8. April 2009

Erste Tipps für das Referendariat im Ausland

Ich mache auf dem Weg zu meiner Auslands-Wahlstation gerade Erfahrungen, die vielleicht auch dem ein oder anderen am Ausland interessierten zukünftigen Referendar nützen könnten. Daher möchte ich sie an dieser Stelle einmal weitergeben. Die treuen Hardcore-StattAller-Leser haben es schon in unserem Twitter gesehen: Ich habe voller Freude und nach langem Kampf kürzlich die Zusage eines New Yorker Musikunternehmens erhalten. Die nächste Stufe wird das Visum sein. Sicher gibt es auch dazu in den nächsten Wochen berichtenswertes, aber zunächst einmal die bisherigen Erfahrungen.

Es sollte selbstverständlich sein, aber auch ich habe mich zu Beginn des Referendariats nicht daran gehalten und mich sehr auf ein bestimmtes Unternehmen fixiert: Streut Eure Bewerbungen! Insbesondere Unternehmen wissen gar nicht, was das Referendariat ist und reagieren oftmals einfach gar nicht, selbst wenn man gewichtige Networking-Kontakte zwischenschaltet. Habe die Bewerbungen zum Ende hin dann auf viele Unternehmen verteilt und erhielt die Zusage nun von einem Unternehmen, bei dem ich in der Bewerbung echt bei Null anfangen musste.

Wer in eine US-Kanzlei möchte, dem sei die Deutsch-Amerikanische Juristen-Vereinigung ans Herz gelegt, die gegen eine geringe Gebühr oder eine Mitgliedschaft Kontakte herstellt.

Der Lebenslauf muss für das jeweilige Land angepasst werden und sollte keinesfalls nur 1:1 übersetzt werden. Die Amis wollen z.B. nicht wissen, wann man geboren wurde und ob man verheiratet ist. Ein Foto ist ebenfalls fehl am Platz. Absolut üblich ist ein Rückwärts-Aufbau im Lebenslauf, was sich bei uns ja mittlerweile auch durchsetzt. Dabei steht aber anders als bei uns nicht die Ausbildung im Vordergrund, sondern die Erfahrungen. Jeder ausgeübten Tätigkeit könnte z.B. ein "Activities and responsibilities:" hinzugefügt werden, wobei ein paar beispielhafte Tätigkeitsbereiche aufgelistet werden. (So habe ich es zumindest gelöst.) Insgesamt empfehle ich sehr, sich für den Lebenslauf viel Zeit zu nehmen und Google zu bemühen. In den USA heißt der Lebenslauf übrigens "Résumé", in UK heißt er "Curriculum Vitae" ("CV").

Im Anschreiben (USA: "cover letter", UK: "covering letter") setzt man hinter die Anrede (zumindest in den USA) kein Komma, sondern einen Doppelpunkt.

Auch eine andere Sache funktioniert im Anschreiben ganz anders, was ich nur durch die Bewerbungsvoraussetzungen der Unternehmen auf deren websites herausfand und daher zu Anfang falsch machte: Die Unternehmen interessiert, welche beruflichen Ziele man hat und warum gerade das "internship" im angeschriebenen Unternehmen einem helfen kann, diese Ziele zu erreichen. Meiner Meinung nach sollte man diesbezüglich nicht kleckern, sondern klotzen! Das ist natürlich sehr ungewohnt, da es in Deutschland eher andersherum läuft: Hier erklärt man eher, warum man für das Unternehmen so unglaublich wichtig sei. (Was nicht bedeutet, dass das im Ausland völlig fehl am Platz ist.)

Nach einem Bewerbungsgespräch (oftmals ein "phone interview" wegen der räumlichen Distanz) ist es in den USA üblich, binnen sehr kurzer Zeit (höchstens 24 Stunden) einen "thank you letter"/"follow up letter" an den Gesprächspartner zu versenden. Man bedankt sich für das Gespräch und die investierte Zeit und preist sich noch einmal über den grünen Klee an. Auch hierzu sollte man Google bemühen.

Hilfreich für sämtlichen Schriftverkehr im Zusammenhang mit Bewerbungen ist z.B. die Jobsearch-Seite von about.com mit vielen Vorschlägen und Tipps. Generell löste ich es aber so, dass ich zunächst allein die Schreiben fertigte und dann erst nach Tipps schaute, um Verbesserungen einzubauen. Anderenfalls verhindert man Kreativität und läuft Gefahr, ein Standardschreiben anzufertigen.

Bei Vokabel-Fragen und teilweise auch Formulierungsfragen helfen leo.org und dict.cc. Letzteres kann meiner Meinung nach ein bißchen mehr punkten, aber man sollte in wichtigen Dingen vielleicht ruhig beide Seiten bemühen und sich selbst ein Bild machen.

Übrigens gibt es keine vernünftige Übersetzung für das Referendariat. Da Referendare aber eine Art Praktikum absolvieren, beließ ich es oft einfach beim "internship", erklärte aber, dass dies ein Teil des "post graduate judicial clerkship" ist. Diese Übersetzung fand ich noch am besten, weil sie zeigt, dass man schon einen Abschluss hat. Zusätzlich erklärte ich, dass es sich hierbei um ein "academic program" handelt, welches "internship experience" erfordert. Man kann die Begriffe für das Referendariat auch ein wenig mischen. Dann können die sich selbst ihren Teil denken, was man aus deren Sicht ist. Gängig unter Deutschen ist z.B. auch noch das "legal clerkship" als Übersetzung, Referendare werden von Deutschen außerdem als "junior lawyer" übersetzt.

Oft helfen bei Fragen auch die "International Center" der deutschen Unis weiter. In Kiel haben wir sowas zumindest. Hier in Kiel haben wir auch die extrem hilfreiche Amerika-Gesellschaft mit einer gut sortierten Bibliothek und hilfsbereiten Mitarbeitern. Kieler Referendare sollten diese Bibliothek als erste Amtshandlung auf dem Weg in die Wahlstations-Vorbereitung unbedingt nutzen, wenn sie in die USA möchten! Habe die Bibliothek selbst erst wenige Stunden vor der Anfrage nach einem "phone interview" entdeckt. Aber je früher, desto besser! Dort gibt es nämlich auch Literatur zu Bewerbungsgesprächen.

Meine Tipps erheben keinen Anspruch darauf, vollständig zu sein oder das Non-plus-ultra darzustellen, aber bei mir hat es letztendlich mit einer Zusage zumindest schon einmal geklappt. Die Tipps sollen vor allem auch als Inspiration für die eigenen Bemühungen dienen. Weitere Tipps und Hinweise werden über die Kommentierungsfunktion gerne entgegen genommen.

Kommentare:

Peter Sansibar hat gesagt…

Wir haben Labels? :)

Höchst interessant - vielen Dank!
Ich werde demnächst sicher auf Dich zurückkommen. ;)

studiosus juris hat gesagt…

Guter Artikel. Wenn es Schwierigkeiten bereitet, das deutsche Ref einem Ami näherzubringen, lohnt es sich vielleicht, einen Vergleich mit Kanada zu ziehen, denn ein Ami-Jurist kennt sich vielleicht noch eher etwas mit kanadischen als deutschen Gepflogenheiten aus und zudem gibt es dort auch ein Ref. Da ist man dann ein "articling student".

Viele Grüße und viel Erfolg in Übersee!

BN hat gesagt…

Meinen Glückwunsch zu der Stelle!!! Dir ist doch klar, dass die treuen Leser dann natürlich auch ausführliche Berichte zum Showbiz aus erster Hand erwarten... P.Diddy privat und so...*fg*

Dante hat gesagt…

Ein Tipp für weit Vorausplanende: Unbedingt alle Belege für die Kosten des Referendariats im Ausland aufheben. Diese dann in der Steuererklärung für das entsprechende Jahr als Werbungskosten einsetzen und unbedingt auch die extrem hohen pauschalen für die doppelte Haushaltsführung im Ausland geltend machen.

Auf diese Weise entsteht im Jahr der Wahlstation ein schöner steuerlicher Verlustvortrag, den man dann in den Folgejahren abbauen kann. Zumindest wenn man relativ zeitnah nach dem Referendariat einen guten Job bekommt, kann man so eine Menge Steuern sparen.

Ohne es durchgerechnet zu haben, gehe ich davon aus, dass ich wegen der hohen Pauschalen für die doppelte Haushaltsführung letztlich durch die Wahlstation fast soviel Steuern gespart habe, wie ich an Mehrkosten für die Wahlstation hatte.

Hans hat gesagt…

Glückwunsch! Und viel Spaß dann da.

Danke auch für den guten Artikel, der landet im Archiv, wenns bei mir dann irgendwann so weit ist ;)

Desperado hat gesagt…

@stud.iur.: Super Tipp, danke sehr! Wusste nicht, dass die Kandadier auch ein Referendariat haben.

@BN: Na, klar werde ich aus den USA ordentlich bloggen. Ob ich nun P.Diddy treffe? Mal sehen. ;)

@Dante: Auch ein genialer Tipp, vielen Dank. Werde alle Belege aufbewahren.

Anonym hat gesagt…

Danke für die positive Erwähnung der Amerika-Gesellschaft und der Bibliothek im KIZ. Ist alles rein ehrenamtlich, da freut man sich über so ein Feedback. Und natürlich alles Gute für NYC.

Desperado hat gesagt…

@anonym: Wow, das ist ehrenamtlich? Umso dankbarer können wir Kieler sein, dass es so eine Institution bei uns gibt. Wenn ich mit dem Visum irgendwo haken bleibe, werde ich sicher auch mal wieder vorbeischauen. Vielen Dank nochmals!

 

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