29. Januar 2009

Abwrack-Prämie führt zu Trägheit unter den Händlern

Meine Freundin hat sich über die ARGE hinweggesetzt und ist zu ihrem Probearbeitstag gegangen. Das führte zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Nun benötigt sie ein Auto, weil die Bus-Verbindung zur neuen Arbeitsstelle von uns aus katastrophal ist und die Entfernung für das Fahrrad einen Tick zu weit.

Als wir verschiedene Autohäuser aufsuchten, um uns einfach mal für einen Überblick in diverse Fahrzeuge zu setzen, stellten wir schnell fest, dass die Abwrack-Präme wohl für zu viele Verkäufe sorgte. Die Verkäufer machten den Eindruck, sie hätten ihre Quote für dieses Jahr schon erfüllt, denn sie unterhielten sich lieber anstatt auf interessierte Kunden zuzugehen. Das finde ich im Prinzip in Ordnung, da man ja als Kunde nicht sofort mit jedem Verkäufer ein tiefgehendes Gespräch anfangen möchte. Aber verkaufstaktisch ist es trotzdem unklug.

Bei einem Autohändler kam dann tatsächlich ein Verkäufer an und fragte, ob er uns helfen könnte. Ich sagte ihm, wir würden gerne einfach mal ein paar Wagen probesitzen. Das von mir gerade getestete Auto sei nicht so optimal, weil ich trotz ganz zurückgestelltem Sitz nicht bequem sitzen könne. Er hätte nun sagen können: "Ja, Sie sind recht groß, aber wir haben hier ein anderes passendes Auto." (Abgesehen davon, dass der Wagen nicht für mich sein soll.) Stattdessen sagte er: "Über Platz hat sich noch keiner beschwert." Das hilft doch nicht weiter?

Bei einem anderen Autohändler habe ich telefonisch eine Probefahrt vereinbart. Nach der Probefahrt machte der Verkäufer keine Anstalten zu einem Verkaufsgespräch. Also fragte ich, ob er uns mal ein paar Gebrauchtwagen aus dem Verkaufspool suchen könne. Darauf er: "Nee, kann ich nicht. Wir haben nichts mehr. Alles weg. Die Abwrack-Prämie." Gut, das macht für uns die Qual der Wahl zwischen mehreren Fahrzeugen leichter. Wir haben nichts zum Abwracken, also hätte er auch einen Wagen älter als 12 Monate raussuchen können und sollen. (Die Preisklasse ist sowieso eingeschränkt. Nur dank Finanzierungshilfe der Eltern ist ein Kauf überhaupt möglich.) Aber da er von alleine nicht darauf kam, sind wir dann gegangen.

Ohnehin erstaunt mich der Erfolg der Abwrack-Prämie. Wenn man einen fahrbaren Untersatz zur Verfügung hat, bekommt man für den doch noch Geld auf dem freien Markt? Bei einem Verkaufswert von 1.500 Euro bekommt man also im Prinzip "nur" 1.000 Euro hinzu. Und die hätte man doch noch aushandeln können?

Zudem glaube ich, dass viele Käufer, die eh den Kauf eines Autos planten, den Kauf dieses Jahr wegen der Abwrack-Prämie einfach vorzogen. Es würde mich nicht wundern, wenn auf die Prämie noch ein großes Loch folgt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Also fragte ich, ob er uns mal ein paar Gebrauchtwagen aus dem Verkaufspool suchen könne. Darauf er: "Nee, kann ich nicht. Wir haben nichts mehr. Alles weg. Die Abwrack-Prämie.""


Ich dachte diese Prämie erhält man nur beim Kauf eines Neuwagens ..

Desperado hat gesagt…

Nee, auch bei Wagen, die bis zu 12 Monate alt sind. Da hier der Werteverfall am höchsten ist, kann es sich im Einzelfall schon lohnen.

Aber:
1. haben wir kein Auto zum Abwracken und
2. haben wir gar nicht nach einem Auto gesucht, was jünger als 12 Monate ist.

Und daher war es umso merkwürdiger, dass kein Auto mehr vorhanden sein soll. Die Abwrack-Prämie kann nur Wagen bis zu 12 Monaten "abschöpfen". (Jahreswagen oder so.) Deswegen auch mein Eindruck: Die Verkäufer sind gerade etwas zu verwöhnt.

 

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