21. November 2010

Kirchenfinanzierung: Deutliche Worte des Landesrechnungshofs SH

Als Beitrag zur aktuellen Kirchenfinanzierungsdebatte sei auf Nr. 3.2.2 des Ergebnisberichts des Landesrechnungshofs Schleswig-Holstein vom 16. Februar 2010 (LT-Drucks. 16/994) hingeweisen.

Dort heißt es u.a.:

[...]

Das Land zahlt Zuschüsse von mehr als 11 Mio. € pro Jahr an Kirchen und kirchliche Organisationen. Davon entfallen 98 % auf die Nordelbische Kirche (NEK). Grundlage für die Zuschüsse an die NEK ist der Schleswig-Holsteinische Kirchenvertrag (SHKV) von 1957. Nach dem SHKV sind die Staatsleistungen dynamisiert: Sie entwickeln sich parallel zur Beamtenbesoldung des Landes. Gewährt werden die Mittel für die Kirchenverwaltung, Pfarrbesoldung und -versorgung sowie die Bauunterhaltung, nicht für karitative und kulturelle Leistungen der Kirchen.

Der SHKV enthält keine Anpassungs- oder Kündigungsklausel. Meinungsunterschiede zwischen den Vertragspartnern sind auf freundschaftliche Weise zu beseitigen (Art. 28 SHKV). Diese „Freundschaftsklausel“ wirkt wie eine Garantie mit Ewigkeitswert.

Seit 1957 ist der SHKV nicht an grundlegend veränderte Verhältnisse angepasst worden. Dazu gehören die Errichtung der NEK, die rückläufige Bindung der Bevölkerung an die Kirchen und die desolate Haushaltslage des Landes. Auch Staatsleistungen an die Kirchen müssen zur Haushaltskonsolidierung des Landes beitragen. Der LRH hat deshalb 2007 empfohlen, den SHKV anzupassen.

[...]

Im Übrigen erinnert der LRH an die seit 1919 bestehende Pflicht des Landes, die Staatsleistungen abzulösen. Darunter versteht man, eine Zahlungspflicht gegen Entschädigung zu beenden. Der Verfassungsauftrag an den Bund, die dafür erforderlichen Grundsätze zu erlassen, ist auch 60 Jahre nach Inkrafttreten des Grundgesetzes nicht erfüllt.

1. September 2010

Moral im Test

Vielleicht findet der ein oder andere Strafrechtler dieses Web-Fundstück interessant. Die geschilderten Fälle scheinen jedenfalls einem StrafR-AT-Lehrbuch entsprungen zu sein...

Der Moralempfindungstest ist eine web-basierte Untersuchung über die Beschaffenheit des menschlichen Moralurteils. Wie entscheiden Menschen was richtig und was falsch ist? Um diese Frage zu beantworten, haben wir eine Reihe von moralischen Dilemmata konstruiert um die psychologischen Mechanismen von Moralurteilen zu untersuchen. Indem wir diese Dilemmata über das Web präsentieren, hoffen wir die Ähnlichkeiten und Unterschiede in Moralurteilen von Personen verschiedenen Alters, verschiedener Kulturen, verschiedener Bildungsgrade, verschiedener Religionen, in verschiedenen Berufen und verschiedenen Lebensumständen zu verstehen. Die Teilnahme an dieser Untersuchung ist einfach, schnell und anonym. Klicken Sie bitte auf eine der Tasten weiter oben, um weitere Informationen über unseren Moralempfindungstest zu erhalten und um an ihm teilzunehmen.

12. August 2010

Verbesserung des Service für Mandanten

Über den Blog von Tom Kane stieß ich auf den Artikel "10 Ways to Improve Law Firm Client Service" der ehemaligen Morgan Lewis Rechtsanwältin Stacy West Clark. Diese Liste verdient es, im Netz weitergereicht zu werden, denn ich kann so ziemlich alles, was sie schreibt, schon allein auf Grund meiner Referendariatsstationen und Praktika nachvollziehen und könnte jeden Punkt mit Anekdoten ausfüttern.

Schon der Beginn ihres Artikels trifft ins Schwarze. Sie schreibt dort, dass man in den Kanzleien oftmals ziemlich überzeugt davon ist, einen bemerkenswerten Service anzubieten. Wenn man dann aber die Mandanten um eine Schulnote bittet, gibt es für die Dienstleistung allenfalls eine 3 bis 4. Die Wahrnehmung beider Seiten unterscheidet sich stark. Meiner Erfahrung nach fängt das Problem schon damit an, dass viele Mandanten ihren Anwalt telefonisch schwer erreichen und nicht umgehend einen Rückruf erhalten, wenn die Sekretärin sich den Namen notierte. Zudem ist es für die Mandantin nicht immer einfach, der Sekretärin (die in diesen Fällen ganz offensichtlich eine Filterfunktion übernimmt) zu erklären, wer man sei, falls man denn nicht sehr regelmäßig anruft. Es gibt in unserer nördlichen Region eine mir bekannte Kanzlei, in der man bei jedem Anruf direkt den gewünschten Anwalt am Telefon hat. Diese Kanzlei sprießt und gedeiht.

Wie Stacy schreibt, kann man viele Probleme natürlich dadurch aufdecken und lösen, dass man die Mandanten befragt. Ebenfalls sehr einfach ist aber ihr Punkt 2: Frag alle auf der Gehaltsliste! Das würde ich sogar auf unbezahlte Praktikanten und Referendare ausweiten. Man wird mit der Zeit betriebsblind und ein Blick von außen kann durchaus ein interessantes Bild widerspiegeln. Ich habe bei jeder meiner Tätigkeiten eine Liste in meinem Hinterkopf anfertigen können, was ich später anders machen würde.

Ohne jetzt auf jeden Punkt einzeln einzugehen, fände ich noch die Punkte 6 und 8 erwähnenswert. Klar soll man nur Leute einstellen, die den Service auch bieten können, man sollte das ihnen gegenüber aber auch mal lobend erwähnen. Das ist etwas, was gerade in Kanzleien vergessen wird: Die Motivation der Mitarbeiter ist stärker, wenn deren Arbeit anerkannt wird. Genau wie bei Komplimenten gegenüber Frauen sollte das Lob aber authentisch sein, sonst ist es nichts wert. Sprich: Nur lobenswertes sollte erwähnt werden. Finden lässt sich - ebenfalls wie bei Komplimenten gegenüber Frauen - sicher fast immer etwas.

9. August 2010

Bewerberauswahl oder Miss-Wahl?

In meinem letzten Post zu Bewerbungen wurde von Kommentatoren kurz diskutiert, welchen Nutzen Bewerberfotos haben. Dazu fällt mir eine in einem Bewerbungsseminar des Arbeitsamts erzählte Anekdote ein. Ein Bewerber erzählte, dass er seine Bewerbungsunterlagen einmal mit falschem Foto zurück erhalten habe. Die Recherche ergab: Die Fotos aller eingesandten Bewerbungsunterlagen wurden entfernt und an einer Pinnwand befestigt. Die zukünftigen Kollegen schauten sich dann alle Fotos an und wählten in einer Vorauswahl, wen sie sich denn als Kollegen unter den Bewerbern vorstellen könnten. Der Dozent des Seminars meinte sogar, dass dies kein Einzelfall sei und empfahl uns daher, die Fotos in ablösbarer Form zu befestigen: "Sein Sie bei der Miss-Wahl dabei! Drucken Sie die Fotos nicht direkt auf das Papier!"

Also, ich fand das schon etwas befremdlich, muss ich sagen. Grundsätzlich finde ich Extreme bei der Bewerberauswahl verkehrt. In der Vorauswahl nur nach den Noten zu schauen anstatt nach dem Gesamtbild ist schon nicht der optimale Weg, aber nur nach dem Foto zu schauen ist sicher die denkbar schlechteste Form der Bewerberauswahl.

Dazu muss ich aus meinen Erfahrungen aus den USA berichten, dass die Amerikaner es total schräg finden, sich mit einem Foto zu bewerben. Während meiner Zeit dort hatte sich eine (amerikanische) Praktikantin mit Foto beworben. Sie war recht hübsch und versprach sich daher evtl. einen Vorteil, so war jedenfalls die einhellige Meinung! Alle sprachen über "die Bewerbung mit dem Foto". Da sie auf dem Foto aussah wie die Laura Palmer aus der Serie Twin Peaks auf dem Foto im DVD-Menü der Serie, hieß sie nur "the Twin Peaks girl". Als ich meinen US-Kollegen erklärte, dass man sich in Deutschland übrigens immer mit Foto bewirbt und ich mich bei ihnen nur deswegen ohne Foto beworben habe, weil ich vorher recherchierte, wie man sich in den USA bewirbt, waren die echt erstaunt. "Ja, aber...äh...wirklich? Das geht doch nicht? Da lässt man sich doch evtl. von einem Foto leiten?" Ja, mag sein, ist aber so.

4. August 2010

Lächeln als Jurist

Ich beschäftige mich in letzter Zeit sehr mit Bewerbungen. In diesem Zusammenhang habe ich am heutigen Morgen ein Buch gelesen, welches jede Menge (tatsächlich versandte) Beispielbewerbungen enthält, die dann immer direkt im Anschluss rezensiert werden. Dieses Buch enthält auch die Bewerbung einer 1968 geborenen Juristin (das Wort "Jurist" in meiner Überschrift ist geschlechtsneutral gemeint), die im Großen und Ganzen gut weggekommen ist. Kritisiert wird allerdings eine Kleinigkeit auf ihrem Foto:
"Vielleicht sollte die Kandidatin etwas mehr lächeln, aber wer weiß, bei diesem Berufsstand reicht ja vielleicht diese milde Form schon aus."
Prima, wir Juristen kommen wieder als Spaßbremsen weg. In einem Seminar vom Arbeitsamt für Hochschulabsolventen wurde uns kürzlich aber tatsächlich erzählt, dass das (schon aus den USA von jedem Foto bekannte) "Zähne-zeigen" beim Lächeln nicht für jede Bewerbung funktioniert, da immer Seriösität verloren geht. Das sehe ich zwar nicht ganz so, aber ehrlich gesagt liegt mir das gestellte "Zähne-zeigen" ohnehin nicht.

Auf eine andere Sache wird auch noch hingewiesen: Man sollte nicht alle je erhaltenen Zeugnisse präsentieren, 15 Stück (wie im Beispiel) seien fast zu viel.
Nun haben wir Juristen aber meiner Meinung nach das "Problem", dass wir alleine durch das Referendariat schon mindestens fünf Arbeitszeugnisse vorweisen können. Dazu noch Zeugnisse für Staatsexamina und Abitur. Da ist man ohne Promotion und weitere Arbeitszeugnisse (Nebenjobs, Praktika etc.) allein schon bei acht Zeugnissen. Und im oben erwähnten Seminar des Arbeitsamtes wurde kürzlich erzählt, alles im Lebenslauf stehende müsse durch beigefügte Unterlagen belegt werden.
Im Übrigen fände ich es als Arbeitgeber auch sehr verdächtig, wenn nur ausgewählte Stationszeugnisse beigefügt werden würden. Auch wenn ich kein Richter werden möchte, sieht doch der Verzicht auf mein Zeugnis der Zivilstation beispielsweise nach Verheimlichung aus, oder nicht?

Haben wir hier "alte Hasen" oder sogar Personaler zur Erweiterung des Meinungsbildes unter unseren Lesern?

21. Juli 2010

Repetitor mit Pausetaste - „Lecturio“ im Test

Lecturio Law“ bietet aufbereitete Videostreams von Kursen eines juristischen Repetitoriums aus Frankfurt am Main an. StattAller hat man einen Test-Account freigeschaltet. Hier mein Testbericht. Weil ich bald mein Zweites Examen mache, habe ich mich auf die Assessorkurse konzentriert.


I. Generelles
Ein Repetitor mit Pausetaste – das kannte ich bisher nicht. Wer beim Besuch eines „normalen" Repetitoriums etwas nicht auf Anhieb versteht oder eine Erklärung hinterfragen will, muss sich entweder melden oder schnell Notizen machen und zu Hause nachlesen. Ersteres unterbricht den Gedankengang und kostet die übrigen Kursteilnehmer Zeit. Die zweite Möglichkeit ist ebenso misslich, denn zu Hause ist vieles nicht mehr nachvollziehbar und in den Zusammenhang einzuordnen. Bei Lecturio hat man dagegen die Möglichkeit, den Stream kurz zu unterbrechen und im Kommentar nachzulesen. Bei Bedarf schaut man sich die betreffende Stelle des Vortrags noch einmal an. So konnte ich mir die jeweils dargestellten Probleme parallel zum Vortrag recht gut erarbeiten. Zudem gibt es die Möglichkeit, Fragen an den jeweiligen Dozenten zu posten. Diese Funktion wird aber kaum genutzt, und so scheinen sich die übrigen Nutzer ähnlich wie ich zu behelfen. Die Unterbrechungsmöglichkeit ist sicher ein großer Vorteil des Online-Konzepts.

Was im virtuellen Repetitorium fehlt, ist nachvollziehbarerweise der „Gruppenzwang“: Der Teilnehmer sitzt allein vor seinem PC und arbeitet für sich. Wenn dann die Lust nachlässt und zu Hause vielleicht noch viele andere „wichtige“ Dinge erledigt werden müssen, bleibt das Repetitorium leicht mal auf der Strecke. Es bietet sich also vor allem für Personen an, die sich gut selbst motivieren - und disziplinieren - können. Dass man seine Lernzeit frei einteilen kann, ist andererseits auch ein Vorteil von „Lecturio“. Die Dozenten sind quasi rund um die Uhr abrufbereit – das kommt denjenigen entgegen, die vielleicht spät abends am besten lernen können oder die einfach auf Flexibilität angewiesen sind.

Ein Schnäppchen ist das Online-Repetitorium nicht: Allein für den Komplettkurs „Strafprozessrecht“ hätte ich 125 Euro hinblättern müssen. In Kiel ist ein (zugegebenermaßen kürzerer) strafrechtlicher Assessorkurs für 75 Euro zu haben - dort bekommt man dann auch fertig ausgedruckte Kursunterlagen. Auf der JuS-Homepage wird jedoch gerade eine Anzeige mit Rabatt-Code angezeigt.

Technisch ist das Angebot durchaus ausgereift. Die Bildqualität ist gut, der Stream funktioniert flüssig und auch der Ton stimmt zumeist (Ausnahme: Knacken beim Assessorkurs „Verwaltungsrecht“ von RA Christian Falla). Die Oberfläche ist nutzerfreundlich gestaltet: Angezeigt werden sowohl das Beamerbild als auch eine Aufnahme des Dozenten - beide sind in Größe und Position variabel einstellbar. Hervorzuheben ist die Navigationsleiste, über die der Nutzer zwischen einzelnen Sinnabschnitten innerhalb der Vorträge hin- und herspringen kann. Die Navigationspunkte sind dabei an sinnvollen Stellen gesetzt.


II. Die einzelnen Kurse und Dozenten
Bei den Dozenten von „Lecturio“ ist es nicht anders als sonst im Leben: Jeder hat so seine Eigenheiten.


1. Assessorkurs „Strafprozessrecht“ bei RA Wolfgang Bohnen
RA Wolfgang Bohnen ist - wie er selbst sagt - ein „alter Strafrechtshase" und fachlich in jedem Fall versiert. Bohnen hat von allen getesteten Repetitoren den nüchternsten Vortragsstil, pflegt dabei aber einen trockenen Humor. Er geht sehr strukturiert vor und verlässt sich allein auf die gut ausgearbeiteten Power-Point-Präsentationen. Nur in den ersten Stunden seines Kurses nutzt er manchmal den MS-Office-Notizblock über den Beamer, was dann wie ein Tageslichtprojektor funktioniert.

Zu jedem Problem hat er einen kleinen Beispielfall vorbereitet, was das Ganze recht anschaulich macht. Der Dozent nimmt jedoch öfters Bezug auf Fälle oder „Strukturblätter", welche online zur Verfügung stehen - aber nicht ganz leicht zu finden sind. Im Download-Bereich einer der späteren Kurs-Stunden habe ich sie schließlich entdeckt.


2. Assessorkurs „Zwangsvollstreckungsrecht“ bei Prof. Dr. Bernd Banke
Prof. Dr. Bernd Banke, der sich auf Zwangsvollstreckungsrecht spezialisiert hat, habe ich mir ebenfalls angehört. Er wirkt beim ersten Eindruck vielleicht etwas „speziell“, sammelt im Laufe des Repetitoriums aber zunehmend Punkte.

Als Rechtswissenschaftler beleuchtet er die BGH-Rechtsprechung ab und an kritisch. Dies ist aber positiv zu sehen, denn seine kurzen kritischen Anmerkungen zum tragen durchaus zum Verständnis bei. In keinem Fall breitet er lange Streitigkeiten aus, sondern beschränkt sich auf das für das Zweite Staatsexamen Wesentliche.

Einen Pluspunkt gibt es auch für das Lehrmaterial, das sich die Teilnehmer im pdf-Format herunterladen können. Dazu gehören auch sog. „Lehrbriefe“, in denen er das Wesentliche der vorangegangenen Stunde noch einmal hervorhebt und Arbeitsanweisungen für die Nachbereitung gibt.

Während des Repetitoriums bespricht er meist einige große Fälle, während sein Kollege Bohnen sich eher den kleinen Fällen widmet.


3. Assessorkurs „Verwaltungsprozessrecht“ bei RA Christian Falla
RA Christian Falla entspricht am ehesten der Vorstellung, die man sich so von einem Repetitor macht. Seine in einem schwäbischen Akzent vorgetragenen Ausführungen garniert er öfters mit „dynamischen“ Sprüchen wie „Are you ready for take-off?“ oder „Jetzt fliegt der Spatz in den Propeller, jetzt geht es rund!“.

Leider benutzt RA Falla über den Beamer keine Power-Point-Präsentation, sondern allein den MS-Office-Notizblock. Die handgezeichneten Übersichten sind wenig detailliert, nicht immer leicht verständlich und wegen der Schrift nicht immer gut zu lesen. Downloadmaterial stand im Zeitpunkt des Tests für diesen Kurs noch nicht zur Verfügung. Es bleibt zu hoffen, dass neben den Notizblockzeichnungen noch ein richtiges Skript eingestellt wird.

Die Schilderungen RA Fallas sind durchaus ansprechend und luzide. Anders als RA Bohnen, der die Probleme im Frontalunterricht abhandelt, steht RA Falla mit den Kursteilnehmern in einem steten Diskurs. Diese „Dramaturgie“ von Fragen und Antworten mag zum Verständnis beitragen, denn Probleme werden so nicht nur vorgestellt, sondern vielfach richtig erarbeitet. Allerdings kommt RA Bohnen im Stoff wohl schneller voran.


III. Fazit
Mein persönliches Fazit fällt positiv aus: Die Kurse haben mir Spaß gemacht und mich auch fachlich weitergebracht. Das Online-Konzept gefällt mir vor allem wegen seiner Flexibilität. Ich musste nicht meinen Tag um das Repetitorium herum planen, sondern konnte die Kurse dann hören, wenn meine Zeit und mein Biorhythmus dies zuließen (oft spät abends!).

29. Juni 2010

LinkedIn hat nun 70 Mio Nutzer

Das soziale Netzwerk LinkedIn, eine Art XING für Networker mit globalerem Interesse, wächst stetig weiter und hat gerade die 70-Millionen-Nutzer-Grenze geknackt. Dies berichtet der Musikbranchendienstleister NARM in seinem heutigen Newsletter unter Hinweis auf die unter der Überschrift "LinkedIn by the numbers" geführte Zusammenfassung.

Leider ist die dortige Weltkarte mit der Nutzerverteilung recht klein, aber es ist m.E. interessant, dass Frankreich mehr LinkedIn-Nutzer hat als Deutschland. Auch interessant fand ich die Aufteilung der tatsächlichen LinkedIn-Verwendung zur Job-Suche (70%) und zu Anwerbungszwecken (80%), die ich genau anders herum vermutet hätte und außerdem mit kleineren Anteilen.
Interessant wären nun einmal vergleichbare Zahlen bei XING.

17. Juni 2010

Richter aß 600 Seiten aus Akte

Kurios: Ein wegen Korruption angeklagter ukrainischer Richter hatte während seiner Untersuchungshaft Zugang zu den ihn belastenden Urkunden, wohl um seine Verteidigung vorbereiten zu können. Dies nutzte er, um die Beweise gegen sich verschwinden zu lassen... Motto: So einen Vorwurf muss ich erstmal verdauen.

"We did say that there were some pages missing from the criminal case records when Mr Z. was studying them. But to suggest that he himself has eaten 600 pages… Imagine: he has been detained for a little more than a year. Doest it mean that he ate two pages a day?"

[Quelle: www.entrynews.com]

26. Mai 2010

Verlorene Jahre...

Ein neuer Repetitor kündigt Jura lernen in 10 Tagen an. Und ich habe acht Jahre gebraucht. Was hätte man in der Zeit alles auf die Beine stellen können?

http://rechtschnell.com/jsf/extern/start.jsf?id=1000620

22. Mai 2010

Verbrecherjagd in den USA

Faszinierenderweise stößt man hier in New York öfter auf Fahndungsplakate in den U-Bahn-Stationen, an Laternenpfählen etc. Dabei finde ich besonders interessant, dass eine Belohnung ausgesetzt wird, man aber dennoch anonyme Hinweise geben kann und dann nach der Code-Nummer bezahlt wird.


Würde ich meine Wahlstation in Texas ableisten, wäre vielleicht noch ein "Dead or alive"-Hinweis dabei?

19. Mai 2010

Die Kammer reist mit dem "Gerichtstransporter" an...

Eine Kammer des VG Berlin reist mit einem schwarzen "Gerichtstransporter" (Skurril, wieso haben die sowas? Sieht auf jeden Fall aus wie ein Bus der AWO...) zum Straßenstrich, wohl um zu gucken, ob das geplante Bordell sich "einfügen" würde... Hier der Link zum Video bei Spiegel online.

4. Mai 2010

Personalauswahl

Ein Artikel auf Spiegel-online erweckte mein Interesse:

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,691667,00.html

Man liest und staunt und kann es nicht glauben. Ob es das auch in der Juristerei geben mag?

23. April 2010

"Benefits" durch Personalratsarbeit

Ein "Gütesiegel für den Lebenslauf", außerdem bezahlte Lernzeit vor den Klausuren in Form von bezahltem Sonderurlaub - so wirbt der Referendarrat Schleswig-Holstein um neue Mitglieder.

Diese Form der Werbung scheint aber eher ein Ausdruck der Verzweiflung zu sein, denn die Bewerbungsfrist musste bereits zweimal verlängert werden, nun letztmalig bis zum 28.04.2010.

Wer sich eine Tätigkeit in der Personalvertretung vorstellen kann, dürfte bei einer Bewerbung in diesem Jahr besonders gute Chancen haben...

Neu: Juristenausbildungsstatistik für 2008

Das Bundesamt für Justiz hat kürzlich die Juristenausbildungsstatistik für das Jahr 2008 veröffentlicht. Doof: Im Bereich des GPA HB/HH/SH sinkt die VB-Quote im Zweiten Examen nocheinmal merklich ab. Während 2007 noch ca. 17 % der Prüflinge neun oder mehr Punkte hatten, waren es 2008 nicht einmal mehr 13 %.

18. April 2010

Mortal Kombat

Einer meiner Kollegen arbeitete in den 90ern für ein erfolgreich laufendes Indie-Label. Als ein paar KollegINNEN über "Street Fighter II", "Mortal Kombat" und ähnliche Prügel-Computerspiele philosophierten, kam er hinzu und erzählte uns in dem Zusammenhang eine Geschichte aus seiner Indie-Label-Zeit: Zu Beginn der 90er wollte jemand mit seiner Hilfe den Soundtrack zu dem Computerspiel "Mortal Kombat" herausbringen. Das war damals noch lange nicht üblich und so reagierte mein Kollege falsch, indem er sagte: "Wie? Was willst Du denn von mir? Dass ich den Soundtrack für ein Computerspiel herausbringe? Das kauft doch keine Sau, Mann. Geh nach Hause!" Nach Hause ging dieser Jemand aber leider nicht. Stattdessen ging er zu einem anderen Label, das sich interessierter zeigte und schließlich eine halbe Million Tonträger von dem "Mortal Kombat" Soundtrack verkaufte. Eine klassische Fehlentscheidung also.

Sowas kommt vor. Auch die Beatles wurden nicht gleich vom erstbesten Label freudestrahlend empfangen. Mich erinnerte die Geschichte außerdem ein wenig an John Niven, der in seiner A&R-Zeit Coldplay als billige Radiohead-Kopie beschimpfte und nach Hause schickte. Obwohl dieses Urteil nicht ganz unrichtig ist, wurden Coldplay sehr erfolgreich und John Niven arbeitet mittlerweile nicht mehr als A&R.

10. April 2010

Schecks vs. Überweisungen

Ab und zu wird bei uns im Büro über Schecks gesprochen. Es fallen Fragen wie: "Ist der Scheck von xyz schon eingetroffen?" Oder es kommt jemand mit einem großen Umschlag rein und sagt: "Die Schecks sind endlich da." Das verwirrt mich schon seit dem Start meiner Wahlstation, aber kürzlich fragte ich dann mal nach, ob Schecks hier so ein tolles Zahlungsmittel sind. Erstaunte Rückfrage: "Ja, klar, wie macht Ihr das denn in Deutschland?" Ich antwortete: "Online Banking?"

Daraufhin erntete ich nur Kopfgeschüttel, weil Schecks doch genauso gut sind. Dann kurzes Aufleuchten in den Augen, weil das große Gegenargument gefunden wurde: "Was, wenn eine Oma ihrem Enkel $ 50,- zum Geburtstag schenken will?" "Dann gibt sie es ihm cash." "Aber was, wenn sie so weit weg wohnt?" Ok, got me. Aber dann kann man ja das Geld den Eltern des Enkels überweisen und die geben das mit den Worten "Hier, von Oma." weiter?

Ich fand es jedenfalls erstaunlich, dass selbst in der Businesshauptstadt New York keine Überweisungen üblich sind, sondern auch große Summen mit Schecks in Briefumschlägen transferiert werden. Na gut, "When in Rome, do as the Romans do." Will sagen: "Andere Länder. andere Sitten."

9. April 2010

Prioritäten bei der Vertragsgestaltung

Was mir in meiner Station kürzlich aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die aus einem Vertrag herauszuziehende Kohle über die Perfektion des Vertrages gestellt wird. Ich hatte kürzlich an einem Lizenzvertrag gearbeitet, in welchem meine Aufgabe vor allem war, "derivative works" sinnvoll einzubauen, was der "Bearbeitung" im deutschen Urheberrecht weitestgehend entspricht.

Daran saß ich also erstmal und diskutierte auch mit den Beteiligten über die Hintergründe. Mein Ausbilder erzählte mir dann kurz nach Abschluss des Vertrags mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dass "mein" Absatz von einem Nichtjuristen zerstört wurde, indem er etwas nach dem Motto "Gut gemeint, aber schlecht gemacht" einfügte. Ich war verblüfft, weil ich auch mit diesem Nichtjuristen über den Absatz diskutiert hatte. Und ich fragte mich, ob man das nicht noch hätte geradebiegen können. Mein Ausbilder meinte dann, dass der Vertrag nun raus musste. Da hing zu viel Kohle dran, auf die alle warten. Fand ich megainteressant, denn ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass ein quasi unfertiger Vertrag in Deutschland unterzeichnet werden würde.

Ich will das allerdings auch nicht verurteilen, denn irgendwo kann man das ja auch verstehen, wenn der Kunde schon ungeduldig wird und Kohle wartet. Zudem habe ich in den Vertrag auch eine "Termination for Convenience" Klausel eingebaut, was bedeutet, dass die Vertragsparteien kurzfristig ohne weitere Erklärung aus dem Vertrag rauskönnen, wenn sie wollen. Insofern kann man im Streitfall einfach den Fallschirm ziehen. Dennoch fand ich das erwähnenswert.

30. März 2010

Die sprachliche Entwicklung des Wortes "Fuck"

Nachdem ich kürzlich von einem "Motherfucking Litigator" berichtete, wurde ich darauf hingewiesen, dass das Hamburger Abendblatt heute einen Bericht mit dem Titel "What the F***! Das böse Wort hat viele Bedeutungen" veröffentlichte. Dort nimmt man sich auch des Wortes "motherfucking" an und zwar in einem Zusammenhang mit der Miles Davis Biografie, in der des öfteren von diesem Wort Gebrauch gemacht wurde und zwar durchaus im positiven Sinn.
Im Abendblatt heißt es hierzu:
"It was a motherfucker" übersetzt Jakobeit [Anm.: Übersetzerin der Biografie] mit "Es war das Schärfste", "Sarah Vaughn (berühmte Jazzsängerin) was a motherfucker too" mit "Sarah Vaughn ist ein geniales Miststück" und "it was hotter than a motherfucker" mit "es war knallheiß".
Hätte ich den Bericht vorher gelesen, wäre ich nicht ganz so erstaunt über die Verwendung des Wortes im Zusammenhang mit einem Staranwalt gewesen. In unseren Übersetzungen wird das Wort dann ja doch sehr entschärft.

25. März 2010

No ruleZ

Ich sollte kürzlich eine für die Musikbranche wichtige Gerichtsentscheidung lesen, um diese den anderen im Team gegenüber zu erläutern. Die aus etlichen Seiten bestehende Kopie sah aber überhaupt nicht nach einem Gerichtsurteil aus. Da ich es schon kannte, dass es zu jeder Entscheidung mindestens 100 weitere Dokumente gibt, ging ich davon aus, dass man mir möglicherweise das falsche Dokument übermittelte.

Stutzig machte mich auch der Aufdruck "Second amended final judment". Wie ist denn das jetzt zu verstehen? Man haut erst einmal ein Urteil raus und wenn man dann nicht mehr damit zufrieden ist, ändert man es nochmal vorsichtshalber ab ("to amend") und nennt es dann "final", bevor es noch mehr Gemecker gibt? Nach dem Motto: "Also, diese Entscheidung meine ich jetzt aber wirklich ernst! Das ist jetzt meine Finalversion." Oder wie, oder was?

Nur der letzte Absatz der Gerichtsentscheidung gab dann etwas Aufschluss. Dort heißt es nämlich, dass diese Entscheidung die bisherige Entscheidung aus dem Jahr 1950(!) aufhebt und ersetzt. Das machte tatsächlich etwas Sinn, denn die abgeänderte Fassung wurde auf Streaming-Lizenzen erweitert und 1950 gab es nunmal noch kein Streaming, dafür stand die Geburt des Rock'n'Roll immerhin schon bevor. Bei uns im "code based Germany" kennen wir so etwas natürlich nicht, ein Urteil abzuändern, denn dort werden stattdessen neue Gesetze verabschiedet.

Dennoch überraschte mich nach wie vor der Aufbau des Urteils, der mehr einem Vertrag glich, weil z.B. der Anfang aus Definitionen bestand. Vielleicht war der Richter vor der Bekleidung seines Richter-Amtes ein "Motherfucking Litigator"? Aber auch er muss sich doch wohl - so wie bei uns auch - an gewisse Regeln zum Urteilsaufbau halten, sobald er zum Richter gewählt wird? Eine Rückfrage bei meinen Juristenkollegen vor Ort ergab: "Nein, muss er nicht". In der Law School wird man zwar unterrichtet, wie ein Urteil "schön" wäre, aber daran halten muss sich kein Richter. Als ich denen erklärte, dass das bei uns für ein Urteil schon Regeln gibt und schon der Tatbestand einem gewissen Aufbau folgt, waren alle ganz begeistert davon. Na, das würde auch die ein oder andere Examensarbeit im 2. Examen erleichtern, wenn es keine Regeln für den Urteilsaufbau gebe.

23. März 2010

Studenten, überall gleich...

Ich habe Gelegenheit erhalten, einer Musikbusiness-Vorlesung an einem New Yorker College beizuwohnen. Diese Vorlesung war die letzte vor den "Midterm"-Prüfungen. Also wurde den Studenten kurz erklärt, worauf sie sich ungefähr vorbereiten müssen, da es nicht beabsichtigt ist, allen schlechte Noten zu geben.

Diese Wissenszusammenfassung lief sehr ausführlich ab, so dass alle fleißig mitschrieben: Was ist der Unterschied zwischen Verlag und Label, was sind Mechanicals, was versteht man unter Master etc. Für Leute, die in der Musikbranche arbeiten wollen, sind das absolute Basics, vergleichbar mit der Frage: "Wo ist im BGB der Kaufvertrag geregelt?" Dennoch gerieten die um mich herum sitzenden Personen in Panik. Einer fragte gar: "Wann ist denn die Prüfung?" und reagierte geschockt, als er hörte, dass dies die letzte Vorlesung vor der Prüfung sei. Dazu muss man sagen: Jeder hat eine zeitliche Übersicht bekommen, an welchem Datum was unterrichtet wird und wann Prüfungen sind. Sooo überraschend kam das nicht.

Der Knüller war dann aber folgender: In den Vorlesungen wurde auch das Buch "Hit Men" von Fredric Dannen (z.Zt. auch in Deutschland wohl nur auf englisch erhältlich) besprochen. In dem frühen Wissen, eines Tages in der Musikbranche zu arbeiten, habe ich dieses Buch schon zu Schulzeiten geradezu verschlungen. Es ist meiner bescheidenen Meinung nach eines der besten und packendsten Bücher aller Zeiten und enthält unglaublich interessante Informationen für jeden Musikjunkie. Es ist keine schwierige Aufgabe, dieses Buch zu lesen. Das ist nicht "Bürgerliches Recht" von Medicus, sondern eine Anekdotensammlung, die über den Payola-Skandal berichtet sowie über die Erlebnisse aus den unterschiedlichen Labels und die ganz Großen der Branche wie Clive Davis oder Tommy Mottola. Ein absolut unterhaltsames Buch, welches zeigt, dass die Klischees der Branche gar keine Klischees sind. Dieses Buch jedenfalls sollte man auch für die Prüfung gelesen haben, hieß es. Darauf meldete sich eine Studentin und fragte:
"Müssen wir das ganze Buch gelesen haben oder nur einen Teil?"
Auf die Antwort, es müsse schon das ganze Buch sein, ging dann nochmal ein Raunen durch die Menge.

9. März 2010

Motherfucking Litigator

Mancher Gast in meiner Wahlstation in NYC wird vom Chef durch die Räume geführt. Ich dachte zunächst, dies sei einfach ein Teil der Gastfreundschaft und gleichzeitig die Möglichkeit für den Chef, sein Team vorzustellen. Da steckt aber viel mehr hinter, nämlich die Chance für das Team, "social networking" zu betreiben.

Und so führte mein Chef kürzlich einen Anwalt durch die Räume. Dabei wurde ich als Jurist gesondert vorgestellt mit dem Hinweis, dass ich aus Deutschland komme, was das Referendariat ist etc. So redete ich dann auch kurz mit diesem Anwalt, der mit dem Referendariat durchaus etwas anfangen konnte, da er ebenfalls schon einen Referendar beschäftigte. Die beiden zogen weiter Richtung Konferenzraum. In diesen wurde der Anwalt gesetzt und schon kam der Chef wieder raus und ging zu mir, um mich darauf hinzuweisen, dass dieser Anwalt einer der besten Entertainment-Anwälte der Welt ist und u.a. auch [...] vertritt. Ich fand den Anwalt ohnehin schon nett, aber nun stieg auch mein Respekt. Der Chef redete sich aber gerade in Rage, um mir deutlich zu machen, wie genial dieser Anwalt tatsächlich ist. Er schloss mit den Worten "He's a motherfucking litigator." Das kann ich ja wohl nicht richtig verstanden haben, aber auf meine Nachfrage wiederholte er: "He's a motherfucking litigator." Offensichtlich kann "motherfucking" umgangssprachlich auch so viel wie "arschgeil" bedeuten.

Und so fragte ich ihn kurz noch einmal nach dem Namen des Anwalts. Darauf meinte mein Chef, ich solle mir einfach eine Visitenkarte von dem Anwalt besorgen. Ich schaute ihn fragend an, ob ich das wirklich machen soll und er ermutigte mich grinsend: "Go, get your business card." Also tat ich das. Während ich im Konferenzraum mit dem "motherfucking litigator" sprach, kam mein Ausbilder (Ausbilder und Chef sind zwei Personen) kurz vorbei, verschwand dann aber wieder mit kurzem Gemurmel, er habe nur sichergehen wollen, dass wir zwei uns miteinander bekannt machen. Erst als ich den Konferenzraum verließ, kehrte der Chef in diesen zurück, als habe er gerade nur etwas nachschauen wollen o.ä. Fand ich unglaublich nett!

Später wurde mir erklärt, ich solle dem Anwalt dann eine kurze "Follow up"-Mail schreiben, wie sehr ich mich über das Treffen freute und hoffe, ihm in der Zeit hier in NYC erneut über den Weg zu laufen. Das machte ich, denn soweit waren mir die Gepflogenheiten hier eh noch geläufig. Und mittlerweile erreichte mich sogar schon eine Antwortmail.

Zum Schluss noch ein kurzer Hinweis, welchen Song ich in der heutigen Musik-Auswahl im Büro am coolsten fand: "So much trouble in the world" von Bob Marley. Dieses Instrument, welches sich bei ca. 0:58 mit dem Gesang abwechselt, großartig.

6. März 2010

Erst das Meeting, dann die Party

Heute war die Feierabend-Party, die der CEO schon an meinem ersten Tag ankündigte. Ungefähr zwei Stunden zuvor war noch ein Meeting.

Zunächst habe ich mir nichts dabei gedacht. Die einzelnen Teams machen hier andauernd irgendwelche Meetings, in denen sie sich kurzschließen. Dieses Meeting war aber ein besonderes, denn es betraf alle Mitarbeiter. Ich war etwas verwirrt, als ich also von einer Sekunde auf die andere hinzugeholt wurde und erfuhr dann, dass diese Art Meeting so alle paar Wochen durchgeführt wird.

Der Inhalt des Meetings hat mich dann völlig umgehauen. Der CEO hielt mit Hilfe von "Power Point" einen Vortrag darüber, was im letzten Jahr wirtschaftlich erreicht wurde und wo wir nun gegen Ende des ersten Quartals dieses Jahres stehen. Dabei lobte er das gesamte Team über den grünen Klee und sagte, dass es schon jetzt wieder alles total rosig ausschaut. Er sagte sinngemäß: "Es ist nicht meine Firma, es ist unsere Firma. Ihr macht alle einen tollen Job." Derartige Motivation ist möglicherweise üblich hier in den USA, aber ich war besonders fasziniert darüber, dass in der Power-Point-Präsentation die nackten Zahlen offengelegt wurden. Es wurde zwar ausdrücklich auf die Vertraulichkeit hingewiesen, aber immerhin wurden sie offengelegt. Ich weiß nicht, ob das in Deutschland funktionieren würde, denn da würden sich vermutlich die meisten Arbeitnehmer denken: "Und warum verdiene ich dann nicht mehr?" o.ä. Hier funktioniert das offensichtlich perfekt.

Die Party war auch spitze, denn sie war nicht nur den Angestellten vorbehalten. Ich lernte also z.B. die unglaublich nette Frau meines Ausbilders kennen. Außerdem waren allerhand Namen aus der Musikbranche vertreten, mit denen ich so in Kontakt treten konnte. Keine Weltstars, aber wirtschaftlich wichtige Leute oder befreundete Musiker des Teams. So sprach ich mit einem älteren US-Verleger, der lustigerweise ein Nachfahre von Reinhard Keiser ist, worauf er stolz hinwies, als ich ihm meine deutsche Herkunft erklärte, oder mit einem Musiker-Paar, welches nächsten Monat ein Album herausbringen und einen Gig in NYC spielen wird.

5. März 2010

Fensterputzgesetz

Für Leute, die kuriose Gesetze sammeln, habe ich heute ein Schmankerl aus meiner Station in NYC anzubieten. Denn heute habe ich einmal etwas "off topic" einen Mietvertrag gecheckt. Die Mietverträge hier sind offensichtlich noch länger als unsere deutschen. Da wird alles mögliche bedacht, z.B. was mit den Mietern passiert, wenn der Vermieter enteignet wird. Die regeln auch, dass bei Gerichtsstreitigkeiten die unterliegende Partei zahlt, wozu bei uns ja kein Regelungsbedarf besteht.

Jedenfalls bin ich in diesem Zusammenhang über eine Klausel des Mietvertrags gestolpert, in der der Mieter ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es nach § 202 des "New York Labor Law" bei Gebäuden ab einer bestimmten Höhe verboten ist, die Fenster von außen zu putzen. Die Amis wollen halt nicht so gerne, dass die Leute beim Fensterputzen aus den Wolkenkratzern purzeln. (Mehr als 5.000 Häuser in Manhattan haben mehr als 15 Stockwerke.) Deswegen dürfen das nur Leute, die sich damit auskennen. Zum einen will man die Leute schützen, die gerne Fenster putzen würden, zum anderen aber auch die vorbeispazierende Bevölkerung.

3. März 2010

Schlaraffenland

Nachdem ich schon gestern davon berichtete, wie sehr mein Job hier in NYC an ein Schlaraffenland erinnert, kann ich heute völlig entgeistert nahtlos an die Berichte anschließen.

In der Kanzlei, in der ich zuletzt arbeitete, wurde mir im Bewerbungsgespräch das Blaue vom Himmel versprochen: Ich werde so richtig den Business-Alltag der Entertainment-Industrie erleben, bei Meetings dabei sein, bei Mandantengesprächen und bei Telefonkonferenzen. Tja, was soll ich sagen? Trotz meines irgendwann beständigen Nachfragens nach Abwarten einer Höflichkeitswartephase ist davon nur eines in die Tat umgesetzt worden: Am letzten(!) Tag war ich bei einer kleinen Telefonkonferenz dabei. Aber auch nur, weil ich an eben diesem letzten Tag nochmals äußerte, dass es jetzt langsam ein bißchen eng wird, was die Versprechungen anbelangt. Da habe ich mich wirklich gefragt, ob die eigentlich selbst glauben, was die in Bewerbungsgesprächen erzählen? Gibt ja einen eingeschränkten Horizont hinter den Scheuklappen.
Tja, lange Rede, kurzer Sinn, hier im Ami-Land erlebe ich dann wieder das genaue Gegenteil: Heute, am zweiten(!) Tag, wurde mir eröffnet, dass es morgen eine Telefonkonferenz mit einem sehr wichtigen Kunden geben wird, weshalb mein (bereits erwähnter) "welcome lunch" auf Freitag verschoben werden muss. Stattdessen wurde mir aber offenbart, dass man mich bei der Telefonkonferenz gerne dabei hätte. Ich solle doch bis dahin beizeiten mal etwas über den Kunden ergooglen, damit ich eine Vorstellung von dessen Service bekomme. Es ist wirklich wie im Schlaraffenland! Metaphorisch gesprochen muss ich nicht um Essen betteln, sondern bekomme es direkt verabreicht. Die leckeren Beeren fliegen in meinen weit offenen Mund, ohne dass ich mich nach ihnen bücken muss.

Das ist aber noch nicht alles!
Gegen Mittag erreicht mich eine Rundmail, dass es an einem Abend in der nächsten Woche eine "Intern Appreciation"-Party geben wird, "to share the love for our interns and their fantastic work", wobei der Ort noch nachgereicht wird. Wie jetzt? Man ist hier nicht einfach billige Arbeitskraft, sondern die Arbeit wird anerkannt? Träum ich oder wach ich? Wenn das ein Traum ist, will ich nicht mehr aufwachen.

Und mir als musikabhängigem Junkie gefällt noch eine andere Sache gut. Ich teile mir z.Zt. ein Großraumbüro mit sieben bis acht weiteren Leuten, vier davon sind fest eingestellt, die anderen drei bis vier (je nachdem, hängt von Univeranstaltungen ab) sind auch "interns". Der Chef der Abteilung sorgt nebenbei für Musik im Raum, die fleißig kommentiert wird. Dass es bei der Arbeit Musik gibt, ist natürlich auch großartig, aus meiner Sicht jedenfalls. Irgendwann war eine Weile Stille und ich sagte zu ihm, dass irgendwas mit seiner Musik nicht stimmt, worauf er konterte, der Sound mache tatsächlich den Eindruck einer Art Stille, aber er habe gerade keine neue Playlist. Nach kurzem Hin- und Her meinte er: "Ok, it's always the right time for Jimmy Cliff, huh?" und startete den Song "Struggling Man". Nach dem ersten paar Tönen riefen alle: "Yeah, Jimmy Cliff", woraufhin er die Mucke lauter drehte. Und so wippten alle ihre Köpfe im Takt der Musik, während sie sich wieder der Arbeit zuwandten.

Gegen 18 Uhr kam dann unser IT-Experte mit seinem Laptop rein, stöpselte diesen an die Boxen und machte unseren DJ. Dabei drehte er die Musik auf Party-Lautstärke. Ich schaute mich grinsend um, ob darauf irgendwer reagieren würde, aber niemand meckerte, es sei zu laut. Im Gegenteil machte die Situation den Eindruck von Routine, es gab Respektsbekundungen zur Wahl der Musik (u.a. eine Latin-Version von Michael Jacksons "Billy Jean") und die Motivation stieg Richtung Feierabend noch einmal richtig an.

Ich will diesen Traum morgen weiterträumen!

2. März 2010

Little Desperado in the Big Apple

Seit ein paar Tagen schon bin ich in New York City und seit heute absolviere ich hier meine Wahlstation in einem Unternehmen aus der Musikbranche.

Vorweg möchte ich einmal kurz los werden, dass ich jedem Referendar, der nur annähernd daran denkt, hier seine Wahlstation oder Anwaltsstation zu verbringen, ganz dringend dazu ermutigen möchte, diesen Traum in die Tat umzusetzen. Diese Stadt ist einfach sooo großartig, sie ist riesig, wirkt dabei aber so übersichtlich. Es ist leicht, sich in diese Stadt zu verlieben. Einer Frau muss man auch nicht sagen, dass sie George Clooney attraktiv finden soll. Nach ein paar Tagen kann ich sagen, dass ich meine Station hier fast überall absolviert hätte, nur um in dieser Stadt zu sein, aber natürlich bin ich froh, eine Station gefunden zu haben, die wie die Faust auf's Auge zu mir passt.

Dieser "American way of life" und deren "business culture" ist wirklich ein anderer Schnack und schon dafür lohnt sich die Reise hierher. Während meine Erfahrungen in zwei mittelgroßen Kanzleien in Deutschland eher waren, dass man auf sich selbst gestellt ist, wenn man etwas lernen will und Versprechungen in keinster Weise eingehalten werden, machte der heutige Tag auf mich einen ganz anderen Eindruck: Ich spazierte nach Feierabend mit einem dicken Grinsen im Gesicht nach Hause!

Denn schon der Abschluss der heutigen Tätigkeiten lief anders als ich es gewohnt war. Ich wurde zu einem Abschlussgespräch ins Büro meines Ausbilders geholt. Dabei fällt mir ein: Auf das tatsächliche Abschlussgespräch meiner einen Kanzlei in Deutschland warte ich immer noch. An meinem letzten Tag (der ja so überraschend kam...) war dafür irgendwie keine Zeit und es hieß, dieses Gespräch würde nachgeholt werden. Pffft, dass ich nicht lache... So ein Gespräch hatte ich also schon heute als kurzen Boxen-Stopp, um die Richtung vorzugeben. Und das war kein Gespräch zwischen Tür und Angel, sondern á la "Komm rein, setz Dich. Wie hat es Dir heute gefallen? Was hast Du gelernt? Sind alle nett zu Dir?"

Während es normalerweise keine richtigen Uhrzeiten zur Arbeit gibt, sondern jeder schnell runterläuft und sich was essen holt, wenn sich der Magen meldet, wird es am Mittwoch einen "welcome lunch" zweier Juristen mit mir geben: "Passt Dir der Mittwoch?" Äh, ja, klar!

Irgendwann kam der CEO des Ladens rein und sagte nach meinem Verständnis sowas wie: "Das betrifft hier alle: Sind am Freitag alle da? Ok, dann ist Freitag nachmittag Party." Ich dachte natürlich, dass meine Englischkenntnisse noch zu wackelig sind, um seinen Akzent in Verbindung mit der Geschwindigkeit richtig wahrgenommen zu haben. Ich MUSSTE das inhaltlich einfach falsch verstanden haben. Also fragte ich eine Kollegin: "Äh, sag mal, ich habe das gerade nicht richtig verstanden. Ich hörte irgendwie nur das Wort 'Party', aber in welchem Zusammenhang denn?" Dann erklärte sie mir, ein bis zweimal im Monat werde früher Feierabend gemacht, um gemeinsam etwas Spaß zu haben. Das nenne man hier "team building". Aha??? Ich glaube, ich reagierte wie unter LSD-Einfluss, denn in deutschen Kanzleien gibt es doch normalerweise allenfalls eine Weihnachtsfeier, was ich meinem Ausbilder in dem oben genannten Abschlussgespräch mitteilte. Das fand er wiederum total interessant, weil das doch eigentlich wichtig für die Motivation sei, dass alle gut miteinander klarkommen, was am besten durch diese Parties unterstützt wird. So sei die Arbeit doch viel effektiver? Zusätzlich gehe man daher außerdem noch ab und an abends in irgendeine Bar zusammen.
Genial! Das reinste Schlaraffenland!

Im Laufe des Tages schickte mein Ausbilder eine Rundmail an das gesamte Team, in der er mich herzlich willkommen hieß und allen nochmals vorstellte, nämlich detaillierter als in den Handshake-Sessions mit Erklärungen, warum ich gut in den Laden passe. Dabei stellte er meine bisherigen Erfahrungen in der Musikbranche in den Vordergrund und erklärte anschließend meine Ziele hier vor Ort, wobei er mit dem Satz endete: "Please say hello to him and welcome him to our team."
Ich vergaß: Eine eigene Mail-Adresse wurde mir übrigens auch gleich heute morgen eingerichtet.

Um mit den hiesigen Verwertungsgesellschaften "familiar" zu werden, bestand meine Aufgabe heute darin, Recherchetätigkeiten hinsichtlich Lizenzen auszuführen, wobei mich das Rechercheteam sehr nett unterrichtet hat. Dabei kamen an einer Stelle Kindheitserinnerungen in mir hoch, denn der Song "The Bare Necessities" war auch dabei, der bei uns "Probier's mal mit Gemütlichkeit" hieß. Niemals habe ich mir über den Originaltitel Gedanken gemacht und heute fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass hier durch die Titelwahl dieses Songs von Balu, dem Bären, ein Wortspiel ("bare"./."bear") versteckt ist, welches bei uns verloren ging. Ach ja, damals hatte Disney noch großartige Musik in seinen Filmen.

5. Februar 2010

Verkehrssicherungspflichten nicht für den Staat?

In Kiel werden gerade die Klausuren für das zweite Staatsexamen geschrieben. Wer in Kiel Referendariat macht(e), kennt die Räumlichkeiten im Hinterhof, die nur durch eine Kellertreppe zu erreichen sind, von den Übungsklausuren. Diese Treppe ist ziemlich steil und mit glitschigen ziegelroten Fliesen belegt.

Ich weiß nicht, wem das Gebäude gehört, aber irgendeine staatliche Institution wird es schon sein. Und falls nicht, dann wird der Vermieter den Winterdienst doch sicher auf den Staat als Mieter abgewälzt haben? Jedenfalls sind diese Fliesen zur Zeit a*schglatt voller Eis oder gefrorenem Schnee. Und jeden Morgen balancieren sich vierzig ohnehin schon ängstliche Referendare zum Ort der Vollstreckung unter Überwindung zusätzlicher Schwierigkeiten. Und jeden Morgen packt sich auch mindestens eine/r Referendar/in dank eines Bücherkoffers voller Kommentare und Gesetzestexten (alle sind jeden Tag mitzubringen, auch in fachfremden Fächern) bei diesem Gang zum Schafott auf die Fr*sse und wird von den Kollegen mit noch angsterfüllteren Augen aufgefangen. Da fragt man sich doch, was es mit den Verkehrssicherungspflichten auf sich hat? Oder ist das beabsichtigt? Reichen denn die geistig zu umschiffenden Klippen in den Klausursachverhalten als Schwierigkeiten für uns Leidensgenossen nicht aus?

26. Januar 2010

Der Weg zum Erfolg

SpiegelOnline sinnert darüber, ob wir uns wirklich dem Druck beugen müssen, auch im Urlaub berufliche Mails zu checken, falls was wichtiges passiert sein könnte. In diesem Artikel heißt es nebenher:
"Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht man ein inneres Anliegen, eine Leidenschaft, die nichts mit Geld oder Karrierezielen zu tun hat", sagt Top-Management-Coach Dorothee Echter. Es geht darum, das, worin man gut ist, weiterzuentwickeln. Das bringt mehr, als externe Vorgaben zu erfüllen und an Musterlebensläufen zu feilen. Platt formuliert: Stärken zu stärken, statt Schwächen auszubügeln. So wird man Weltmeister in einer Sache, statt in vielen Dingen Kreisliga zu spielen.
Ähnlich meint übrigens Eckart von Hirschhausen in seinem Buch "Glück kommt selten allein" sinngemäß, den optimalen Beruf erkenne man daran, dass man ihn auch gratis ausführen würde. Mit dieser Test-Frage erkenne man den Unterschied zwischen Beruf und Berufung.

Einfacher gesagt als getan, aber ich glaube schon, das "da was Wahres dran ist".

20. Januar 2010

Schreibtischübungen

Nun ja, wir Juristen sind zwar keine Maurer oder Zimmerleute, aber dennoch gehören wir als Schreibtischtäter zu einer wichtigen Zielgruppe der Probleme mit dem Spezialgebiet "Rücken": Krummes Sitzen am Schreibtisch, verspannte Nackenmuskulatur durch den Blick auf den Bildschirm, das sind unsere Laster. Dies kann bis zu einem Hexenschuss führen, in meinem Bekanntenkreis längst kein Einzelfall mehr!

Regelmäßiger Sport als Ausgleich kann sicher einiges richten, aber manchmal fehlt die Zeit oder der Maulkorb für den Schweinehund. Das Bundesministerium für Gesundheit hat - wie ich entdeckte - eine Seite für Schreibtischübungen zusammengestellt, die zwischendurch schnell zu erledigen sind. Diese sind natürlich als Präventivmaßnahme gedacht. Man sollte die Übungen also machen, bevor man am Schreibtisch die Hilferufe des Rückens wahrnimmt.

Ein ausdruckbares PDF gibt es hier, so muss man sich nicht jedes Mal auf die Website verirren.
 

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