13. August 2009

Hochschlafen undercover: Von Puten und Kühen

Natürlich kann man sich -wie in einer Behörde- auch in jeder anständigen Großkanzlei hochschlafen. Nachdem ich aber einen kompletten Abend (kostete mich minimum 3 billable hours) mit Tränentrocknen bei einer demnächst alleingelassenen und arbeitslosen Associate-Kollegin verbringen musste, hier die goldene Regel:
Schlafen Sie sich nur undercover hoch, die Ehefrau darf es niemals mitbekommen.

Vor etwa einem Jahr wurde die hoffnungsfrohe Associate durch irgendeine Nichtigkeit (Papier in gut sitzender Hose aufgehoben / korrekt über den Schreibtisch gebeugt) von ihrem Traumprinzen, einem verheirateten Partner entdeckt. Nach einigem Techtel und reichlich Mechtel entschied man sich, gemeinsam zu urlauben und zog sogar in eine gemeinsame Wohnung, in der Fräulein Associate wohnen durfte und die man gemeinsam in waagerechter Körperhaltung nutzte. Herr Partner versprach in dieser langen Zeit, sich von seiner Ehefrau und Mutter seiner zahlreichen Kinder zu trennen und besuchte zu diesem Zweck sogar einen "Coach", der bis Mitte des letzten Jahrhunderts wohl als "Idiotenarzt" firmiert hätte.

Stabilisierende Faktoren für eine Ehe sind:
  1. Haus
  2. Kinder
  3. Eigentum
  4. Soziale und finanzielle Abhängigkeit eines Partners, meist der Frau

Führt man sich nun vor Augen, dass Großkanzleipartner im Schnitt ein Wohn- und ein Ferienhaus eignen, um die 7-8 Kinder haben, es an sonstigem Eigentum auch nicht fehlt und oft Damen aus der Kategorie Is-nix-hat-nix-kann-nix-wird-nix-ohne-ihren-Mann geehelicht haben, ist das Ende vom Lied auch schnell gesungen. Die Ehefrau besteht übrigens darauf, dass "die Pute" (Fachausdruck für die Neue) die Kanzlei verlässt. Deshalb hier noch einmal:

Genießen Sie die Zeit und nutzen Sie schamlos alle Vorteile. Erwarten Sie niemals, dass er "die Kuh" (Fachausdruck für die Alte) verlässt.

Kommentare:

Sabine K. hat gesagt…

Die Frau, die Sie einen Abend lang ins Vertrauen gezogen hat, wird diese Darstellung ihrer Person als Freizeit-Prostituierte ("hochschlafen") sicher sehr zu schätzen wissen.

studiosus juris hat gesagt…

Ist doch anonym!?

Außerdem weiß ich den subtilen Großbuden-Sexismus von Homer Jay sehr zu schätzen. Weiter so!

Anonym hat gesagt…

@Sabine K.: Was ist es denn sonst? Wer glaubt, dass der Chef sich tatsächlich in eine junge Angestellte verliebt und für sie alles aufgibt, der hält Pretty Woman für eine Doku und Aschenputtel für eine wahre Geschichte.
Willkommen im realen Leben.

ninakatarina hat gesagt…

@Sabine K. Sie wurde doch gerade nicht als Freizeitprostituierte dargestellt. Schließlich legt gerade das "Hochschlafen" eine professionelle Umgebung nahe ;)

Lionel Hutz hat gesagt…

Hm, wie heißt nochmal der schöne Spruch:

I owe all my success to my first wife. And I owe my second wife to all my success!

Das trophy wife wird man aber meist nicht aus dem Kreis von Associates rekrutieren, schließlich sind da andere Qualitäten als zweimal vb gefragt ...

Sabine K. hat gesagt…

Blogbeitrag + Kommentare bemühen sich wirklich redlich, alle negativen Vorurteile zu bestätigen, die der Rest der Welt so über Jurastudenten zu haben pflegt.

Homer Jay hat gesagt…

Frau K., Sie gehen zu weit. Wenn Sie mich für sex-, material- und noch ganz anders -istisch halten und so darstellen: Bitte, geschenkt.

Aber mich nach zwei durchlittenen (vb-)Staatsexamina und Promotion als Student darzustellen, das geht entschieden zu weit.

Bitte teilen Sie mit, ob Sie satisfaktionfähig sind. Falls ja, Sonntag, 12.00 Uhr am alten Kirchturm. Sie wählen die Waffen.

DD hat gesagt…

Es fällt etwas schwer hier die Entrüstung von meiner Vorkommentatorin nachzuvollziehen. So wird hier sicherlich einiges an Häme über der bedauernswerten Kollegin vergossen, aber da liegt der springende Punkt: es ist eine Kollegin. Hier wurde keiner kleinen Tipse schöne Augen gemacht und die Welt versprochen, hier ist eine knallharte Grossbuden-Associatess in die Emo-Falle getappt, welche es - mit Verlaub - besser hätte wissen müssen. Das ist als wenn ein Arzt sich einen Tripper einfängt oder wegen Rauchens Lungenkrebs bekommt und die gleichermaßen vorgebildete Standschaft sich des offensichtlichen Risikos entzogen hat.

Überhaupt, wo ist der gleichermaßen (un)berechtigte Aufschrei, dass sich eine jüngere straffere Dame an einen verheirateten bekinderten Mann ranschmeißt, respektive es zulässt sich aufreissen zu lassen. Denkt denn keiner an die Kinder!

Ähem.

Jedenfalls ist die Dame mit Anlauf vor die Wand geflitzt, was sicherlich bedauerlich ist, aber eine der unausweichlichen Lehren darstellt, wenn gewisse charakterliche Entwicklungen noch nicht mit der Examensnote Schritt gehalten haben.

Bevor jetzt die Kaltherzigkeit des durchschnittlichen Juristen - wohl nicht ganz zu Unrecht - beschrien wird: der verfassende Kollege hat immerhin mehrere Stunden Händchen gehalten und übers Haar gestrichen. Bei seinem zu unterstellenden Stundensatz eine gehaltvolle Hingabe. Die darauf hier folgende Aufarbeitung geht dann wohl auch eher in Richtung public service announcement und dürfte damit weitgehend unbedenklich sein.

Homer Jay hat gesagt…

Lieber DD,
mir ist ganz warm ums Herz. Besten Dank für den Beitrag. In der Tat: Carpe Diem zeigt in der Projektion 88% Wochenperformance. Ich fummel dann mal lieber weiter am DD-Report, statt hier meine Zeit zu verbringen.

Und Frau K., jaaaaaaaaa - sie haben ja recht. Wir sind nicht immer nett. Aber is es denn außerhalb der Großbuden besser? Sind Mediziner weniger zynisch? Sind Manger netter? Sehen se. Schönes Wochenende. Das mit dem Kirchplatz lassen wir dann mal auch.

Lionel Hutz hat gesagt…

@Sabine K.: Wenn das mit den Kommentaren mir galt - ich habe auch zwei Staatsexamina (vb), als Student war ich noch netter und demütiger.

@Homer Jay: Weiter so! Ihre sind die lesenswertesten Beiträge dieses Blogs!

rozzenplozz hat gesagt…

Das vb-Geprotze wirkt zumindest auf unsereinen lächerlich, der kürzlich knapp an der 14-Punkte-Hürde gescheitert ist.

Peter Sansibar hat gesagt…

Im Leistungskurs Gemeinschaftskunde?
Ärgerlich. Aber beim nächsten Mal klappt's bestimmt!

Lionel Hutz hat gesagt…

@rozzenplozz: Ehrlicher Glückwunsch zur Zugehörigkeit zu einer noch kleineren Minderheit! Treffen die negativen Vorurteile da eher mehr oder weniger zu?

Bedenker hat gesagt…

Einen Aspekt möchte ich noch beleuchten:

Der werte Homer Jay scheint der Typ zu sein, bei dem sich die Frauen gerne ausheulen ... den "Stich" - um es mal in der Skat-Terminologie auszudrücken - hat ein anderer bekommen ... dafür zunächst mal: Herzlichen Glückwunsch!

Ich würde gerne wissen, ob der denn in den 3 "billable" Stunden denn auch so kaltschnäuzig und zynisch mit der jungen Kollegin geredet hat, oder ob er sich nett und verständnisvoll gegeben hat ...

in welcher Hoffnung auch immer ...

Neric hat gesagt…

Göttlich, einfach nur göttlich, selbst die Kommentare. Wie konnte es passieren, dass dieser Blog eingestellt wurde?

 

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