26. April 2009

Tipps für den DS-2019-Umgang (als Vorstufe zum J-1 Visum) bei Wahlstation in den USA

Nachdem ich vor kurzem erste Tipps für das Referendariat im Ausland gab, kann ich nun schon von ersten Visum-Erfahrungen berichten, die anderen Referendaren weiterhelfen könnten.

Und zwar ist der Antrag des Visums aufzuteilen, da es für Referendare kein B-1 Visum mehr gibt, sondern nur noch das J-1 Visum, wie schon 2007 unsere geschätzten Kollegen bei Jurabilis berichteten. Bevor man das J-1 Visum beim zuständigen US-Konsulat (für Schleswig-Holstein ist das Berlin) beantragen kann, muss man nämlich zunächst das DS-2019-Formular beantragen, was man nur bei bestimmten "Legal Sponsors" machen kann, die das US Department of State hierzu befugt hat.

Vorweg möchte ich allen (künftigen?) Referendaren Mut aussprechen. Vielleicht klingt die Beantragung des DS-2019-Formulars hier in den ersten Zeilen noch aussichtsloser als sie ist. Man kann sich durch den Papierkram durchaus durchkämpfen. Und auch die geforderten Nachweise bekommt man immer irgendwie organisiert, denke ich.

Durch den DS-2019-Antrag soll der Antragsteller zeigen, dass er es verdient hat, ein Praktikum in den USA zu absolvieren und auf jeden Fall wieder abreisen wird. Man muss ein umfangreiches Formular ausfüllen und gemeinsam mit zwei Praktikumszeugnissen (z.B. Stationszeugnisse, alternativ gehen auch Empfehlungsschreiben eines Profs), dem Nachweis über den Referendarsstatus, einer Kopie des Reisepasses, einer Einzugsermächtigung für die Kosten (hierzu sogleich), einem Motivationsschreiben(!), einem Nachweis über Englischkenntnisse und einem Nachweis über die finanzielle Absicherung in einer Datei zusenden oder ausnahmsweise faxen. Vor(!) diesem Schritt hat man übrigens bereits die Teilnahme an dem Antragsverfahren zu beantragen, was bei meinem "Legal Sponsor" durch die Einreichung zweier Lebensläufe (einen auf deutsch und einen auf englisch) sowie die Praktikumsbestätigung geschah. In dem Nachweis über die finanzielle Absicherung muss man versichern, dass man mindestens $ 1.500,- monatlich zur Verfügung hat. Dazu muss dem Antragsteller in der Wahlstation entweder ein entsprechendes Gehalt gezahlt werden (was eher selten der Fall ist) oder er besorgt sich eine Bestätigung der Bank. Am einfachsten ist es für die meisten vermutlich, die Eltern bürgen zu lassen. Dafür gibt es einen entsprechenden zu unterschreibenden Vordruck.

Ich empfehle als "Legal Sponsor" ganz ausdrücklich die German American Chamber of Commerce in New York. Dort spricht man deutsch und weiß, was ein Rechtsreferendar ist. Als eben erwähnten Nachweis für die Englischkenntnisse reicht anstelle des TOEFL-Tests gegebenenfalls ein telefonischer Englisch-Test mit einer/m Mitarbeiter/in. Der Service der GACC-NY ist unglaublich. Als ich zu Beginn meine beiden Lebensläufe hinschickte, erhielt ich nur einige Stunden später bereits alle erforderlichen Unterlagen für den weiteren Ablauf. Als ich hierzu kurze Fragen per Mail stellte, klingelte zwei Minuten später mein Handy, um die Fragen schnell telefonisch zu klären. Als ich kürzlich das 17-Seiten-PDF an meine Mitarbeiterin versandte, klingelte bereits vier Stunden später wiederum mein Handy, dass alles in Ordnung sei und nun meine Gastfirma am Zug ist. (Hierzu auch sogleich.)

So, nun zum besonders unangenehmen Teil, nämlich zu den Kosten: Das Visum ist insgesamt leider recht teuer. Das DS-2019 kostet bei der GACC (andere Anbieter sind preislich auch auf der Höhe) $ 500,-, aber da man eine Versicherung für die Zeit benötigt, die man mitbuchen kann, kommen noch einmal $ 240,- hinzu. Später im zweiten Schritt kommt noch eine sog. SEVIS-Gebühr in Höhe von $ 180,- hinzu. Da es sich hierbei im Prinzip um eine Software-Gebühr handelt, finde ich diese Kosten besonders ärgerlich. Das Konsulat berechnet dann für die Ausstellung des Visums noch einmal ca. 90 Euro.

Unter meinen letzten Auslandsartikel hat der StattAller-Leser "Dante" dankenswerterweise den Tipp gegeben, alle Belege für die Kosten des Referendariats im Ausland aufzuheben und später als Werbungskosten in der Steuererklärung einzusetzen. So kann man die Kosten langfristig gesehen vielleicht wieder ausgleichen.

Das Problem an dem DS-2019-Formular ist jedoch nicht nur der Preis, sondern auch die Tatsache, dass der "Host Company" Arbeit auferlegt wird, was manchmal laut website der GACC zu Absagen führen kann. Ich habe den Ansprechpartner in meiner Wahlstation von Beginn an vorgewarnt, dass auf ihn noch Arbeit bzgl. meines Visums zukommen wird und mich mehrfach dafür entschuldigt und mitgeteilt, wie sehr ich die Mühen zu schätzen weiß. Das ist sicherlich der beste Weg, um Überraschungen wie einer plötzlichen Absage vorzubeugen. Mein Ansprechpartner schrieb mir letztens daraufhin netterweise: "We’re happy to complete whatever paperwork is necessary." Das war schon sehr beruhigend. Der Papierkram besteht für die "Host Company" vor allem aus einem ausführlichen "Training Plan" (DS-7002-Formular) und diverser Angaben zum eigenen Unternehmen. Voraussetzung ist, dass die Host Company mindestens fünf Festangestellte hat. Wenn sie weniger als 3 Mio Dollar Jahresumsatz vorweisen kann ODER weniger als 25 Festangestellte hat, kommt außerdem noch ein Besuch der "Host Company" durch einen Mitarbeiter des "Legal Sponsors" hinzu.

Wer in eine Großkanzlei möchte, kann übrigens darauf hoffen, dass diese von dem DS-2019-Erfordernis befreit wurde. Alternativ ist es durchaus auch möglich, dass diese sich an den Kosten beteiligt. Dazu kann ich aber keine Angaben machen, da ich meine Wahlstation in einem Unternehmen absolviere.

So, ich hoffe, dass ich meinen Kollegen da draußen, die irgendwann auch ins Ausland wollen, einmal einen groben Überblick als ersten Eindruck bieten konnte und drücke ihnen die Daumen. Im Falle weiterer Fragen helfen auch die FAQs der GACC weiter. Und wenn es so weit ist, sind die Mitarbeiter der GACC in New York ebenfalls extrem hilfsbereit, wie ich schon andeutete.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hey, ich kome grad aus den Staaten und habe das gleiche Prozedere durchgemacht,alles lief bestens. mein einziges jetziges problem ist: wie sieht das zeugnis aus dass man mir ausstellen soll. mein ausbilder hat sich ziemlich knapp gehalten:-(

hast du irhgendwelche beispiele auf englisch?

danke im voraus..

Desperado hat gesagt…

Beispiele habe ich leider nicht. Ich war selbst ja noch nicht in den USA, sondern bereite das gerade alles noch vor. (In den nächsten Tagen sollte endlich das DS 2019 eintreffen, wie mir per Mail mitgeteilt wurde.)

Aber vielleicht hilft Dir bzw. Deinem US-Ausbilder das Merkblatt des KG Berlin weiter, welches extra für diese Zwecke erstellt wurde? Nutze folgenden Link für das PDF:
http://tinyurl.com/y99phjx

Ich werde das auch als Nicht-Berliner meinem Ausbilder in den USA vorlegen.

In welcher Stadt warst Du denn? Unternehmen oder Kanzlei? Branche/Rechtsgebiet?

Anonym hat gesagt…

Hallo,

ich bin jetzt wirklich genervt. Ich bin momentan dabei meine Visum-Unterlagen zusammenzutragen. Man brauch ja ein englisches Empfehlungsschreiben. Diesbezüglich habe ich meinen Ausbildungsleiter angesprochen, der daraus jetzt ein Problem macht. Jetzt will ich ihm ne Vorlage geben. Gibt es hierzu vielleicht Hilfe im Internet oder ist jemand so nett und schickt mir mal seine (natürlich alles wichtige geschwärzt) an "purplemonkey0815@googlemail.com". Ich wäre echt dankbar. Wenn ich das selbst schreibe, sind doch dann auch Grammatikifehler drin (kein Nativespeaker :(..)

Desperado hat gesagt…

Wieso benötigt man ein englisches Empfehlungsschreiben? Ich war noch nicht in Berlin beim Konsulat, aber zumindest zum Erhalt des DS-2019-Formulars (ist jetzt endlich da) benötigt man kein englisches Empfehlungsschreiben. Meines Wissens benötigt man auch in Berlin keines. Allerdings ein englisches Motivationsschreiben. Ein Beispiel findest Du auf den von mir verlinkten GACC-Seiten. Und was Du sonst so benötigst, findest Du in meinem obenstehenden Post.

Zur Grammatik: Wenn ich mir bei englischen Satz-Passagen unsicher bin, google ich diese. Wenn sie auf seriösen US-Seiten wortwörtlich zu finden sind, halte ich sie für richtig. ;)

Anonym hat gesagt…

Das ist aber seltsam. Wieso benötigst du kein Referenzschreiben.
Ich beatrage das DS-2019-Formulars bei der "German American Chamber of California". Da braucht man sowas, aber dafür kein Motivationsschreiben. Du hast dir ja die GACC als Organisation gewählt und dort steht doch auch, dass man neben einem Motivationsschreiben ein Referenzschreiben benötigt (http://www.gaccny.com/de/dienstleistungen/praktikum/j-1-visaservice/downloads-german/)?
Naja, jedenfalls muss ich das jetzt selber schreiben und dann unterschreiben lassen.

Desperado hat gesagt…

Ok, die GACC aus Kalifornien hat mit der GACCNY gar nix zu tun. Dann liegt da der Hase im Pfeffer. Da haben die mich am Telefon zu Anfang auch gleich drauf hingewiesen, weil ich über leichte Preisunterschiede erstaunt war.

Dein Link zu den Dokumenten bei der GACCNY ist leicht irreführend, weil die da einfach alle Dokumente hingehauen haben. Es war aber (zumindest in meinem Bewerbungszeitraum und ist vermutlich immer noch) so, dass das Referenzschreiben nur für Studienpraktikanten nötig ist, weil die noch keine Arbeitszeugnisse vorweisen können. Alternativ gehen auch zwei Arbeitszeugnisse. Ich habe da dann mein erstes Stationszeugnis von der StA sowie ein Arbeitszeugnis einer Musikkanzlei verwendet, weil das zu meinem Themengebiet passt. Vielleicht geht das in Kalifornien ja alternativ auch? Ok, dafür hatte ich halt den blöden Motivational Letter, wo ich auch eine Weile dran saß und mich auf Krampf über den grünen Klee loben musste. ;) (Sinngemäß: "Ich passe extrem gut in den Laden, weil ich folgende berufliche Ziele habe etc.")

Anonym hat gesagt…

Und dieses Arbeitszeugnis von der Musikkanzlei und das Stationszeugnis hast du auf deutsch eingereicht?
bei mir würde ja auch ein Stationszeugnis reichen, nur müsste ich dieses SELBST übersetzten und dann noch mal unterschreiben lassen. mir wird dabei eben nicht geholfen ;(.

Desperado hat gesagt…

Jo, die beiden Zeugnisse habe ich auf deutsch eingereicht.
Sag mal, hast Du denn der GACC in Kalifornien schon was gezahlt? Wenn Du noch die Unterlagen zusammensammelst, hast Du denen wohl noch keine Einzugsermächtigung geschickt, oder? Dann könntest Du ja gegebenenfalls noch zur GACCNY wechseln. (Das geht auch, wenn Deine Wahlstation in CA ist.) Die sprechen deutsch und nehmen daher bis auf das Motivationsschreiben, was an den amerikanischen Chef geht, alles auf deutsch an. Nur den Lebenslauf braucht man 2x, aber den brauchte man für die Bewerbungen ja ohnehin.
Falls Du bei dem anderen GACC bleibst, würde ich Dir empfehlen, das Zeugnis in ein professionelles Übersetzungsbüro zu geben. Wird schon nicht sooo teuer sein und dann ist es auf jeden Fall wasserdicht und Du kannst es von Deinem Ausbilder unterschreiben lassen.

Anonym hat gesagt…

Hallo alle miteinander,
ich bin gerade dabei meine Unterlagen für mein Visum zusammenzutragen und hänge gerade bei dem englischen Sprachnachweis. Wisst ihr welche Noten da gefordert werden bzw. wie komplex ein Telefon-Test wäre?

Besten Dank bereits im Voraus!

 

kostenloser Counter