3. Februar 2009

Gedanken eines Vermieters

Unser Vermieter scheint zu glauben, Mietverträge seien nur grobe Empfehlungen, wie man das Mietverhältnis zu gestalten hat. Zur Zeit ist ein wenig schlechte Stimmung, da die uns gestellte Nebenkostenabrechnung schwer fehlerbehaftet ist. Trotz zeitaufwändiger Schreiben an ihn, in denen ich ihm das Mietrecht so intensiv (und so nett) erklärte, wie ich es Kindern gegenüber getan hätte, sieht er seine Fehler nicht ein.

U.a. hat er einige Nebenkosten entgegen § 556a BGB nicht nach dem Flächenanteil umgelegt, sondern nach dem Anteil der "Familien" oder so ähnlich. Was er sich dabei gedacht hat, weiß ich gar nicht so genau, aber er hat diese Kosten nicht durch die Anzahl der Wohnungen geteilt, was noch so halbwegs aus Laiensicht zu verstehen gewesen wäre. Nein, wenn eine Familie zwei(!) Wohnungen bewohnt, hat er hierfür den Faktor "1" statt "2" genommen. Ok, beides wäre falsch gewesen, aber die "1" ist dann wirklich so völlig komplett falsch.

Ein von ihm vorgeschlagenes Gespräch nahmen wir an. Ich ging davon aus, dass er mündlich durch eventuelle Nachfragen besser versteht, was er falsch gemacht hat. Mitnichten! Das Gespräch drehte sich völlig im Kreis. Dass ich nicht einfach aufrechnete, sondern mit ihm eine einvernehmliche Einigung suchte, erkannte er nicht. Er war wohl beleidigt, weil er sich nach wie vor im Recht sieht und versuchte die Nebenkosten künstlich zu erhöhen, indem er sämtliche Punkte, die ein Formularvertrag als Nebenkosten-Beispiele anführt, uns nun auch (nachträglich!) in Rechnung zu stellen drohte.

Dabei führte er auch die "Schnee- und Eisbeseitigung" an. Abgesehen davon, dass man Schneetage in Kiel an einer Hand abzählen kann, hat er selbst als Anlage 1 in den Mietvertrag aufgenommen, dass er für die "Schnee- und Eisbeseitigung" zuständig ist. Als ich ihm das mitteilte, sagte er wütend: "Dann ändern wir das eben!"

Ich werfe ihm nicht einmal vor, dass er den Grundsatz "Pacta sunt servanda" nicht kennt. Dass eine einseitige Vertragsänderung nicht möglich ist, sagt einem doch aber schon der gesunde Menschenverstand. Und doof ist er nicht, da er an der Uni unterrichtet. Er will wohl einfach nicht verstehen. Um Rückfragen vorzubeugen: Nein, er unterrichtet an keiner juristischen Fakultät.

Kommentare:

Malte S. hat gesagt…

Von einer universitären Lehrtätigkeit auf eine zumindest durchschnittliche Intelligenz zu schließen halte ich schon für sehr gewagt ;)
Vielleicht ist das aber auch einfach nur tradiertes Verhalten, das viele Vermieter ihren Mietern gegenüber an den Tag legen. Getreu dem Verwaltungsgrundsatz "Das haben wir schon immer so gemacht." Die Fehlerhaftigkeit eines solchen Verhalten darzulegen ist oft recht einfach. Die Gegenseite zu überzeugen dagegen ziemlich schwer.

Brandau hat gesagt…

was unterrichtet er denn? Lehramt? Da würden dann nämlich auch alte Vorurteile zum tragen kommen...

Desperado hat gesagt…

Nee, er unterrichtet irgendwas in den Naturwissenschaften. Aber Lehramt ist ein guter Gedanke. ;)
Super ist übrigens auch, dass er die von mir in den Schreiben (nett und höflich) erwähnten §§ aus BGB und zugehörigen Verordnungen nicht einmal googled, sondern Jura aus dem Bauch heraus macht und meine Rechtsansicht als falsch hinstellt. Das kann noch heiter werden.

Malte S. hat gesagt…

Eigenes Recht bricht sonstiges Recht. Kann das mal wer in Latein übersetzen - klingt dann viel schlauer ;)
Und würde auch in die AGBen eines bestimmten Mobilfunkanbieters passen...

Anonym hat gesagt…

Tja, gestandene Vermieter wissen schon, warum sie nicht an Juristen vermieten (außerhalb des Uni-Bereiches..). Unser Zivilrechts-Repetitor hatte da immer eine schöne Anekdote, wie man in Hamburg die guten Wohnungen findet... *g*

Man darf bei Vermietern nicht den Drang nach korrekter Rechtsregelung suchen. Vermietern gehts um Geld. Ob da nun am Ende Abwasserzeugs oder Gartenarbeit in der Rechnung steht, ist vollkommen egal. HeizKVO? Nie gehört, man legt mal nach Gefühl.


Man darf von Nichtjuristen ebend nicht so viel erwarten. Die (bekannten) Kompliziertheiten zB auch im Schönheitsreparaturenrecht oder im Betriebskostenrecht sind nunmal nicht der Selbsterkenntnis zuneigt. Daher benutzt man auch Mietverträge aus den 80ern, die schon damals strunzfalsch und unpassend waren.

Die paar Euro, die man für Rechtsberatung nutzen würde, wären wohl schnell bei dem ganzen Ärger im Nachhinein schnell wieder reingeholt.


Übrigens: In meiner NK-Abrechnung hab ich auch 4 Fehler gefunden (und nein, dass das Meßstände "geschätzt" wurden war nicht der offensichlichste Fehler). Ich sag mal 556 III 2 als Tipp... ;-)

Anonym hat gesagt…

Aber es gibt auch Rechtschreib- und Grammatik-"Regeln". Allerdings steht die Nichtbeachtung nicht unter Strafe, aber ... Tut mir leid. Der letzte Beitrag war aber auch wirklich saumäßig zu lesen und hat fast schon weh getan. Getuten getan. Auch juristisch im Übrigen.

wstell hat gesagt…

@ Malte S.: Ich versuche es mal mit meinem verkümmerten Latein, wird dann hoffentlich gleich jemand korrigieren:

"Lex sua proria derogat legi alii".

 

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