20. März 2009

Mündliche Prüfung mit unvollständigen und veralteten Gesetzestexten

Vor Kurzem hat einer unserer Hiwis sein Examen vor dem JPA beim OLG Schleswig abgelegt.
In der mündlichen Prüfung hat man ihm u.a. die Gesetzessammlung "Schönfelder" zur Verfügung gestellt.

Dumm nur, dass dort die §§ 1-200 BGB fehlten. Findig wie er ist, hat er sich zur Lösung eines Falles zum Minderjährigenrecht kurzerhand des Ergänzungsbandes bedient. Als es dann aber um Fragen der Deliktsfähigkeit Minderjähriger ging, musste er feststellen, dass die im Ergänzungsband abgedruckten Normen nur im Schwerpunktbereich "Rechtsgeschichte" von nutzen sind. Nach kurzer Konfusion erbarmte sich der Prüfer im Strafrecht, dem Prüfling seinen Gesetzestext zur Verfügung zu stellen.

Nach der Prüfung stellte sich heraus, dass bereits eine Woche zuvor diese unvollständigen Gesetzestexte gerügt wurden. Das JPA allerdings scheint das nicht wirklich interessiert zu haben.

Kommentare:

Malte S. hat gesagt…

Wundert mich nicht wirklich. Und so lange da keine Rechtsmittel geführt werden, wird wohl auch keine Änderung eintreten.

Anonym hat gesagt…

Warum hat er denn nicht seine eigenen Gesetzestexte mitgebracht? Das ist hier in Berlin und Brandenburg üblich.

Peter Sansibar hat gesagt…

In SH werden die Gesetzestexte sowohl für die Klausuren als auch die mdl. Prüfung gestellt. Vermutlich, um Manipulationsversuche an den Gesetzestexten von vornherein auszuschließen.

Malte S. hat gesagt…

Das Papier der Schönfelder und Satorien ist auch für den Otto-Normal-Studenten käuflich. Da läßt sich dann - natürlich in entsprechender Gestaltung - problemlos die eine oder andere Lösungsskizze drauf drucken und an Stelle irgendeines unnützen Gesetzes einsortieren.
Soll - so eine urban legend - auch schon vorgekommen sein.

Anonym hat gesagt…

Ich verstehe eure Aufregung nicht ganz.

Wenn ein Oberstaatsanwalt ein Strafverfahren (Lärm, Körperverletzung) mit Bezug auf einen Gesetzeskommentar von 1997 (Töngle) einstellt, dann sollte man doch auch alte Gesetze lernen - denn wer will nicht einmal Oberstaatsanwalt werden.

 

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