8. Juli 2009

Du Dillischäns

Wer ein Auto kauft, schaut in die dolle Werbebroschüre des Herstellers, in der selbst der Nissan Micra so fotografiert ist, dass man meint, man säße im Multivan.
Auch wer ein Unternehmen kauft, erfährt, dass das Unternehmen ganz tofte dasteht, mit einem prima Kundenstamm, ohne Sorgen und Haftungsrisiken mit pumperlgsunden Mitarbeitern, die für die Firma* durch die Hölle gehen.
So wie man sich beim Autohändler fragt, warum er nicht jedes Auto lieber selbst fährt, fragt man sich beim Unternehmen, warum es eigentlich verkauft werden soll, das Juwel.
Der Autokäufer schaut deshalb in die Autobild, in Bewertungsberichte des ADAC oder fragt seinen Nachbarn, der das gleiche Modell fährt. Das fällt dem Unternehmenskäufer schwer, deshalb legt er die erforderliche Sorgfalt an den Tag und lässt eine Due Diligence durchführen. Dann sitzen hochbezahlte Mietsklaven des Käufers, auch bekannt als unabhängige Organe der Rechtspflege, üblicherweise vor dem Bildschirm (in einem virtuellen Datenraum), seltener in einem Raum einer anderen Kanzlei (einem physischen Datenraum) und prüfen und prüfen bis Blut aus den Augen kommt. Daraus wird dann der Due Diligence Report und dem Käufer wird deutlich, dass das Unternehmen nur zwei von fünf Sternen im Euro-NCAP-Crashtest hat.** Das lässt den Käufer (ziemlich oft) zurückschrecken oder mindert den Kaufpreis.

In jedem fünften Tatort -gefühlt jeder zweite- fahren die Kommissare aufs Land, in ein verschwiegenes Dorf, in dem eine Frau getötet wurde und vor 23 Jahre schon mal eine. Alle verdächtigen den Dorf-Bekloppten, aber der ist es natürlich nicht. Kurz bevor der Bekloppte dann gelyncht werden soll und Anne Wills Kasperltheater beginnt, wird der arrogante Sohn des Großbauern festgenommen. Zwischendurch brennt noch eine Scheune. Die Kommissare quartieren sich in der Dorfgaststätte ein, mit Blick auf die zwischenzeitlich brennende Scheune.
Das entspricht meiner letzten Du Dillischäns, in deren Rahmen ich in einer Kleinstadt am Arsch der Heide unterkam um das zu kaufende Unternehmen zu prüfen und in Abgründe zu blicken.
"Auf den Auftragsformularen fehlt ein Hinweis auf die AGB. Wo sind Ihre AGB eigentlich?" "Mir habbet die AGB hänge ghebt im Eingangsbereich abbä des het koanen interessiert und dann habbet mer do dös Bild uffghängt wo dä Hä Abgeordnete dem Geschäftsführer die Hand schüddeln dud".
Verträge sind abgeschlossen zwischen dem Auftragnehmer und, laut Rubrum, "Müller AG, Franz Müller". Ist der Geschäftsführer und Inhaber Müller mitverpflichtet, bürgt, garantiert?
"Sie nehmet dös abbä sehr genau, na ja, nu is ja auch 17.00 Uhr, da machet mer hier zu, morge is a noch a Tag, da könnet Sie ja weidermache mit der Du Dillischäns."
Wenigstens hat das Kaff eine Eisdiele. Wann ist die Krise vorbei und wir sind nicht mehr für jeden Scheiß zu haben?

*Wer das als Jurist sagt, wäscht sich bitte den Mund mit Seife aus.
** Wer weiß, wofür NCAP steht, schickt seine Lösung bitte an: Redaktion Sat1-Motorwelt, Kennwort "Statt aller", Einsendeschluss ist nächsten Sonnabend.

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