24. Februar 2009

Die Lehramtsstudenten von heute

Jurastudenten werden an der Universität arg geknechtet, so viel ist mal sicher. Das allein ist aber noch nicht das Problem, harte Arbeit hat noch keinem geschadet.

Das Problem ist vielmehr, dass es andere leichter haben: Die Lehramtsstudenten. Diese haben nicht nur im Semester viel weniger zu tun, sondern auch in den Semesterferien vielfach frei - während unsereiner über Haus- und Seminararbeiten brütet. Sicher, da sind eine Anzahl von Schulpraktika zu absolvieren. Praktika haben wir aber auch, eines bei Gericht, eines in der Verwaltung und eines bei einem Rechtsanwalt. Trotzdem winkt uns nicht ohne weiteres A 13. Wie ungerecht!

Diese Litanei (die auch der Autor dieser Zeilen zuweilen anstimmte) wurde in meinem Freundeskreis immer lauter, je näher das erste Staatsexamen rückte. Natürlich ist sie einseitig, übervereinfacht und geht eigentlich an der Sache vorbei. Wir hätten ja auch Lehramt studieren können. Wollten wir aber nicht. Lehrer zu sein ist ja eigentlich auch ein verdammt harter Job, und ein guter Lehrer zu sein noch viel härter - gerade wenn man nicht an Gymnasien unterrichtet.

Dieses Interview auf Spiegel online hat mich jedenfalls sehr an die alten Diskussionen erinnert... Es wäre eine gute Argumentationshilfe gewesen.

Kommentare:

ballmann hat gesagt…

hierzu passend die Meldung der SZ http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/632/459275/text/
wonach Lehrer die schlechteren Abi-Noten haben als andere Akademiker

studiosus juris hat gesagt…

Man muss ja nur mal die Durchfallquoten von Lehramtsstudiengängen mit den Quoten von Jura vergleichen.

Für die studivz-Nutzer unter uns: Es gibt eine Gruppe namens "Wenn man bei Jura arbeiten müsste, hieße es Lehramt".
Dort findet sich in der Beschreibung: "der werdende Jurist hat bis 6 Monate vorm Erstexamen gefeiert, macht ein Jahr Briefmarken lecken beim Anwalt und lernt dann in "Tauchstation" ein halbes Jahr für fünf Klausuren dieselben Gesetze wie zum Ersten Examen - nochmal."

- is klar, ne?

Desperado hat gesagt…

Ach ja, StudiVZ ist schon was dolles. ;)

Ich habe eine Lehrerin im Freundeskreis, die braucht drei Wochen für die Korrektur von 20 Klassenarbeiten: Deutsch-Aufsätze der 5. Klasse einer Realschule von 1-2 Seiten. Die sollte mal sehen, wie schnell WissMit's und Referendare 20-seitige Strafrechtsklausuren korrigieren.

Auf die Frage, ob sie sich denn nach Feierabend immer frisch Essen kocht, antwortete sie: "Nein, wenn ich um 13 Uhr nach Hause komme, dann habe ich auch keinen Nerv mehr, mich noch in die Küche zu stellen."
AHA!?

Peter Sansibar hat gesagt…

@ stud. iur.
Lächerlich.
Treffender ist wohl die Gruppe:
"Sorry,ich muss lernen... ich studiere nämlich nicht auf Lehramt!"

Aber eines muss man den angehenden Lehrern lassen: Sie wissen, wie man sich mit minimalem Aufwand Beamtenstatus und A13-Besoldung sichert.
Für eine ähnliche Position muss man als Jurist schon ziemlich knüppeln.

Peter Sansibar hat gesagt…

Nachtrag (aus der Beschreibung der von stud. iur genannten Gruppe:
"Ein Studienreferendar bekommt im Vorbereitungsdienst 1040€, ein Rechtsreferendar 804€ vom Land, dass (sic!) den Arbeitsaufwand der Leistung nach entschädigt."

studiosus juris hat gesagt…

@Desperado:

Sind die alle so, oder haben wir den gleichen Freundeskreis?

Studienreferendar hat gesagt…

Was soll den das "sic!"?! Hast du Schluckauf und schreibst den mit auf!?

Desperado hat gesagt…

@stud.iur.:
LOL, ich glaube, die sind alle so! :)

Peter Sansibar hat gesagt…

@ Studienreferendar
Geistreicher Kommentar. Danke.

studiosus juris hat gesagt…

http://www.youtube.com/watch?v=yaDmjESm3aA&feature=related

Malte S. hat gesagt…

Der Studienreferendar (=Vorbereitsdienst zum höheren Dienst aka Gymnasiallehrer) hat wohl die Vorurteile über Lehrer und BILDung glanzvoll bewiesen...

Innozenz hat gesagt…

@malte

Ja, unglaublich!! Oder ist das vielleicht doch als Witz gemeint?!?

Innozenz hat gesagt…

denen ist doch ALLES zuzutrauen!

Anonym hat gesagt…

Naja es gibt halt zuviel Juristen und es werden immer mehr ausgebildet. Auch wenn es hart klingt, es ist nur Konsequent wenig Anreize für das Studium/Referendariat zu schaffen.

Alles andere wäre volkswirtschaftlich ein echter Schaden.

Malte S. hat gesagt…

Konsequent wäre es, die Anforderungen und Anreize für Lehrer hochzusetzen. Und nebenbei die Anforderungen im Jurastudium ebenfalls höher anzusetzen, was aber nur funktioniert, wenn auch der qualitative Standard der Lehre erhöht wird. Anders kann man die Anzahl der Absolventen sicher nicht reduzieren (naja, n härterer NC wäre noch möglich).

Anonym hat gesagt…

Der Blog ist einfach nur dämlich!
Allen voran "Harte Arbeit hat noch nie jemanden schadet"...Darwin und Nationalsozialismus lässt grüssen!
Ein Appell an alle Juristen:
Die Diskussion ist hier fehlgeleitet:
Der Gleichheitsgrundsatz (Arist.) besagt schon, gleiches gleich und ungleiches ungleich zu behandel....
Das tertium comp. ist klar:
Lehramt ist nicht mit Jura vergleichbar!
Also ist dieser Blog unnötig!

Peter Sansibar hat gesagt…

Mike Godwin ist ein kluger Mann.

Desperado hat gesagt…

@Peter:
Treffer, versenkt! :)

 

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