blick auf die zwischenzeitlich brennende Scheune.
Das entspricht meiner letzten Du Dillischäns, in deren Rahmen ich in einer Kleinstadt am Arsch der Heide unterkam um das zu kaufende Unternehmen zu prüfen und in Abgründe zu blicken.
"Auf den Auftragsformularen fehlt ein Hinweis auf die AGB. Wo sind Ihre AGB eigentlich?" "Mir habbet die AGB hänge ghebt im Eingangsbereich abbä des het koanen interessiert und dann habbet mer do dös Bild uffghängt wo dä Hä Abgeordnete dem Geschäftsführer die Hand schüddeln dud".
Verträge sind abgeschlossen zwischen dem Auftragnehmer und, laut Rubrum, "Müller AG, Franz Müller". Ist der Geschäftsführer und Inhaber Müller mitverpflichtet, bürgt, garantiert?
"Sie nehmet dös abbä sehr genau, na ja, nu is ja auch 17.00 Uhr, da machet mer hier zu, morge is a noch a Tag, da könnet Sie ja weidermache mit der Du Dillischäns."
Wenigstens hat das Kaff eine Eisdiele. Wann ist die Krise vorbei und wir sind nicht mehr für jeden Scheiß zu haben?

*Wer das als Jurist sagt, wäscht sich bitte den Mund mit Seife aus.
** Wer weiß, wofür NCAP steht, schickt seine Lösung bitte an: Redaktion Sat1-Motorwelt, Kennwort "Statt aller", Einsendeschluss ist nächsten Sonnabend.

5. Juli 2009

Wer war verzweifelter?

Beim Durchgucken der Immobilienangebote stoße ich auf das Viebrockhaus Jette Joop und frage mich, ob Viebrockhaus oder Jette Joop verzweifelter waren, als diese Idee kam.

3. Juli 2009

Examensrelevant: § 224 Abs. 1 Nr. 5 und § 226 StGB in Tateinheit

In welchem Verhältnis die §§ 224 und 226 StGB stehen, wurde beispielsweise bereits im Forum Staatsexamen diskutiert. Eine Entscheidung lag bisher nur zum Verhältnis von § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB ("mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs") zu § 226 vor: BGH NJW 1967, 297.

In der 56. Auflage (2009) des Fischer-StGB-Kommentars heißt es in § 226 Rn. 20 noch vorsichtig, was eine "das Leben gefährdende Behandlung" betrifft: "Mit § 224 Abs. 1 Nr. 5 dürfte Tateinheit anzunehmen sein."

Mittlerweile hat der BGH durch Beschluss vom 21.10.2008 (Az. 3 StR 408/08) entschieden, dass die gefährliche Körperverletzung in der Qualifikationsform der lebensgefährdenden Behandlung in Tateinheit mit der durch die Tathandlung verursachten schweren Körperverletzung steht:
"Die Annahme von Gesetzeskonkurrenz [...] würde das gesonderte Unrecht, das - über die schwere Folge der Körperverletzung hinausgehend - in der lebensgefährlichen Handlung liegt, nicht zum Ausdruck bringen [...]; denn diese Folge wird, insbesondere auch in der Qualifikationsform der erheblichen dauerhaften Entstellung, weder regelmäßig noch gar notwendig durch eine das Leben (abstrakt) gefährdende Handlung bewirkt."
Im Fall ging es übrigens um einen Angeklagten, der seiner Frau flüssigen Grillanzünder auf das Kopftuch und die Kleidung im Halsbereich spritze und sie dann in Brand setzte. Die Frau erlitt dabei irreparable Narben.

Bewerbungsgespräch - Do's and Dont's

Die Krise dient nur als Vorwand, um Leute rauszuwerfen, die man schon lange loswerden wollte. Einstellungen gibt es weiterhin.
Wie bereits angedeutet, führen wir auch mit potentiellen Praktikanten und Referendaren ein Gespräch. Nach meiner Erfahrung werden in allen Großkanzleien mit Associate-Bewerbern wenigstens zwei Gespräche geführt, in manchen Sozietäten muss der Bewerber von zwei verschiedenen Standorten begutachtet werden.
  • Kleiderwahl
Die Kleiderwahl für das Gespräch unterscheidet sich nicht von der beim Foto, zusätzlich kommt hier aber Schweiß ins Spiel: Egal wie heiß es ist, das Sakko bleibt an, es sei denn, der Gesprächspartner fordert explizit zum Ablegen auf. Ein neutrales Deo tut hier gute Dienste. Wer mit der Bahn anreist, ist gut beraten, Ersatzklamotten dabei zu haben, ab und an fällt die Klimaanlage aus. Eine Stunde Zeit am Ankunftsbahnhof ist ein guter Puffer.
  • Ist mein StudiVZ-Profil schädlich?

Die Bewerber google ich vor dem Gespräch und habe einen StudiVZ- und XING-Dummie-Account. Entegegen landläufiger Meinung stören die meisten Kollegen und mich aber weniger Sauf-Fotos ("Alkoholkranker Partner" und "koksender Associate" sind doch vielerorts Pleonasmen) sondern Stromlinienförmigkeit. Drittsemester, die auf XING "Interessante Kontakte" suchen und "Hilfe bei der Bewältigung auch komplexer rechtlicher Fragestellungen" bieten, sollten sich selbstkritisch fragen, ob sie noch ganz dicht sind.

  • Welche Fragen erwarten mich?

"Was sind Ihre drei größten Stärken, was Ihre drei größten Schwächen?" Das wurde ich nie gefragt und habe ich nie gefragt. Die erste Frage ist stets: "Sind Sie gut hergekommen?" Mit einem fünfminütigen Monolog zu Engstellen bei Kassel, Bauarbeiten um Hannover und einer defekten Rolltreppe im Hauptbahnhof ("Verrückt, vor allem für Leute mit Koffern - wann kriegen die das endlich in den Griff bei der Bahn?") kann der Bewerber sein Talent zum Langweilen mühelos unter Beweis stellen. Es gilt hier und bei allen anderen Fragen: Zunächst kurz und eindeutig antworten, erst auf Nachfrage wirklich ausholen.

  • Welche Inhalte sollte ich im Rahmen des Gespräches transportieren?

Meist hat der Gesprächspartner den Lebenslauf vor 15 Minuten zum ersten Mal gesehen. Das Anschreiben hat er überflogen, weil die Entscheidung zur Einladung oft ein Anderer trifft. Machen Sie dem Gesprächspartner deshalb klar:

  1. Wer Sie sind, referieren Sie Ihren Lebenslauf kurz,
  2. erklären Sie, warum Sie den Job möchten.

Auf beides kann man sich vorbereiten und insbesondere bei der zweiten Frage ist Ehrlichkeit Trumpf. Wer sich für das erste Praktikum in einer Großbude bewirbt, für den lautet die blödeste Antwort "Internationale Transaktionen zu begleiten war schon immer mein Traum". Ich finde es sehr sympathisch und völlig in Ordnung, wenn jemand sagt, dass er sich eine Großbude mal von innen anschauen wollte.

  • Was ist das häufigste Ausschlusskriterium?

Farblosigkeit und das Fehlen von feststellbarem Interesse für die Tätigkeit. Intelligenz und Begabung messen wir an den Noten und prüfen sie nicht im Gespräch.

  • Wie kann ich meine Chancen noch kurz vor Schluß minimieren?

Drücken Sie dem Partner gegen Ende des Gesprächs Kopien Ihres Bahntickets ("Sind Sie dafür zuständig oder der Herr Associate?") zu Abrechnungszwecken in die Hand. So etwas Wichtiges sollte nicht per Post mit der Personaltante geklärt werden. Oder Sie bringen selbstgebastelte Visitenkarten -möglichst mit Foto- mit und verteilen diese (Empfangsdame nicht vergessen).

Das StattAller-Team wünscht viel Glück bei Gesprächen der Leserschaft.

Homosexualität legalisiert

In Indien ist Homosexualität jetzt nicht mehr strafbar. Werden Hengeler und der DFB nachziehen?

2. Juli 2009

Richterbesoldung ./. Anwaltsgehalt

Ca. 10 Minuten muss man sich mit einem Richter unterhalten, bis das Gejammere über seine Besoldung anfängt. Ein R1-Studienfreund wollte nicht glauben, wieviel man in der "Freien Wirtschaft" Brutto im Jahr haben muss, um auf seinem Niveau (Selbsteinschätzung: knapp über Hartz IV) zu liegen.

StattAller rechnet nach für zwei hoffnungsfrohe Jung-Juristen, beide verheiratet mit Kind, ohne Kirchensteuer in Steuerklasse III, Anwalt gesetzlich versichert, weil noch nicht drei Jahre in der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Richterbesoldung*
Grundgehalt*: 3.515.65 Euro
Familienzuschlag: 205,01 Euro
Lohnsteuer, Soli: 500,77 Euro
Netto: 3.219,89 Euro
Private Krankenversicherung mit Pflegeversicherung**: ca. 200,00 Euro
1/12 des Weihnachtsgeldes (60% des Monatsnettos)***: 160,99 Euro
Am Ende bleiben: 3.180,88 Euro
Anwaltsgehalt
Brutto: 4.833,33 Euro
Lohnsteuer, Soli: 775,64 Euro
GKV, PflegeV, RentenVers, ALV: 885,77 Euro
Am Ende bleibt ein Nettolohn von: 3.171,92 Euro
.
Macht beim Anwalt ein Jahresbrutto von 58.000,00 Euro. Das liegt zwar unter dem Niveau mancher (nicht aller) Großkanzleien. Bei mittelgroßen und spezialisierten Kanzleien derartige Bedinungen zu finden, wird schwer oder ist -jedenfalls momentan- unmöglich.
.
*Dienstalterstufe III, also Lebensalter >30.
** PKV geht nach Netto ab, Beihilfe 50%, gute Absicherung für Versicherten; Frau und Kind gesetzl. familienversichert.
*** Hier ergeben sich Rundungsdifferenzen.

1. Juli 2009

Die Wagen der 1. Wagenklasse halten in den Abschnitten A und B

Wenn den deutschen Managing Partner aus London oder New York die Order ereilt, reasonable cost-cutting efforts zu unternehmen, dann sind seine Möglichkeiten überschaubar:
Er kann Leute rauswerfen und hoffen, sie nach der Krise nicht zu brauchen oder neue zu finden; bei den vorhandenen kann er einen salary freeze verkünden oder Boni streichen.*

Und sonst? Umziehen in das Industriegebiet mit günstigen Mieten ist ebensowenig drin wie den Mandanten die teuren Kekse zu streichen. Deshalb wird nach innen gespart mit einer ans Peinliche grenzenden Hilflosigkeit: Auf einmal gibt es eine Strichliste für Softdrinks inklusive monatlicher Abrechnung, die gemietete Espresso-Maschine wird abgebaut, die Obstkörbe für Mitarbeiter verschwinden und die Angestellten werden aufgefordert, doppelseitig auszudrucken.

Wir fahren jetzt Bahn, 2. Klasse (Abschnitte E-H). Beim Fliegen ist der Unterschied zwischen Business und Economy zumindest innereuropäisch uninteressant. Beim Bahnfahren ist er existenziell. Auf dem Weg zum Datenraum saß ich unlängst inmitten einer Schulklasse, jedes Gör bewaffnet mit einem MP3-Player, der auf Zimmerlautstärke eingepegelt war. Die Zeit war schlicht verloren, früher konnte ich in ihr arbeiten, 4 Stunden zu ca. 300,00 Euro - die Sparmaßnahme würde ich noch mal durchrechnen lassen.

Ich erinnere mich, dass bei der Bundeswehr jeder Komiker, der mindestens A 9 besoldet war, in der 1. Klasse durch die Lande fuhr. Gilt das noch? Stehe ich schlechter da als ein Lokomotivbetriebsinspektor, Stabsfeldwebel oder Obergerichtsvollzieher?

*Ein befreundeter Arbeitsrechtler bezeichnete die Streichung der Boni, die über Jahre Gehaltsbestandteil waren, neulich als "nicht mehr nur abenteuerlich".

30. Juni 2009

Bewerbung - wie es nicht geht

Ich darf Gespräche mit Praktikums-Bewerbern allein führen und entscheide bei Referendaren und anderen potentiellen Associates mit. Das ist wie der staatsanwaltschaftliche Sitzungsdienst: Anfangs total sexy und cool, nach dem dritten Mal oft nervig. Deshalb muss die Bewerbung den Entscheider ansprechen. Bewerbungsbücher gibt es zu Hauf - was aber hilft bei der Bewerbung in der Großbude?

  1. Die einzigen Titel, die interessieren und in den Briefkopf gehören, sind Dr. vorn und L.M.A.A. hinten, vielleicht noch ein Dipl-Kfm und natürlich der StB. Wer Diplom-Verwaltungswirt, LL.B. (Bucce) oder gar Dipl.-Jur. ist und das so im Briefkopf führt, hat von Anfang an die Lacher auf seiner Seite.
  2. Das Anschreiben und insbesondere der Lebenslauf sind höchstens eine Seite lang, mindestens Schriftgröße 11, Zeilenabstand >1. AGB in Schriftgröße 8 Mittelgrau auf Hellgrau muss ich oft genug lesen. So was landet in der Tonne. Auch Managing Partner und VorsRiBGH begnügen sich mit einer Seite - das sollte auch einem Praktikanten möglich sein. Niemanden interessieren die verschiedenen Grundschulen (mit Klanggarten) die der Kandidat besucht hat.
  3. Keine Illusionen - was interessiert und was im Lebenslauf auffindbar sein sollte, sind Noten. Beim Praktikanten das Abi und die Zwischenprüfung, beim Referendar das Abi und das 1. Examen, beim Associate das 1. und das 2. Examen. "Stationsnoten im Durchschnitt vollbefriedigend" kommt in der Regel zustande, weil Rechtsanwalt Dosenkohl (Termine nach Vereinbarung) und die Stadtverwaltung Hildesheim 17-18 Punkte gegeben haben. Diesen verräterischen Satz sollte man daher weglassen.
  4. Das Foto ist immens wichtig. Kann man gut oder schlecht finden ("oh Mann, sind doch nur Äußerlichkeiten"), ist aber so. Die Damen sind meist stilsicher im Hosenanzug mit Bluse abgelichtet. Herren greifen öfter in den Eimer. Es gilt: Grauer Anzug, weißes Hemd, dezente Krawatte (gemustert oder gestreift). Jedes dunkle Hemd sieht nach Mafia aus, jede knallrote Krawatte nach Zuhälter. Motivkrawatten tragen Clowns. Ohne Krawatte ist man Gewerkschaftssekretär oder Frank Plasberg und den schwarzen Anzug trägt man nur, wenn man hinter Ommas Sarg herlatscht.

Das StattAller-Team freut sich auf Rückmeldungen, ob es mit diesen Tipps geklappt hat.

Sky - gestorben

Unmittelbar auf dem Weg aus der Kanzlei nach Hause liegt ein supi-dupi-Sky-Markt. Sauber, gut ausgestattet und vor allem: Geöffnet bis 22.00 Uhr, sommers wie winters und Montag bis Sonnabend. Auch wenn normalerweise mein elterngeldbeziehendes Eheweib den Einkauf erledigt, muss ich ab und an ran, vor allem abends und natürlich am Sonnabend.

Wer saß da neulich an der Kasse? Maren S.*, ehemalige Referendariatskollegin. Am 2. Examen hatte sie so viel gefallen gefunden, dass sie es gleich zwei mal gemacht und in der Trostrunde auch irgendwie bestanden hat. Nun scannt sie ein Jahr später Dosen und braucht "Storno Kasse 2". Sie ist keine alleinerziehende Mutter, die auf eine Halbtagsbeschäftigung angewiesen ist, sondern muss das wohl machen. Von meinem fröhlich-doofen, spontan geäußerten
Na, was machst Du denn hier?

fühlte sie sich wohl eher verkackeiert - was ich verstehe. Ich weiß nicht, wem das ganze peinlicher war. Der Sky ist damit leider gestorben, der siffige Lidl im Umsteigebahnhof wartet auf mich und das Jura-Studium entpuppte sich mal wieder als Wette auf die Zukunft.


*Vollständigen Namen hat die Redaktion verdrängt.

Lesen Sie demnächst: Warum eine Bekannte einen anderen Sky meidet, nachdem ihr dort im Kassenbereich die Fruchtblase platzte.

27. Juni 2009

Geschlechter-Unterschiede

Wir sind in meiner frisch gestarteten Anwaltsstation zur Zeit vier Referendare, zwei Frauen, zwei Männer. Alle sitzen wir in einem Raum, in welchem vier große Schreibtische so aneinander gestellt sind, dass sich immer zwei gegenüber sitzen. Von den vier Computern sind drei mit schön großen 16:9-Flatscreens ausgestattet, der vierte Rechner hat (immerhin) einen 19-Zoll-Flachbildschirm, aber nur in 4:3. An diesem Rechner sitzt eine Referendarin.

Also sagte ich zu ihr, als mir die Bildschirmunterschiede auffielen: "Mensch, Du hast ja gar keinen 16:9-Monitor?"
Darauf lächelt sie nichtssagend und antwortet mit "Ja.", worauf ich noch einmal nachbohre und zu ihr sage: "Du hättest doch den Arbeitsplatz wechseln können, kurz bevor mein Kollege und ich hier starteten? Da waren unsere Rechner doch noch frei?"
Ihre Antwort: "Och, naja."
Ich denk, das darf doch nicht wahr sein und frage nochmal: "Wolltest Du denn gar keinen fetten 16:9-Bildschirm?"
Da schaltet sich die andere Referendarin ein und klärt mich kurz und knapp über unsere geschlechterspezifischen Unterschiede auf: "Du, Frauen freuen sich mehr über rosa Schuhe."

26. Juni 2009

Berufung gegen ein falsches Urteil

Eine Referendarkollegin in meiner diese Woche gestarteten Anwaltsstation schreibt auf ihre Entwürfe ganz dick "Entwurf". Das hat einen Grund, denn sie ist ein gebranntes Kind, wie sie mir erzählte.

Und zwar spielte sich folgendes ab:
In ihrer Zivilstation bekam sie - wie üblich - die Aufgabe, ein Urteil zu entwerfen. Normalerweise werden diese Urteile dann korrigiert und wenn man einen motivierenden Ausbilder hat, dann verwendet er die korrigierte Fassung auch tatsächlich. In ihrem Fall war es so, dass der Ausbilder in den Urlaub fuhr und der (nicht gekennzeichnete) Urteilsentwurf in der Geschäftsstelle landete. Von dort wurde er dann unverändert als Urteil an die Parteien verschickt.

Der Clou: Die Referendarin entschied völlig anders als der Ausbilder es hatte tun wollen. Sie ließ die Klage voll durchgehen, er wollte die Klage abweisen. So legte die entsprechende Partei gegen das Urteil der Referendarin Berufung ein.

Der Ausbilder kam aus dem Urlaub zurück und machte alles rückgängig. Er fand die gesamte Anekdote aber so gut, dass er sie ins Zeugnis aufnahm, da es seiner Meinung nach für die Referendarin spricht, dass die in der Geschäftsstelle nicht merkten, wer das Urteil tatsächlich schrieb.

Ich weiß natürlich nicht, wie die Parteien diese Geschichte aufnahmen. Muss für die Klägerseite ja ziemlich frustrierend gewesen sein. Erst schenkt einem jemand einen Lutscher und dann wird er einem wieder weggenommen.

1. Juni 2009

"Der Dr. iur. ist billig."

Auf der Party eines befreundeten Juristen unterhielt sich gestern jemand mit mir, der eine interessante These aufstellte, als er - nachdem er die ganze Zeit auf das Jurastudium schimpfte - plötzlich anmerkte, der juristische Doktortitel sei total billig: "Gerade, wenn man den Jura-Doktor mit anderen Fakultäten vergleicht, dann ist der doch total einfach. Das kriegt doch jeder hin, sich zwei Jahre hinzusetzen und 'ne Arbeit abzuliefern, für die es dann den Dr. iur. gibt."

Nun ja, wen kümmert's, was so ein Vogel über die juristische Ausbildung denkt, oder? Aber erschreckend an der ganzen Sache war, dass dieser Mensch politisch tätig ist ("Politik ist eine Sucht.") und damit auch erklärt, warum er sein eigenes Jura-Studium noch nicht beendet hat. Es fehle ihm einfach die Zeit. Ansonsten sei das kein Problem, er wäre ja immerhin schon seit vier Jahren scheinfrei, müsse sich also nur noch anmelden, aber die Politik koste schon recht viel Zeit. Hm, will man als Teil des Volkes von jemandem vertreten werden, der sich eine Meinung über den Dr. iur. anmaßt, obwohl er selbst es noch nicht einmal zum Examen geschafft hat? Ich nicht, ehrlich gesagt. Ob er wohl weiß, dass zur Meldung zum Examen mittlerweile eine erfolgreich abgeschlossene Zwischenprüfung erforderlich ist?

Der Oberknüller für mich war dann aber, als er schimpfte, er würde nächstes Wochenende auf keinen Fall wählen gehen. (Ein Politiker, der nicht wählen geht?) Das Europaparlament sei nur eine Farce und tauge nichts. Die Gesetzgebung der EU sei ohnehin total für'n Arsch. Und die Gesetzgebung unserer Zeit sei insgesamt ganz schrecklich, nur das Strafrecht tauge was. Und er sei ja dafür, dass jedes(!) Gesetz durch Volksentscheid entschieden würde. Ok, Lieschen Müller winkt dann also Änderungen im Bankrecht durch?

Ach ja, und im Übrigen sei es auch so, dass das Völkerrecht von Diktatoren gemacht werde und daher unfair sei. Das würde an den Unis nur verschwiegen. Ich bin kein Völkerrechtler, aber für mich hatte dieser Satz das Niveau der Behauptung, unsere Geschichtsbücher seien falsch, weil der 2. Weltkrieg durch Polen entfacht wurde.

Von einem anderen Partygast erfuhr ich später, dass meinem vorherigen Gesprächspartner allerhand Kompetenzen entzogen wurden. Und zwar ganz simpel durch Wahlen! Nun sei er frustriert, dass das Volk ihm seine Lebensaufgabe genommen habe. Nach dem Gespräch denke ich aber eigentlich nicht, dass das Volk einen Fehler gemacht hat. Vielleicht sollte er sich nun also einmal um das Examen kümmern und gegebenenfalls einen Dr. iur. nachschieben? Auf Grund des tiefen Schwierigkeitsgrades müsste dieser doch neben der Politik auf jeden Fall zu bewerkstelligen sein, oder?

30. Mai 2009

Wie es nicht geht!

Der Kollege von Obiter Dictum verweist in seinem Blog auf eine interessante Rezension in der Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik 2009, S. 177-187.

Da kann man wirklich nur staunen! Wir jedenfalls sind fassungslos und wollen unseren Lesern diesen totalen Verriss nicht vorenthalten...

5. Mai 2009

Fotokopier-Software

Ich möchte an dieser Stelle einmal auf ein sehr nützliches Tool hinweisen, welches ich schon ein paar Monate nutze.

Eines Tages überlegte ich mir, dass ein Fotokopierer doch eigentlich nichts anderes ist als ein Laserdrucker mit eingebautem Scanner, naja, vereinfacht gesagt. Was liegt da näher als eine Software, die den eigenen Laserdrucker zusammen mit einem Scanner zu einem Kopierer umfunktioniert?

Bei meiner Suche stieß ich auf iCarbon. Mit dieser Software bin ich wirklich hochzufrieden. Das Programm ist sehr klein und zierlich und füllt im geöffneten Zustand nur einen Bruchteil des Bildschirms aus, wobei es ein wenig versucht, wie die Bedienleiste eines Fotokopierers auszusehen:


In den Einstellungen kann man die am PC angeschlossenen Drucker oder Scanner auswählen und sich auch dafür entscheiden, ob man in Farbe oder schwarz-weiß druckt.

Trümpfe spielt das Programm vor allem dann voll aus, wenn man einen PDF-Writer installiert hat, der dann als Drucker ausgewählt werden kann. Man spart sich viele Arbeitsschritte, die alternativ von der Vorlage zum PDF geführt hätten. Dabei ist außerdem der Kontrast so eingestellt, wie man ihn sonst auf einer Kopie vorgefunden hätte, so dass man sich auch sämtliche Nachbearbeitung sparen kann.

Genial ist auch, dass der Speicherbedarf des PDFs deutlich unter dem liegt, was man beim herkömmlichen Scan erreicht hätte. Für Onlinebewerbungen kann man sämtliche Zeugnisse etc. einscannen und die Mail bleibt definitiv unter 2 MB.

Ich scanne mittlerweile eigentlich alle wichtigen Schreiben ein, um sie auf dem PC zu haben. Habe diese Software auch für meinen Visums-Antrag genutzt. Wenn ich dann mal eine Kopie eines Dokumentes benötige, muss ich nur das bereits erstellte PDF ausdrucken.

Leider weiß ich nicht, ob die Software auch unter Windows Vista funktioniert, da ich selbst nach wie vor mit Windows XP arbeite. Falls jemand gute Alternativ-Vorschläge hat, möge er diese doch bitte in der Kommentierungsfunktion öffentlich machen.

Edit vom 9.5.2011: Mit Hilfe eines Tricks lässt sich die Software auch auf Windows 7 installieren.

30. April 2009

Identität des Zodiac-Killers geklärt?

SpiegelOnline berichtet davon, dass sich eine Frau als Tochter des als "Zodiac-Killer" bekannten Mörders ausgibt und damit naturgemäß zur Klärung der Identität des Zodiac-Killers beiträgt.

Zodiac tötete Ende der 60er und in den 70ern einige Menschen in Kalifornien und kontaktierte zuvor jeweils den San Francisco Chronicle, dem er auch verschlüsselte Botschaften übermittelte, die angeblich seine Identität hätten verraten können. Geknackt wurde jedoch nur die erste Botschaft, interessanterweise von einem Chronicle-Leser und seiner Frau, dem Lehrer Donald Harden.

Die Mordserie des Zodiac war immer wieder in Hollywood- und TV-Produktionen thematisiert worden. Einem jüngeren Publikum wurde die Geschichte zuletzt 2007 in der sehr guten Verfilmung "Zodiac - Die Spur des Killers" von David Fincher bekannt gemacht. Der Film hinterlässt im Abspann leider den Eindruck, dass der ehemals Hauptverdächtige Arthur Leigh Allen tatsächlich der Zodiac war, da es nach seinem Tod zu keinen weiteren Vorfällen mehr kam. Dabei zeigte eine 2002 vorgenommene DNA-Analyse, dass er nicht mehr als Täter in Betracht kommt.

Sehr interessant ist übrigens die website zodiackiller.com, wenn man gerade unmittelbar vorher die Fincher-Verfilmung gesehen hat.

26. April 2009

Tipps für den DS-2019-Umgang (als Vorstufe zum J-1 Visum) bei Wahlstation in den USA

Nachdem ich vor kurzem erste Tipps für das Referendariat im Ausland gab, kann ich nun schon von ersten Visum-Erfahrungen berichten, die anderen Referendaren weiterhelfen könnten.

Und zwar ist der Antrag des Visums aufzuteilen, da es für Referendare kein B-1 Visum mehr gibt, sondern nur noch das J-1 Visum, wie schon 2007 unsere geschätzten Kollegen bei Jurabilis berichteten. Bevor man das J-1 Visum beim zuständigen US-Konsulat (für Schleswig-Holstein ist das Berlin) beantragen kann, muss man nämlich zunächst das DS-2019-Formular beantragen, was man nur bei bestimmten "Legal Sponsors" machen kann, die das US Department of State hierzu befugt hat.

Vorweg möchte ich allen (künftigen?) Referendaren Mut aussprechen. Vielleicht klingt die Beantragung des DS-2019-Formulars hier in den ersten Zeilen noch aussichtsloser als sie ist. Man kann sich durch den Papierkram durchaus durchkämpfen. Und auch die geforderten Nachweise bekommt man immer irgendwie organisiert, denke ich.

Durch den DS-2019-Antrag soll der Antragsteller zeigen, dass er es verdient hat, ein Praktikum in den USA zu absolvieren und auf jeden Fall wieder abreisen wird. Man muss ein umfangreiches Formular ausfüllen und gemeinsam mit zwei Praktikumszeugnissen (z.B. Stationszeugnisse, alternativ gehen auch Empfehlungsschreiben eines Profs), dem Nachweis über den Referendarsstatus, einer Kopie des Reisepasses, einer Einzugsermächtigung für die Kosten (hierzu sogleich), einem Motivationsschreiben(!), einem Nachweis über Englischkenntnisse und einem Nachweis über die finanzielle Absicherung in einer Datei zusenden oder ausnahmsweise faxen. Vor(!) diesem Schritt hat man übrigens bereits die Teilnahme an dem Antragsverfahren zu beantragen, was bei meinem "Legal Sponsor" durch die Einreichung zweier Lebensläufe (einen auf deutsch und einen auf englisch) sowie die Praktikumsbestätigung geschah. In dem Nachweis über die finanzielle Absicherung muss man versichern, dass man mindestens $ 1.500,- monatlich zur Verfügung hat. Dazu muss dem Antragsteller in der Wahlstation entweder ein entsprechendes Gehalt gezahlt werden (was eher selten der Fall ist) oder er besorgt sich eine Bestätigung der Bank. Am einfachsten ist es für die meisten vermutlich, die Eltern bürgen zu lassen. Dafür gibt es einen entsprechenden zu unterschreibenden Vordruck.

Ich empfehle als "Legal Sponsor" ganz ausdrücklich die German American Chamber of Commerce in New York. Dort spricht man deutsch und weiß, was ein Rechtsreferendar ist. Als eben erwähnten Nachweis für die Englischkenntnisse reicht anstelle des TOEFL-Tests gegebenenfalls ein telefonischer Englisch-Test mit einer/m Mitarbeiter/in. Der Service der GACC-NY ist unglaublich. Als ich zu Beginn meine beiden Lebensläufe hinschickte, erhielt ich nur einige Stunden später bereits alle erforderlichen Unterlagen für den weiteren Ablauf. Als ich hierzu kurze Fragen per Mail stellte, klingelte zwei Minuten später mein Handy, um die Fragen schnell telefonisch zu klären. Als ich kürzlich das 17-Seiten-PDF an meine Mitarbeiterin versandte, klingelte bereits vier Stunden später wiederum mein Handy, dass alles in Ordnung sei und nun meine Gastfirma am Zug ist. (Hierzu auch sogleich.)

So, nun zum besonders unangenehmen Teil, nämlich zu den Kosten: Das Visum ist insgesamt leider recht teuer. Das DS-2019 kostet bei der GACC (andere Anbieter sind preislich auch auf der Höhe) $ 500,-, aber da man eine Versicherung für die Zeit benötigt, die man mitbuchen kann, kommen noch einmal $ 240,- hinzu. Später im zweiten Schritt kommt noch eine sog. SEVIS-Gebühr in Höhe von $ 180,- hinzu. Da es sich hierbei im Prinzip um eine Software-Gebühr handelt, finde ich diese Kosten besonders ärgerlich. Das Konsulat berechnet dann für die Ausstellung des Visums noch einmal ca. 90 Euro.

Unter meinen letzten Auslandsartikel hat der StattAller-Leser "Dante" dankenswerterweise den Tipp gegeben, alle Belege für die Kosten des Referendariats im Ausland aufzuheben und später als Werbungskosten in der Steuererklärung einzusetzen. So kann man die Kosten langfristig gesehen vielleicht wieder ausgleichen.

Das Problem an dem DS-2019-Formular ist jedoch nicht nur der Preis, sondern auch die Tatsache, dass der "Host Company" Arbeit auferlegt wird, was manchmal laut website der GACC zu Absagen führen kann. Ich habe den Ansprechpartner in meiner Wahlstation von Beginn an vorgewarnt, dass auf ihn noch Arbeit bzgl. meines Visums zukommen wird und mich mehrfach dafür entschuldigt und mitgeteilt, wie sehr ich die Mühen zu schätzen weiß. Das ist sicherlich der beste Weg, um Überraschungen wie einer plötzlichen Absage vorzubeugen. Mein Ansprechpartner schrieb mir letztens daraufhin netterweise: "We’re happy to complete whatever paperwork is necessary." Das war schon sehr beruhigend. Der Papierkram besteht für die "Host Company" vor allem aus einem ausführlichen "Training Plan" (DS-7002-Formular) und diverser Angaben zum eigenen Unternehmen. Voraussetzung ist, dass die Host Company mindestens fünf Festangestellte hat. Wenn sie weniger als 3 Mio Dollar Jahresumsatz vorweisen kann ODER weniger als 25 Festangestellte hat, kommt außerdem noch ein Besuch der "Host Company" durch einen Mitarbeiter des "Legal Sponsors" hinzu.

Wer in eine Großkanzlei möchte, kann übrigens darauf hoffen, dass diese von dem DS-2019-Erfordernis befreit wurde. Alternativ ist es durchaus auch möglich, dass diese sich an den Kosten beteiligt. Dazu kann ich aber keine Angaben machen, da ich meine Wahlstation in einem Unternehmen absolviere.

So, ich hoffe, dass ich meinen Kollegen da draußen, die irgendwann auch ins Ausland wollen, einmal einen groben Überblick als ersten Eindruck bieten konnte und drücke ihnen die Daumen. Im Falle weiterer Fragen helfen auch die FAQs der GACC weiter. Und wenn es so weit ist, sind die Mitarbeiter der GACC in New York ebenfalls extrem hilfsbereit, wie ich schon andeutete.

21. April 2009

Jürgen Klinsmann darf am Kreuz bleiben

Wie das LG München in einem meines Erachtens erstklassigem Beschluss entschieden hat, hat Jürgen Klinsmann keinen Unterlassungsanspruch gegen die TAZ. Der genaue Text des Beschusses findet sich unter:

http://www.eisenberg-koenig.de/entscheidung.php?rek=Klinsmann-Satire_der_Osterausgabe_der_taz_bleibt_zugänglich&id=108

Meines Erachtens ist die Entscheidung richtig. Klinsmann verdient mit öffentlicher Inszenierung seiner Person und seiner Fähirgkeiten als Trainer eine Riesensumme Geld. Und wo war seine religiöse Zurückhaltung, als er Buddha-Figuren auf dem Trainsingsgelände aufstellte?

Coldplay vs. Joe Satriani

Coldplay sollen ihren Hit "Viva la vida" in beträchtlichem Maße von Joe Satriani, dem Ex-Gitarrenlehrer von Kirk Hammett (Metallica), abgekupfert haben, so berichtet der Art Lawyer. Der streitgegenständliche Ursprungssong von Satriani ist "If I could fly".

Dank YouTube kann sich jeder selbst ein Bild von diesem mutmaßlichen geistigen Diebstahl machen:
Für musikalische Laien ist dieser Direktvergleich beider Songs in Kurzfassung sehr nützlich.
Profis mögen sich an einer geradezu wissenschaftlichen Abhandlung erfreuen, die sich hier (Teil 1) und hier (Teil 2) findet. Besonders interessant und auch für Laien verständlich ist Teil 2 ab ca.4:00Min.

Wer nun (zu Recht) nach Anhören des kompletten Satriani-Songs begeistert vom Stuhl aufspringt und sich entzückt verneigt, dem könnte ich noch eine bittere Pille des Neids zu schlucken geben: Ich hatte das unglaubliche Glück, Joe Satriani Ende der 90er zusammen mit seinem anderen nicht minder begabten Ex-Schüler Steve Vai live zu sehen. Drei Konzerte an einem Abend: Erst spielte Joe, dann Steve, dann beide gemeinsam. Das war ein Knüller!

15. April 2009

"Nicht hinter allem, was böse aussieht, steckt der Staat"

Theodor Reppe, Inhaber der Domain "Wikileaks.de", im Interview mit gulli.com.

Schlechte Zeiten für Verschwörungstheoretiker.

14. April 2009

"Sperrung von Wikileaks.de": Much Ado About Nothing?

Wie groß war die Aufregung, als am letzten Donnerstag "urplötzlich" (?) und "ohne Vorwarnung" (?) die Domain "Wikileaks.de" nicht mehr abrufbar war. Die Gründe dafür lagen zunächst völlig im Dunkeln.
"Zensur!" schrien die einen (und halten gar eine Verwicklung des BND für möglich Vieles für denkbar). Die anderen sahen chinesische Verhältnisse einkehren. Und Heise.de machte das, was sie am besten können: Kommentatoren eine Plattform bieten.

Nun äußern sich die unmittelbar Beteiligten:
Der Provider hat angeblich bereits im Dezember eine Kündigung des Vertrages mit dem Inhaber der Domain "Wikileaks.de" mit Wirkung zum 30. März 2009 ausgesprochen.
Der Domain-Inhaber hingegen weiß angeblich von nichts. Eine "versuchte Auflösung" des Vertrages hingegen wird bestätigt; allerdings verstoße der Provider gegen mündliche Abreden.

Wir sind gespannt zu erfahren, welcher der Beteiligten ein falsches Spiel spielt. Bis dahin ist eines sicher: Gute Zeiten für Verschwörungstheoretiker.

10. April 2009

New York vs. Darmstadt

Auf Grund meiner Wahlstation ist meine Freundin leicht besorgt, dies könnte ein Anstoß für späteres Herumgereise zum Nachteil der Familie sein. Dabei entspann sich folgender kurzer Dialog:

- "Nicht, dass Du zu so einem Jetsetter wirst."
"Nein, das vermutlich nicht, aber man kann in der Musikbranche auch nicht ausschließen, dass es vielleicht mal z.B. nach New York geht."
- "Na gut, ok, Papa musste auch mal nach Darmstadt."

Puh, hätten wir das also geklärt.

8. April 2009

Erste Tipps für das Referendariat im Ausland

Ich mache auf dem Weg zu meiner Auslands-Wahlstation gerade Erfahrungen, die vielleicht auch dem ein oder anderen am Ausland interessierten zukünftigen Referendar nützen könnten. Daher möchte ich sie an dieser Stelle einmal weitergeben. Die treuen Hardcore-StattAller-Leser haben es schon in unserem Twitter gesehen: Ich habe voller Freude und nach langem Kampf kürzlich die Zusage eines New Yorker Musikunternehmens erhalten. Die nächste Stufe wird das Visum sein. Sicher gibt es auch dazu in den nächsten Wochen berichtenswertes, aber zunächst einmal die bisherigen Erfahrungen.

Es sollte selbstverständlich sein, aber auch ich habe mich zu Beginn des Referendariats nicht daran gehalten und mich sehr auf ein bestimmtes Unternehmen fixiert: Streut Eure Bewerbungen! Insbesondere Unternehmen wissen gar nicht, was das Referendariat ist und reagieren oftmals einfach gar nicht, selbst wenn man gewichtige Networking-Kontakte zwischenschaltet. Habe die Bewerbungen zum Ende hin dann auf viele Unternehmen verteilt und erhielt die Zusage nun von einem Unternehmen, bei dem ich in der Bewerbung echt bei Null anfangen musste.

Wer in eine US-Kanzlei möchte, dem sei die Deutsch-Amerikanische Juristen-Vereinigung ans Herz gelegt, die gegen eine geringe Gebühr oder eine Mitgliedschaft Kontakte herstellt.

Der Lebenslauf muss für das jeweilige Land angepasst werden und sollte keinesfalls nur 1:1 übersetzt werden. Die Amis wollen z.B. nicht wissen, wann man geboren wurde und ob man verheiratet ist. Ein Foto ist ebenfalls fehl am Platz. Absolut üblich ist ein Rückwärts-Aufbau im Lebenslauf, was sich bei uns ja mittlerweile auch durchsetzt. Dabei steht aber anders als bei uns nicht die Ausbildung im Vordergrund, sondern die Erfahrungen. Jeder ausgeübten Tätigkeit könnte z.B. ein "Activities and responsibilities:" hinzugefügt werden, wobei ein paar beispielhafte Tätigkeitsbereiche aufgelistet werden. (So habe ich es zumindest gelöst.) Insgesamt empfehle ich sehr, sich für den Lebenslauf viel Zeit zu nehmen und Google zu bemühen. In den USA heißt der Lebenslauf übrigens "Résumé", in UK heißt er "Curriculum Vitae" ("CV").

Im Anschreiben (USA: "cover letter", UK: "covering letter") setzt man hinter die Anrede (zumindest in den USA) kein Komma, sondern einen Doppelpunkt.

Auch eine andere Sache funktioniert im Anschreiben ganz anders, was ich nur durch die Bewerbungsvoraussetzungen der Unternehmen auf deren websites herausfand und daher zu Anfang falsch machte: Die Unternehmen interessiert, welche beruflichen Ziele man hat und warum gerade das "internship" im angeschriebenen Unternehmen einem helfen kann, diese Ziele zu erreichen. Meiner Meinung nach sollte man diesbezüglich nicht kleckern, sondern klotzen! Das ist natürlich sehr ungewohnt, da es in Deutschland eher andersherum läuft: Hier erklärt man eher, warum man für das Unternehmen so unglaublich wichtig sei. (Was nicht bedeutet, dass das im Ausland völlig fehl am Platz ist.)

Nach einem Bewerbungsgespräch (oftmals ein "phone interview" wegen der räumlichen Distanz) ist es in den USA üblich, binnen sehr kurzer Zeit (höchstens 24 Stunden) einen "thank you letter"/"follow up letter" an den Gesprächspartner zu versenden. Man bedankt sich für das Gespräch und die investierte Zeit und preist sich noch einmal über den grünen Klee an. Auch hierzu sollte man Google bemühen.

Hilfreich für sämtlichen Schriftverkehr im Zusammenhang mit Bewerbungen ist z.B. die Jobsearch-Seite von about.com mit vielen Vorschlägen und Tipps. Generell löste ich es aber so, dass ich zunächst allein die Schreiben fertigte und dann erst nach Tipps schaute, um Verbesserungen einzubauen. Anderenfalls verhindert man Kreativität und läuft Gefahr, ein Standardschreiben anzufertigen.

Bei Vokabel-Fragen und teilweise auch Formulierungsfragen helfen leo.org und dict.cc. Letzteres kann meiner Meinung nach ein bißchen mehr punkten, aber man sollte in wichtigen Dingen vielleicht ruhig beide Seiten bemühen und sich selbst ein Bild machen.

Übrigens gibt es keine vernünftige Übersetzung für das Referendariat. Da Referendare aber eine Art Praktikum absolvieren, beließ ich es oft einfach beim "internship", erklärte aber, dass dies ein Teil des "post graduate judicial clerkship" ist. Diese Übersetzung fand ich noch am besten, weil sie zeigt, dass man schon einen Abschluss hat. Zusätzlich erklärte ich, dass es sich hierbei um ein "academic program" handelt, welches "internship experience" erfordert. Man kann die Begriffe für das Referendariat auch ein wenig mischen. Dann können die sich selbst ihren Teil denken, was man aus deren Sicht ist. Gängig unter Deutschen ist z.B. auch noch das "legal clerkship" als Übersetzung, Referendare werden von Deutschen außerdem als "junior lawyer" übersetzt.

Oft helfen bei Fragen auch die "International Center" der deutschen Unis weiter. In Kiel haben wir sowas zumindest. Hier in Kiel haben wir auch die extrem hilfreiche Amerika-Gesellschaft mit einer gut sortierten Bibliothek und hilfsbereiten Mitarbeitern. Kieler Referendare sollten diese Bibliothek als erste Amtshandlung auf dem Weg in die Wahlstations-Vorbereitung unbedingt nutzen, wenn sie in die USA möchten! Habe die Bibliothek selbst erst wenige Stunden vor der Anfrage nach einem "phone interview" entdeckt. Aber je früher, desto besser! Dort gibt es nämlich auch Literatur zu Bewerbungsgesprächen.

Meine Tipps erheben keinen Anspruch darauf, vollständig zu sein oder das Non-plus-ultra darzustellen, aber bei mir hat es letztendlich mit einer Zusage zumindest schon einmal geklappt. Die Tipps sollen vor allem auch als Inspiration für die eigenen Bemühungen dienen. Weitere Tipps und Hinweise werden über die Kommentierungsfunktion gerne entgegen genommen.

1. April 2009

Der Test: MP3-Kauf bei Amazon

Heute eröffnet auch Amazon Deutschland einen MP3-Shop, den es bei Amazon USA schon ein paar Monate gibt. Die Lieder werden DRM-frei verkauft. Das ist gut so, denn sonst könnte man die Titel nur auf bestimmten PCs abspielen und als Daten-CD im Auto teilweise sogar gar nicht. Dass die Musikindustrie sich von DRM verabschieden muss, um gegenüber den illegalen Angeboten konkurrenzfähig zu sein, war eigentlich schon lange klar, aber diese Branche ist auch für ihre Trägheit bekannt.

Ich habe den neuen Shop gerade einmal getestet. Schon lange wollte ich das Album "The Two Sides Of Mary Wells" erwerben, aber bei einem Preis von EUR 19,99 konnte ich mich für dieses 33-Minuten-Album bisher nicht erwärmen. Doch ab heute verkauft Amazon auch die MP3-Version zum Preis von EUR 9,99. Endlich konnte ich zuschlagen.

Der Kauf läuft problemlos. Man legt das MP3-Album ganz normal in den Einkaufswagen, wie man es von Amazon gewohnt ist. Wenn man dann zur Kasse geht, wird man aufgefordert, ein kleines Programm zu installieren, mit welchem der Download getätigt wird. Der Download-Ordner ist standardmäßig unter EigeneDateien/EigeneMusik/AmazonMP3, kann aber unter "Datei/Einstellungen/Musikverzeichnis ändern" geändert werden.

Interessiert hat mich auch, was passiert, wenn beim Download die Internetverbindung abbricht. Mein W-LAN ließ mich nicht im Stich und gab beim Download des letzten Titels den Geist auf. Die Download-Software registriert dies und bietet für die betroffenen Titel den erneuten Download an.

Nicht so gut gefällt mir, dass sich beim Download automatisch iTunes öffnet, weil das heruntergeladene Album in dessen Medienbibliothek aufgenommen werden soll. Aber auch das kann man in den Einstellungen des Programms (s.o.) ändern. Als Medienplayer am PC ist für mich ohnehin WinAmp ungeschlagen und das wird auch sicher so bleiben. iTunes habe ich nur auf dem PC, um den iPod mit Hörbüchern im Spezialformat zu füttern. (Variable Abspielgeschwindigkeit und Lesezeichen sind einfach super.)

Die Qualität der Amazon-MP3s beträgt 256 kbps, die ID-Tags sind sauber sortiert und enthalten sogar alle das Album-Cover. Genau so, wie man es sich wünscht:

Zum Abschluss noch ein Seitenhieb an die Musikindustrie, auch wenn ich sie mir nach wie vor als zukünftigen Arbeitgeber erhoffe: Auf das Album der Motown-Künstlerin Mary Wells bin ich schon vor längerer Zeit durch das personalisierte web-Radio Pandora gestoßen. Der dort entdeckte Titel "My World Is Empty Without You Babe" hat mich sofort gefesselt. Pandora wurde kausal für meinen heutigen MP3-Album-Kauf! Leider ist Pandora z.Zt. nur noch in den USA zu hören. Die Verwertungsgesellschaften der anderen Länder haben dazwischen gehauen. Es ist manchmal ganz vorteilhaft, dass es in den USA konkurrierende Verwertungsgesellschaften gibt, während die GEMA bei uns z.B. eine faktische Monopolstellung besitzt.

29. März 2009

Dr. Werner Marnette: Rücktritt als Wirtschaftsminister in SH

Als Heilsbringer war er gekommen: Dr. Werner Marnette sollte als "aktiver, ideenreicher und sehr erfahrener Steuermann die Kommandobrücke des [Wirtschafts]ministeriums" in Schleswig-Holstein übernehmen.

Als langjähriger Vorstandsvorsitzender der (damaligen) Norddeutschen Affinerie AG sollte Dr. Marnette frischen Schwung in die hausbackene Wirtschafts- und Wissenschaftspoltik der Großen Koalition in Schleswig-Holstein bringen.

Dr. Marnette hat heute um seine Entlassung aus dem Amt gebeten. Zur Begründung führt er die Unfähigkeit der Landesregierung im Umgang mit der Krise der HSH Nordbank an:
"Ich bin davon überzeugt, dass die Landesregierung in ihrer Rolle als Miteigentümer der HSH Nordbank unser Land durch schlechtes und unprofessionelles Krisenmanagement, durch Vernachlässigung der Kontroll- und Sorgfaltspflicht in eine sehr schwierige Lage gebracht hat."


27. März 2009

DFB ./. Jens Weinreich: gütliche Einigung erzielt

Der unsägliche Rechtsstreit zwischen dem DFB und dem Sportjournalisten Jens Weinreich ist beendet.

Nachtrag: Ich stelle jetzt nicht die Frage, ob die bei Weinreich eingegangenen Spenden nach § 812 Abs. 1 S. 2, 2. Alt. BGB zurückgefordert werden können. :)

26. März 2009

Zum Zustand der Justiz in Schleswig-Holstein

Die Landesregierung hat auf eine Große Anfrage der FDP Landtagsfraktion zum Zustand der Gerichte und Staatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein geantwortet (PDF, 13 MB!).
Die Eckdaten:

Richterstellen 2008: 508 (2005: 517), davon entfallen auf die Sozialgerichtsbarkeit 71 (2005: 40!)
Zahl der Strafsachen an AGen (2007): 23.360 (2005: 20.450)
Durchschnittliche Dauer eines Strafverfahrens: 3,9 Monate (Bundesdurchschnitt: 4,3 Monate)
Zahl der Zivilsachen an AGen (2007): 40.290 (2005: 45.750)
Zahl der Sozialsachen (2007): 12.100 (2005: 7.180) [Hartz IV als Konjunkturprogramm für Sozialrechtler]

Zahl der Staatsanwälte (2008): 171 (2005: 169)
Zahl der Ermittlungsverfahren (2007): 163.250 (2005: 140.100)

Daneben finden sich auf den S. 79 ff. noch interessante Ausführungen zur Juristenausbildung in Schleswig-Holstein.
Auffällig ist insbes., dass die durchschnittliche Studiendauer im Jahre 2007 12,7 Semester betrug, während sich dieser Wert in den Jahren zuvor bei ca. 10 Semestern bewegte. Grund dafür ist sicher die Umstellung auf das neue Prüfungsrecht. Mit dem Auslaufen der Übergangsfristen haben sich viele Dauerstudenten dann doch aufgerafft, sich an das Examen zu wagen.
Ca. 50 % aller Studenten wagen den sog. Freiversuch.

Tiefer gehts immer

RA Melchior macht auf das Angebot der Onlinekanzlei "Recht nah" aufmerksam:

"Ein Team eingespielter Rechtsanwälte aus verschiedenen Regionen Deutschlands" bietet dort seine Rechtsberatung an. Eine Anwaltsmeinung kostet 29 €; zwei unabhängige (!) Anwaltsmeinungen kosten nicht 58 €, sondern unschlagbare 49 €.
Daneben werden noch grundlegende Rechtsfragen ein für allemal umfassend geklärt, z.B. "Wie fechte ich einen Vertrag an?".

Ich bin mir sicher, dass es sich bei diesem Angebot einer Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) (siehe § 5a GmbHG) nur um Satire handeln kann.

Oder etwa doch nicht?????

24. März 2009

Chaos bei Schalke 04 oder vielleicht eher Chaos bei der Bild?

Okay, ich gebe es zu: Ich lese gelegentlich bei Bild.de. Vor allem den Sportteil.

Heute wartet Bild.de auf der Startseite mit der Schlagzeile auf:
"Schalke-Chaos: Rutten weg - aber nicht gefeuert."

Im dazugehörigen Artikel heißt es:
"Das Durcheinander ist perfekt: noch keine Kündigung, noch keine Vertragsauflösung"

Das ist ja wirklich ungeheuerlich. Bei Schalke schaffen sie es also noch nicht einmal, den Trainer vernünftig zu feuern.
Wobei, Moment mal: Die bloße Erfolglosigkeit (Platz 8 nach 25 Spieltagen) ist in aller Regel* gar kein Kündigungsgrund. Daher werden Bundesligatrainer auch nur "beurlaubt", nicht aber "gekündigt". Das weiß eigentlich auch die Bild.


*Okay, im Falle von Rutten könnte man - das Festhalten am 4-3-3-System zeigt es eindrucksvoll - an einen persönlichen Eignungsmangel denken. :)


Nachtrag: Wer sich mit der "Zulässigkeit der Kündigung eines Trainers wegen Erfolglosigkeit" befassen möchte, dem sei der gleichnamige Aufsatz von Julia Borggräfe in SpuRt 2006, S. 233 ff. empfohlen.

StattAller bei Twitter

Nun sind auch wir bei Twitter zu finden. Nachdem wir hier letzten Sommer über einen Markenrechts-Twitter berichteten, stolperten wir immer öfter über weitere Twitter. Vor ein paar Tagen dachten wir uns daher, es sei höchste Zeit zu beschließen, uns der modernen Technik nicht zu verschließen, sondern uns anderen Twittern anzuschließen.

Und so beschlossen wir. Wer bei uns mitlesen will, kann dies hier tun.

20. März 2009

Nachhaltiges Lernen oder: "Was soll das???"

SpOn berichtet von dem Selbstversuch einer armen, armen Politikstudentin (erstes Semester), die sich innerhalb von 24 Stunden in der Freiburger UB "dringend den Stoff für drei Klausuren in den Kopf prügeln" muss.

Dämlich.
Aber immerhin hat sie es damit zu einer Veröffentlichung auf Spiegel Online geschafft. Fragt sich nur, ob das eine Auszeichnung ist...

Mündliche Prüfung mit unvollständigen und veralteten Gesetzestexten

Vor Kurzem hat einer unserer Hiwis sein Examen vor dem JPA beim OLG Schleswig abgelegt.
In der mündlichen Prüfung hat man ihm u.a. die Gesetzessammlung "Schönfelder" zur Verfügung gestellt.

Dumm nur, dass dort die §§ 1-200 BGB fehlten. Findig wie er ist, hat er sich zur Lösung eines Falles zum Minderjährigenrecht kurzerhand des Ergänzungsbandes bedient. Als es dann aber um Fragen der Deliktsfähigkeit Minderjähriger ging, musste er feststellen, dass die im Ergänzungsband abgedruckten Normen nur im Schwerpunktbereich "Rechtsgeschichte" von nutzen sind. Nach kurzer Konfusion erbarmte sich der Prüfer im Strafrecht, dem Prüfling seinen Gesetzestext zur Verfügung zu stellen.

Nach der Prüfung stellte sich heraus, dass bereits eine Woche zuvor diese unvollständigen Gesetzestexte gerügt wurden. Das JPA allerdings scheint das nicht wirklich interessiert zu haben.

18. März 2009

Wer findet den Fehler?

Ein US-Praktikant fasste einen Teil seiner 2002 absolvierten Zeit in einem New Yorker Musikverlag schriftlich zusammen und stellte diese Zusammenfassung ins Internet. Dabei erklärte er auch schulmäßig die unterschiedlichen Währungen der Welt, wobei eines seiner Beispiele leider schon damals veraltet war:
"Italy had the lira, Japan had the yen, while most of the other countries dealt with euros."
Und gegen solche Leute kämpft man dann als Referendar auf der Suche nach einer Wahlstation und unterliegt möglicherweise, weil die Voraussetzung für ein "internship" in Unternehmen oft lautet: "Only available to college students receiving school credit." Dass man als Referendar ebenfalls auf internships angewiesen ist, aber schon mehr praktische Erfahrung vorweisen kann, muss man dann auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner penetrant erklären.

15. März 2009

Konversation auf englisch

Andere Länder andere Sitten. In diesem vor knapp 2 Jahren erschienenen Artikel aus der Süddeutschen werden 10 Gebote zur englischen Konversation mit auf den Weg gegeben, die dem einen oder anderen Referendar für die Wahlstation nützlich sein könnten.

Gegen die "Unwritten Rule Numer One" (Vornamen benutzen!) habe ich aus deutscher Unsicherheit schon einmal verstoßen, obwohl ich sonst (gerade in der Musikbranche) sehr schnell und schmerzfrei Leute duze. Der Kontaktpartner auf der anderen Seite des großen Teichs ist Vize-Präsident eines der wichtigsten Unternehmen der Musikbranche und in einer Bewerbung für die Wahlstation per Mail kann ich ihn doch unmöglich mit dem Vornamen ansprechen? Also enthielt meine erste Zeile ein "Mr. ...", naja. Weiß aber ohnehin nicht genau, ob man die Vornamen-Regel auch auf den Schriftverkehr übertragen kann. Vielleicht liest hier ein auslandserfahrener Leser (bestenfalls Ex-Referendar) mit, der seine Meinung hierzu abgeben kann?

Am Telefon fiel es mir aber tatsächlich leicht, die Leute mit Vornamen anzusprechen, da sie sich schon mit "This is Danny" o.ä. melden.

Auch sehr, sehr lesenswert (und sehr humorvoll!) ist der Artikel eines Blogs mit dem Titel "Warum Amerikaner (Briten, Kanadier) nicht sagen, was sie meinen."

11. März 2009

Frust mit dem Finanzamt

Gerade dieses Bild aus irgendeiner alten Fun-Mail auf meinem Rechner wiederentdeckt:


Da war wohl einer sehr gefrustet über die Post vom Finanzamt...

10. März 2009

"Ein Urteil, das dem gesunden Menschenverstand entspricht"

Spiegel Online - ganz nah am Puls der Volksseele.

Die Reaktion von Wolle Thierse wird noch mit Spannung erwartet.

Nachtrag: Nun wird in dem verlinkten SpOn-Artikel lapidar von einem "arbeitnehmerfreundlichen Urteil" gesprochen.

Wie jetzt?

Der Tenor: er soll als Quintessenz des Prozesses so kurz, bestimmt und klar wie möglich gefasst und muss aus sich heraus verständlich sein (BGH NJW-RR 1994, 1185).

Die Unterlassungsklage hatte nur teilweise Erfolg. Dies ließ sich aus der Divergenz des Antrags und des Unterlassungs- sowie Kostentenors erkennen. Darüber, was unsere Mandantin (die Beklagte) genau zu unterlassen habe, herrschte hier jedoch Unklarheit. Die Urteilsgründe waren widersprüchlich und somit auch keine Hilfe. Skurril wurde es dann, als der klägerische Rechtsanwalt anrief und mitteilte, dass auch er nicht wisse, wie der Unterlassungstenor zu verstehen sei. Die ratlosen Rechtsanwälte beider Parteien ersuchten daher das Gericht, eine kurze Erläuterung zu erteilen. Die Antwort war, dass die ZPO ein solches Ersuchen nicht vorsehe.

Durch die Berufung wurde das Urteil aufgehoben. Der Tenor lautete "Auf die Berufung der Beklagten wird das Urteil ... aufgehoben und die Klage abgewiesen." Das ist doch mal klar und verständlich.

9. März 2009

Neulich im Seminar für Orientalistik oder: Lust auf ne Runde "Jeopardy"?

Am Schwarzen Brett des Seminars für Orientalistik an unserer Uni hängt z.Zt. die Musterlösung für die Abschlussklausur des Proseminars "Propädeutikum" aus.


Wie mag die Frage zu Antwort 6 gelautet haben?

5. März 2009

Verklag die Fluggesellschaften!

Was es nicht alles gibt. Über Job-Angebote bei MySpace stieß ich auf die website http://www.suetheairlines.com. Es handelt sich hierbei um eine US-Organisation, die für die Rechte von Flugpassagieren kämpft bzw. beim Kämpfen hilft:
"Sue the Airlines is a nonprofit organization dedicated to public interest and providing useful information to consumers adversely affected by air travel to seek redress from offending airlines. In addition, Sue the Airlines seeks to advance the rights of airline passengers. [...]"
Weitere Informationen erhält man über deren Menü-Punkt "About Us".
Besonders kämpferisch kommt dort der letzte Absatz daher:
"[...] It is our hope and mission at Sue the Airlines to provide travelers with the knowledge necessary to make a stand for your legal rights telling the airline industry enough is enough."

4. März 2009

Schnellverfahren gegen Althaus sorgt für Kritik - hier die Rechtsgrundlage

Das Tempo sei "keineswegs üblich" und kratze am Ruf der Justiz, so Richard Soyer, Sprecher der österreichischen Strafverteidiger. Es sei eine Verfahrensbestimmung angewendet worden, die eigentlich für Bagatelldelikte gelte und "praktisch totes Recht" sei.

Bei dieser Bestimmung handelt es sich um § 451 III AStPO:

§ 451. (1) Der Strafantrag (§ 210 Abs. 1) hat die im § 211 Abs. 1 angeführten Angaben zu enthalten. Im Antrag sind ferner die Beweismittel anzugeben, deren sich der Ankläger bedienen will. Der Antrag ist in so vielen Ausfertigungen zu überreichen, daß jedem der Beschuldigten eine Ausfertigung zugestellt und eine bei den Akten zurückbehalten werden kann; er ist dem Beschuldigten unverzüglich zuzustellen.

(2) Ist der Richter der Überzeugung, daß die dem Antrag zugrunde liegende Tat vom Gesetz nicht mit Strafe bedroht ist oder daß Umstände vorliegen, durch die die Strafbarkeit der Tat ausgeschlossen ist, so hat er das Verfahren mit Beschluß einzustellen.

(3) Wird dem Richter zugleich der Beschuldigte vorgeführt und gesteht er die ihm zur Last gelegte Tat oder erscheinen der Ankläger und der Beschuldigte zugleich vor dem Richter, und sind alle Beweismittel für die Anklage und Verteidigung zur Hand, so kann der Richter mit Zustimmung des Beschuldigten sogleich die Verhandlung vornehmen (§ 456) und das Urteil fällen.

 

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