11. August 2009

Erfahrungen mit dem Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH)

Beim Lesen anderenorts bekommt man durchaus den Eindruck, der Untergang des Abendlandes gehe mit dem Dipl.-Wirtschaftsjuristen und dem Bachelor für den ehrwürdigen Juristenstand unmittelbar einher. Fairerweise sei aber ergänzt, dass es in der Regel die -vermutlich überwiegend unexaminierte- Leserschaft von Jurabilis ist, die sich an dem ergötzt, was sie einmal sein könnte und die bei jeder anderen Ausbildungsform angezickt hysterisch reagiert. Homer möchte daher seine bescheidenen Erfahrungen mit den Nicht-voll-aber-ein-bisschen-Juristen beisteuern.
Marketing
Bisher wurden in den Marketing-Abteilungen der Großbuden hauptsächlich FH-BWL-Tanten eingesetzt. Hatte optisch was für sich, aber die bunten Blättchen, in denen Mandanten und Bewerber lesen konnten, warum wir den längsten haben, waren zum Teil sub omnibus canonibus. Mittlerweile haben wir dort einen Dipl-Wirtschaftsjuristen sitzen, der nicht nur ordentliche Broschürchen machen kann, sondern auch bei einem Pitch Vorlagen erstellt, für die es juristischer Basiskenntnisse bedarf.
Markenverwaltung
Die Truppe in der Markenverwaltung ist bunt gemischt, von der studierten und promovierten Anglistin über die abgebrochene Jura-Studentin bis eben hin zur Dipl-Wirtschaftsjuristin. Wenn es kompliziert wird, fragen die den Associate, der es auch nicht weiß, aber teilweise eine Antwort gibt, weil er versichert ist. Manchmal fragt er lieber den Partner, der es ebenfalls nicht weiß, aber dies nicht zugeben mag und sofort eine Antwort gibt.

Due Diligence
Im M&A-Bereich arbeiten wir seit längerem mit Wirtschaftsjuristen, die vorsortieren, was sich im Datenraum befindet, vorschlagen, was davon ausgedruckt oder am Bildschirm gelesen werden muss und Teile des DD-Reports entwerfen.

Mittelständische Kanzleien
Einfache Schriftsätze, insbesondere im Forderungsinkasso, werden dort oft von den Renos selbst gefertigt, den Fristenkalender und die Vorarbeiten für Notarurkunden fertigt der Bürovorsteher. Wüsste nicht, warum das nicht auch ein Wirtschaftsjurist machen sollte.

Alles in allem: Bedarf an Wirtschaftsjuristen, Bachelor etc gab es und gibt es, Volljuristen ersetzen sie allenfalls in Randbereichen.

Kommentare:

studiosus juris hat gesagt…

"Im M&A-Bereich arbeiten wir seit längerem mit Wirtschaftsjuristen, die vorsortieren, was sich im Datenraum befindet,"

=> Und was der LL.B. bei der Vorsortierung durchs Raster fallen lässt, bekommen die Volljuristen dann gar nie zu gesicht oder wie? Dann macht man mit dem LL.B.'ler ja den Vorsortierer zum Hauptlenker der DD?

studiosus juris hat gesagt…

Oh sorry, da hab ich mir wohl aus "befindet" selbst ein "befinden soll" gebastelt...
Kommentar also hinfällig ;)

dk hat gesagt…

"Einfache Schriftsätze, insbesondere im Forderungsinkasso, werden dort oft von den Renos selbst gefertigt, den Fristenkalender und die Vorarbeiten für Notarurkunden fertigt der Bürovorsteher. Wüsste nicht, warum das nicht auch ein Wirtschaftsjurist machen sollte."

Im Zweifel will der FHler mehr Geld.

 

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