2. Juli 2009

Richterbesoldung ./. Anwaltsgehalt

Ca. 10 Minuten muss man sich mit einem Richter unterhalten, bis das Gejammere über seine Besoldung anfängt. Ein R1-Studienfreund wollte nicht glauben, wieviel man in der "Freien Wirtschaft" Brutto im Jahr haben muss, um auf seinem Niveau (Selbsteinschätzung: knapp über Hartz IV) zu liegen.

StattAller rechnet nach für zwei hoffnungsfrohe Jung-Juristen, beide verheiratet mit Kind, ohne Kirchensteuer in Steuerklasse III, Anwalt gesetzlich versichert, weil noch nicht drei Jahre in der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Richterbesoldung*
Grundgehalt*: 3.515.65 Euro
Familienzuschlag: 205,01 Euro
Lohnsteuer, Soli: 500,77 Euro
Netto: 3.219,89 Euro
Private Krankenversicherung mit Pflegeversicherung**: ca. 200,00 Euro
1/12 des Weihnachtsgeldes (60% des Monatsnettos)***: 160,99 Euro
Am Ende bleiben: 3.180,88 Euro
Anwaltsgehalt
Brutto: 4.833,33 Euro
Lohnsteuer, Soli: 775,64 Euro
GKV, PflegeV, RentenVers, ALV: 885,77 Euro
Am Ende bleibt ein Nettolohn von: 3.171,92 Euro
.
Macht beim Anwalt ein Jahresbrutto von 58.000,00 Euro. Das liegt zwar unter dem Niveau mancher (nicht aller) Großkanzleien. Bei mittelgroßen und spezialisierten Kanzleien derartige Bedinungen zu finden, wird schwer oder ist -jedenfalls momentan- unmöglich.
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*Dienstalterstufe III, also Lebensalter >30.
** PKV geht nach Netto ab, Beihilfe 50%, gute Absicherung für Versicherten; Frau und Kind gesetzl. familienversichert.
*** Hier ergeben sich Rundungsdifferenzen.

Kommentare:

studiosus juris hat gesagt…

Der Beitrag vernachlässigt so manches, was sich mit Geld schwerlich aufwiegen lässt.
Ein Richter ist
-unkündbar
-unabhängig von der wirtschaftlichen Lage
-unabhängig
-muss keine Investitionen tätigen (i.S.v. Kanzlei einrichten, Buchbestände aktualisieren)
-vielleicht arbeitszeitlich besser gestellt (?)

Homer Jay hat gesagt…

Unkündbar ist mein Beispielrichter nicht, sondern in der dreijährigen Probezeit.

Investitionen muss mein Beispielanwalt nicht tätigen, weil er angestellt ist. Nur wenige Berufsanfänger gründen eine internationale Großkanzlei.

Die Arbeitszeit mag besser sein, aber damit wollte ich gar nicht erst anfangen. Dann müssen Sie auch Tinnef einpreisen wie die Klimaanlage beim Anwalt oder das eklige Linoleum im Gericht.

studiosus juris hat gesagt…

Für diese Rechnung stimmt das sicherlich, aber wie angesprochen beträgt die Probezeit nur drei Jahre. Danach ist er eben auf Lebenszeit verbeamtet, was man auch imho auch bei der plusminus-Liste für Proberichter im Hinterkopf behalten sollte.

Und -aber das ist auch nur meine persönliche Ansicht- ich finde, dass die work-life-balance (life-work-balance fände ich irgenwie auch besser) um einiges stärker zu gewichten ist wie ein Bodenbelag... ;)

Anonym hat gesagt…

Ein paar Details sind noch zu berücksichtigen bzw. nicht ganz korrekt:

- Nicht alle Jungjuristen sind verheiratet mit Kind. Für ledige, kinderlose Berufsanfänger ist der öD daher finanziell weniger attraktiv.
- Frau und Kind des Richter sind eben NICHT gesetzlich krankenversichert, sondern müssen gesondert (allerdings mit hohen Beihilfesätzen) privat versichert werden.
- Die erworbenen Absicherungen sind kaum vergleichbar. PKV bringt bessere Leistungen als GKV, wird aber vermutlich mit dem Lebensalter stärker steigen. Pensions- und Rentensystem dürften ähnlich instabil sein, wobei die Pension hier noch besser dastehen mag. Der Richter hat keine ALV.
- Durch die Absetzbarkeit der KV vom zu versteuernden Einkommen ab 2010 werden die Gehälter von Arbeitnehmern stärker steigen als die von Beamten und Richtern, so dass sich die Brutto-/Netto-Differenz bei AN und R/B stark verkleinern wird.

Anonym hat gesagt…

also. ich muss ein Vortrag in AWT über Anwälte halten. wie viel verdient ein Anwalt so ungefähr im Monat. ich hab mir versucht das hier alles durchzulesen, aber das ist zu kompliziert für mich.

 

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