21. Januar 2009

Arbeitsverhinderungsmaßnahmen der ARGE

Die Devise der ARGE lautet wohl "Probleme schaffen, nicht wegschaffen", so wie ein bekannter Repetitor es seinen Jurastudenten einhämmert. Meine Freundin ist seit Dezember fertige Zahnärztin. Nun steht die zweijährige Assistenzzeit an. Heute wurde sie (nach einem eigenen Anruf zwecks Initiativbewerbung) spontan zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Es lief recht gut und sie soll morgen mal einen Probe-Arbeitstag ableisten.
Tjaaaa, Problem: Sie hätte morgen um 9.30 Uhr einen Termin bei der ARGE, soll aber schon um 8 Uhr arbeiten. Also rief sie bei der ARGE an, dass sie deren Dienste womöglich bald nicht mehr in Anspruch nimmt (Geld kam aber ohnehin noch nicht...), da sie morgen schon zu einem Probe-Arbeitstag eingeladen wurde. Und was sagen die ihr? Sie müsste erst einen Antrag bei der ARGE stellen, dass sie diesen Probe-Arbeitstag ableisten darf. Das klappt aber keinesfalls mehr bis morgen. Klar, man kennt ja die Bürokratie.

Einem potentiellen Arbeitgeber will man aber auch ungern absagen, also wurde telefonisch weiter diskutiert, dass doch so ein Arbeitstag sehr sinnvoll sei, um seine Qualitäten zu präsentieren. Einwand der ARGE: "Nein, nein, das könnte ja auch Schwarzarbeit sein." Hm, würde man das dann der ARGE melden? Außerdem ist der Probetag unentgeltlich. Nun hofft meine Freundin auf den Großmut des Staates, denn die Sachbearbeiterin sagte, sie wüsste nicht, ob das klar geht, doch müssen sie es dann jetzt halt ausprobieren.

Da fällt einem doch nichts mehr zu ein? Da kümmert sich jemand freiwillig um Arbeit. Und die ARGE, die doch den beruflichen Werdegang gerade unterstützen soll, legt einem Steine in den Weg. Mal abwarten, ob hier noch eine Sanktion folgt, wenn morgen frecherweise einfach gearbeitet wird.

Zur Bürokratie der ARGE muss ich noch nachtragen, dass meine Freundin schon mehrere Gesprächstermine bei denen hatte. Doch jedes Mal, wenn sie dachte "Nun gerät der Stein ins rollen. Nun haben sie wohl alles,was sie wollen." fällt denen noch irgendein weiterer Nachweis ein, der erbracht werden muss. Das könnte man schön verhindern, indem man zu Beginn ein Formular bekommt, welche Unterlagen vorgelegt werden müssen. Stattdessen erfährt sie die zu erbringenden Unterlagen immer erst im Gespräch.

Kommentare:

Malte S. hat gesagt…

Einfach hingehen und sich schon mal einen Sozialrechtler raussuchen, um bei Leistungskürzung vorgehen zu können?
Die ARGE verschickt auch Briefe mit Kürzungen der Leistung von 0€ auf 0€ - sollte ne Drohung an einen Ingenieur sein, zu einer WORD-Fortbildung zu gehen.

Peter Sansibar hat gesagt…

Warum ist es so schwer, für den öffentlichen Dienst Personen zu engagieren, die zumindest mal ein paar cm geradeaus denken können? Immer dieses "Wo kommen wir denn da hin? Das haben wir schon immer so gemacht! Da könnte ja jeder kommen!"
Schlimm. Wirklich schlimm.

Matthias hat gesagt…

Ich habe das zu bieten:
18 Monate Bezugsdauer ALG II, in dieser Zeit habe ich 12 Abhilfebescheide zu Widersprüchen erhalten (der Erstbescheid wurde also zu meinen Gunsten korrigiert); 5 Anerkenntnisse in Sozialgerichtsverfahren und 8 weitere ausstehende Verfahren.
Irgendwas war da doch mit Bindung an Recht und Gesetz?

Anonym hat gesagt…

@ Malte S.

Von 0 auf 0 wird saktioniert, falls während des Saktionszeitraums doch noch ein Anspruch entsteht.

@ Matthias:

Für die Zahl an Bescheiden müssen ja auch entsprechende Verwaltungsakte ergangen sein. Kaum zu glauben, dass jemand so intensiv betreut wird. Was war da los? Klingt nach ner spannenden Geschichte, schreib mal was dazu

Anonym hat gesagt…

Tja, gutes Personal ist halt nicht so leicht zu bekommen ;-)


Zum einen liegt das wohl daran, dass die Regelungen im SGB II auch alles andere als klar sind. Daher haben die meisten ARGE jetzt auch Zugang am Rechner zu einem Online-Kommentar (beck?), da steht meist nur leider auch nicht mehr drinnen für den Einzelfall. Und selbst wenn, denkt ihr denn, dass die Leute es da verstehen?

Man muss mal da hinschauen, wie diese ARGE damals entstanden sind. In meiner Heimatstadt wurden die Mitarbeiter für die ARGE von den städtischen Stellenpool (= Pool für die un(frei)willigen Kräfte, die man andernorts nicht mehr braucht) und dem Sozialamt.

Das sind natürlich nicht gerade die Perlen der Verwaltungslandschaft.

Im hiesigen "Kreisjobcenter" (hört sich vom Namen eher nach 3. Reich an...) sitzen aber sogar Juristen! Ich war da letztens für die Planung nach dem Examen und war völlig entgeistert als er mir das sagte.

Tja, muss man wohl verstehen. Als Angehöriger der Verwaltung kann man es sich natürlich schön einfach machen. Kein Erwerbsdruck, Arbeitsplatz bis ans Lebensende. Man kann Urlaub machen, man kann volle Elternzeit nehmen, usw.

Johnny Kuppler hat gesagt…

Ich war in der Zeit zwischen Zivildienst und Studium arbeitslos gemeldet. Nach den zwei Monaten und einer ordentlichen Abmeldung habe ich von mehreren Sachbearbeitern noch Einladungen zu Qualifizierungsmaßnahmen, Androhungen von Leistungskürzungen und dergleichen erhalten.
Seitdem steht für mich fest, dass die ARGE (damals noch Arbeitsamt) in erster Linie der eigenen Beschäftigungssicherung dient.

Anonym hat gesagt…

Die typische Kundschaft, die die Arge-Mitarbeiter auf Trapp hält, arbeitet nicht beim Zahnarzt auf Probe, sondern wird vom Zoll in Pizzarien und auf Baustellen bei der Probearbeit angetroffen. Auf Akademiker ist die Arge typischerweise nicht vorbereitet. Meine Frau hat da auch komische Erfahrungen gemacht.

 

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