26. Juni 2009

Berufung gegen ein falsches Urteil

Eine Referendarkollegin in meiner diese Woche gestarteten Anwaltsstation schreibt auf ihre Entwürfe ganz dick "Entwurf". Das hat einen Grund, denn sie ist ein gebranntes Kind, wie sie mir erzählte.

Und zwar spielte sich folgendes ab:
In ihrer Zivilstation bekam sie - wie üblich - die Aufgabe, ein Urteil zu entwerfen. Normalerweise werden diese Urteile dann korrigiert und wenn man einen motivierenden Ausbilder hat, dann verwendet er die korrigierte Fassung auch tatsächlich. In ihrem Fall war es so, dass der Ausbilder in den Urlaub fuhr und der (nicht gekennzeichnete) Urteilsentwurf in der Geschäftsstelle landete. Von dort wurde er dann unverändert als Urteil an die Parteien verschickt.

Der Clou: Die Referendarin entschied völlig anders als der Ausbilder es hatte tun wollen. Sie ließ die Klage voll durchgehen, er wollte die Klage abweisen. So legte die entsprechende Partei gegen das Urteil der Referendarin Berufung ein.

Der Ausbilder kam aus dem Urlaub zurück und machte alles rückgängig. Er fand die gesamte Anekdote aber so gut, dass er sie ins Zeugnis aufnahm, da es seiner Meinung nach für die Referendarin spricht, dass die in der Geschäftsstelle nicht merkten, wer das Urteil tatsächlich schrieb.

Ich weiß natürlich nicht, wie die Parteien diese Geschichte aufnahmen. Muss für die Klägerseite ja ziemlich frustrierend gewesen sein. Erst schenkt einem jemand einen Lutscher und dann wird er einem wieder weggenommen.

Kommentare:

ballmann hat gesagt…

Hat und wenn ja wer, hat denn das Urteil unterschrieben ?

Desperado hat gesagt…

Nach Details habe ich nicht gefragt, aber ich habe es mir dann selbst so zurechtgelegt, dass das Urteil von niemandem unterschrieben wurde und die Ausfertigung daher auch nicht hätte erteilt werden dürfen? Vielleicht war das sonst immer interne Praxis, die Ausfertigung schon zu verschicken, wenn der Chef im Urlaub ist, da ja eh alles immer in Ordnung ist? Oder in der Geschäftsstelle war gerade das der besonders fiese Fehler.
Wenn das Urteil nicht unterschrieben war, war nämlich nach meinen Überlegungen auch die "Rückabwicklung" am einfachsten, denn im Ergebnis wurde ja alles gerettet.

 

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