30. August 2009

In Gedenken an ein paar Verkehrszeichen

Am 1.9.2009 tritt die reformierte StVO in Kraft. Es heißt Abschied nehmen von folgenden acht Verkehrszeichen, die man nur noch wenige Stunden in § 40 StVO findet:

Trost finden die Verkehrsteilnehmer in ein paar neuen Schildern. U.a. wird es ein Verkehrszeichen geben, das Inline-Skatern freie Fahrt erlaubt. Auch sinnvoll ist das neu eingeführte Sackgassen-Schild, welches deutlich macht, dass es am Ende der Sackgasse aber einen Fuß- und/oder Radweg gibt, der die Weiterreise ohne Auto ermöglicht.

27. August 2009

Der andere Arbeitsstil in den USA

Ende April berichtete ich über das Visum-Verfahren, das erforderlich ist, wenn man seine Wahlstation des Referendariats in den USA absolvieren möchte. Eine Voraussetzung zum Erhalt des DS-2019-Formulars als Vorstufe für das J1-Visum ist das DS-7002-Formular, welches von der "host company" ausgefüllt werden muss. Hierbei handelt es sich um "Training/Internship Placement Plan", der ausführliche Angaben darüber enthalten muss, was das Ziel der Ausbildung sein wird. Da dies mit Arbeit für die "host company" verbunden ist, ist dies m.E. der unangenehmste Teil an den u.a. dank September 11th geänderten Visum-Voraussetzungen. Diese Woche erhielt ich dann den Training Plan, so dass mein DS-2019-Antrag nun komplett ist. Der Plan liest sich total spannend.

Einer der Hauptgründe, warum ich die Wahlstation in den USA absolvieren möchte, ist das Kennenlernen eines anderen Arbeitsstils. In den USA ist Begeisterungsfähigkeit noch ein Plus und wird entsprechend gefördert. Als besonders empfinde ich am Training Plan aber vor allem, dass das von mir geliebte Networking zu einem Bestandteil der Ausbildung werden wird. Eines der Ziele lautet:
To gain contacts with businesses and individuals within the American music and music licensing industries.
Später in der Begründung des Plans wird es noch schöner:
The music industry is also a "relationship" business. Therefore, it is extremely helpful to generate contacts early in one's career. Such contacts are most easily acquired in the business, as opposed to academic, setting.
Hach, herrlich wird das, ich bin schon sehr aufgeregt! :)

Mutmaßliche Betrüger mit unterdrückter Rufnummer

Ich habe mir diese Woche freigenommen und komme prompt in den fragwürdigen Genuss, zu Hause unerwünschte Anrufe zu empfangen. Schon die unterdrückte Rufnummer beim Anruf vor wenigen Minuten erzeugt eine gewisse Skepsis. Als sich jemand von der Konsumenten-Soundso-Hotline am anderen Ende meldete und trotz meiner deutlichen Namensnennung "Mit wem spreche ich?" fragte, nannte ich kurz erneut meinen Namen und gab dann sofort meine Standardfloskel für diese Fälle weiter: "Ich möchte nichts bestellen, nichts abonnieren und auch nicht an Gewinnspielen teilnehmen." Das kam aber irgendwie nicht an. Stattdessen erhielt ich die Rückfrage: "Sitzen Sie gerade gut?"

Mit genervtem Unterton ließ ich Idiot mich auf dieses Spiel kurz ein. Im Ergebnis wäre ich angeblich in den letzten 100 Auslosungen irgendwelcher Gewinnspiele. Es sei nur noch die Frage, was ich gewinne, nicht mehr hingegen, ob ich was gewinne. Dabei entstünden für die letzten Auslosungen lächerliche Kosten in Höhe von € 44,- monatlich, denn es wäre ja unverschämt, wenn die Sponsoren diese Verwaltungsgebühren auch noch tragen müssten.

Jetzt wären nur noch die Daten abzugleichen, damit ich demnächst Post bekommen könne: "Ihr Vorname ist?" Ich wiederholte sehr genervt, dass ich an keinem Gewinnspiel teilnehmen werde. Schon gar nicht für einen monatlichen Betrag von € 44,-. "Ihr Nachname ist?" Ich war schon zuvor verwundert, dass die Antworten nur ungefähr auf meine Sätze passten, also fragte ich genervt: "Spreche ich mit einem Menschen oder einer Maschine?" Und schon hieß es von der anderen Seite: "Der Betrag in Höhe von € 44,- wird immer am Monatsanfang abgebucht. Das ist ok, oder?"

Ich habe dann entnervt aufgelegt, bin aber sicher, dass als nächstes noch meine Kontodaten abgefragt worden wären. Seit Anfang August dürfen Werbeanrufe nicht mehr mit unterdrückter Rufnummer erfolgen. Aber war das ein Werbeanruf? Jedenfalls sollte niemand am Telefon seine Kontodaten preisgeben, aber diese (mutmaßlichen) Betrüger werden bestimmt ein paar Erfolge verzeichnen können.

Werbung - als solche gekennzeichnet

Mandantin schickt den Zugang zum Datenraum und keinen Beratungshilfeschein. Sie bezahlt dann etliche 100.000 Euro, das sind die Kosten für unsere beliebten Due-Diligence-Reports.

Mal ehrlich: Finance-Abteilung spielt Halma, Im Real Estate nisten sich Vögel ein. Nur streitiges IP/IT und Kartell-OWi geht noch. Kann bitte bitte bitte jemand Mandate schicken? Wir würden wirklich gern wieder unsere beliebten Due-Diligence-Reports unters Volk bringen. Wer eine Transaktion hat oder doch mal wieder ein Verbriefung wünscht: Bitte melden.

22. August 2009

Skandal um gekaufte Doktortitel zieht weitere Kreise

Wie heute die Medien berichten ( http://www.rp-online.de/public/article/wirtschaft/news/748126/Schmiergelder-fuer-100-Professoren.html ), scheint der bereits teilweise an die Öffentlichkeit gelangte Skandal um gekaufte Doktortitel größere Kreise zu ziehen.

Insbesondere müssen nun endlich von den betroffenen Unis Konsequenzen gezogen werden. Den Betroffenen müssen die unredlich erlangten Titel unbedingt wieder aberkannt werden. Es scheint sich allerdings ein weiteres mal zu zeigen, dass innerhalb der Fakultäten keine wirkliche Kontrolle herrscht.

Rechtsvergleichend mit den USA: Schlussfloskel in Anwaltsschreiben

Es gibt einen Satz, der mir in den Akten meiner Gerichtsstation als Schlussfloskel öfter auffiel. Insbesondere in eigentlich nicht soooo überzeugenden Schreiben stand dann am Ende:
"Einer Klage sehen wir gelassen entgegen."
Dieser Satz wurde sogar im Einführungslehrgang der Anwaltsstation von einem Anwalt entnervt aufgegriffen und wir wurden darum gebeten, so einen Quatsch nicht zu schreiben.

In meiner Anwaltsstation ist mir nun ein ähnlich phänomenaler Satz über den Weg gelaufen. Mag sein, dass der Satz sogar ein Einzelfall ist, aber ein Anwalt aus den USA benutzte jedenfalls folgende Schlussfloskel:
"I look forward to reading your response or, if you want, seeing you in court."
Die Formulierung finde ich auf jeden Fall stilvoller, aber genau so überflüssig.

17. August 2009

Der Inbegriff der Hauptverhandlung / Einfalt

Am Wochende befreundeten Richter getroffen:
Der Vorsitzende der Großen Strafkammer, der er angehört, wollte ein größeres Verfahren terminieren, bei dem wegen Konfliktverteidigern und einer möglichen Erkrankung eines Richters ein Ergänzungsrichter mit an Bord sein sollte. Der Vositzende fragte den Präsidenten und den Vorsitzenden der "Verleihkammer", ob dies in Ordnung gehe. Der Präsident, ein ausgewiesener Zivilrechtler, sah das recht entspannt. Er habe den potentiellen Bedarf notiert und werde einen Ergänzungsrichter schicken, sobald ein Richter erfolgreich abgelehnt oder erkrankt sei, erklärte er.

13. August 2009

Hochschlafen undercover: Von Puten und Kühen

Natürlich kann man sich -wie in einer Behörde- auch in jeder anständigen Großkanzlei hochschlafen. Nachdem ich aber einen kompletten Abend (kostete mich minimum 3 billable hours) mit Tränentrocknen bei einer demnächst alleingelassenen und arbeitslosen Associate-Kollegin verbringen musste, hier die goldene Regel:
Schlafen Sie sich nur undercover hoch, die Ehefrau darf es niemals mitbekommen.

Vor etwa einem Jahr wurde die hoffnungsfrohe Associate durch irgendeine Nichtigkeit (Papier in gut sitzender Hose aufgehoben / korrekt über den Schreibtisch gebeugt) von ihrem Traumprinzen, einem verheirateten Partner entdeckt. Nach einigem Techtel und reichlich Mechtel entschied man sich, gemeinsam zu urlauben und zog sogar in eine gemeinsame Wohnung, in der Fräulein Associate wohnen durfte und die man gemeinsam in waagerechter Körperhaltung nutzte. Herr Partner versprach in dieser langen Zeit, sich von seiner Ehefrau und Mutter seiner zahlreichen Kinder zu trennen und besuchte zu diesem Zweck sogar einen "Coach", der bis Mitte des letzten Jahrhunderts wohl als "Idiotenarzt" firmiert hätte.

Stabilisierende Faktoren für eine Ehe sind:
  1. Haus
  2. Kinder
  3. Eigentum
  4. Soziale und finanzielle Abhängigkeit eines Partners, meist der Frau

Führt man sich nun vor Augen, dass Großkanzleipartner im Schnitt ein Wohn- und ein Ferienhaus eignen, um die 7-8 Kinder haben, es an sonstigem Eigentum auch nicht fehlt und oft Damen aus der Kategorie Is-nix-hat-nix-kann-nix-wird-nix-ohne-ihren-Mann geehelicht haben, ist das Ende vom Lied auch schnell gesungen. Die Ehefrau besteht übrigens darauf, dass "die Pute" (Fachausdruck für die Neue) die Kanzlei verlässt. Deshalb hier noch einmal:

Genießen Sie die Zeit und nutzen Sie schamlos alle Vorteile. Erwarten Sie niemals, dass er "die Kuh" (Fachausdruck für die Alte) verlässt.

11. August 2009

Erfahrungen mit dem Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH)

Beim Lesen anderenorts bekommt man durchaus den Eindruck, der Untergang des Abendlandes gehe mit dem Dipl.-Wirtschaftsjuristen und dem Bachelor für den ehrwürdigen Juristenstand unmittelbar einher. Fairerweise sei aber ergänzt, dass es in der Regel die -vermutlich überwiegend unexaminierte- Leserschaft von Jurabilis ist, die sich an dem ergötzt, was sie einmal sein könnte und die bei jeder anderen Ausbildungsform angezickt hysterisch reagiert. Homer möchte daher seine bescheidenen Erfahrungen mit den Nicht-voll-aber-ein-bisschen-Juristen beisteuern.
Marketing
Bisher wurden in den Marketing-Abteilungen der Großbuden hauptsächlich FH-BWL-Tanten eingesetzt. Hatte optisch was für sich, aber die bunten Blättchen, in denen Mandanten und Bewerber lesen konnten, warum wir den längsten haben, waren zum Teil sub omnibus canonibus. Mittlerweile haben wir dort einen Dipl-Wirtschaftsjuristen sitzen, der nicht nur ordentliche Broschürchen machen kann, sondern auch bei einem Pitch Vorlagen erstellt, für die es juristischer Basiskenntnisse bedarf.
Markenverwaltung
Die Truppe in der Markenverwaltung ist bunt gemischt, von der studierten und promovierten Anglistin über die abgebrochene Jura-Studentin bis eben hin zur Dipl-Wirtschaftsjuristin. Wenn es kompliziert wird, fragen die den Associate, der es auch nicht weiß, aber teilweise eine Antwort gibt, weil er versichert ist. Manchmal fragt er lieber den Partner, der es ebenfalls nicht weiß, aber dies nicht zugeben mag und sofort eine Antwort gibt.

Due Diligence
Im M&A-Bereich arbeiten wir seit längerem mit Wirtschaftsjuristen, die vorsortieren, was sich im Datenraum befindet, vorschlagen, was davon ausgedruckt oder am Bildschirm gelesen werden muss und Teile des DD-Reports entwerfen.

Mittelständische Kanzleien
Einfache Schriftsätze, insbesondere im Forderungsinkasso, werden dort oft von den Renos selbst gefertigt, den Fristenkalender und die Vorarbeiten für Notarurkunden fertigt der Bürovorsteher. Wüsste nicht, warum das nicht auch ein Wirtschaftsjurist machen sollte.

Alles in allem: Bedarf an Wirtschaftsjuristen, Bachelor etc gab es und gibt es, Volljuristen ersetzen sie allenfalls in Randbereichen.

7. August 2009

Markendorf

Ich habe auf einem Wochenendausflug zu dem etwas ländlicheren Wohnsitz von Freunden den idealen Wohnort (oder Geschäftssitz) für unseren markenrechtlich spezialisierten StattAller-Kollegen Brandmeister gefunden:


Auf dem Briefkopf einer Markenrechtskanzlei würde sich dieser Ort schon ganz gut machen, denke ich.
Der Ort ist übrigens in der Nähe von Minden, wie man hier sehen kann.

6. August 2009

Soll ich promovieren?

Nach meiner Erhebung schreiben 90% der Großbudenreferendare "nebenbei" noch an einer Dissertation, die "so gut wie fast fertig" ist, nötig sind "praktisch" nur noch das Inhaltsverzeichnis und zwei, drei Fußnoten müssen nachgeguckt werden. Man fragt sich bei den Erzählungen immer, warum das Werk immer noch nicht auf der Spiegel-Bestseller-Liste steht. Deshalb möchte Dr. Homer Jay das, was er öfter von diesen Referendaren gefragt wird, als FAQ-list, was mal ein cooler Titel für blöde Ratgeber-Seiten war, auflisten:
1. Brauch ich den Titel fürs Berufsleben?
Nach meiner Erfahrung eher nicht. Im öffentlichen Dienst wohl ohnehin nicht, im Anwaltsleben kommt er vielleicht gut, wenn man Familien-, Verkehrs- und Strafrecht macht. In der Großbude ist er nicht hinderlich, aber interessiert die Mandanten nicht besonders. Anderer Ansicht ist da Frau Dr. Jay, die gegenüber ihren Mandanten immer ein besseres Standing hatte als unpromovierte junge Kolleginnen.
2. Sollte ich im Vorstellungsgespräch rumjammern, warum die Diss nicht vorangeht?
Unbedingt, das interessiert uns brennend. Wenn der Titel eines tatsächlich zeigt, ist das Durchhaltevermögen. Geschichten von miesen, miesen Doktorvätern, schlecht vorgegebenen Themen, kurz vor der endgültigen Abgabe der Diss verschiedenen Großtanten und dem eigenen Beinahe-Tod zwischendurch ("echt schlimmer Schnupfen, heavy") will ich nicht mehr hören. Mit Ausreden ist es wie mit dem Poloch: Jeder hat eins und die meisten stinken.
3. Wenn ich den Titel unbedingt will (fürs Türschild, für Papa, fürs Ego), worin sollte ich dann promovieren?
Rechtsgeschichliche Biographie. Die Vorteile liegen auf der Hand: Anfang, Hauptteil und Schluss sind vorgegeben ("Karl Schlaimer wurde am 14.06.1884 als drittes Kind des Gutshofsbesitzers...Im August 1924 wurde er zum damals jüngsten Richter am Reichsgericht berufen...Er verschied 1960 unerwartet in Bielefeld"). Klarer Vorteil: Den Käse kann keiner nachprüfen, ohne sich im Archiv eine Staublunge zu holen. Nachteil: Eigene Staublunge.
 

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