6. März 2010

Erst das Meeting, dann die Party

Heute war die Feierabend-Party, die der CEO schon an meinem ersten Tag ankündigte. Ungefähr zwei Stunden zuvor war noch ein Meeting.

Zunächst habe ich mir nichts dabei gedacht. Die einzelnen Teams machen hier andauernd irgendwelche Meetings, in denen sie sich kurzschließen. Dieses Meeting war aber ein besonderes, denn es betraf alle Mitarbeiter. Ich war etwas verwirrt, als ich also von einer Sekunde auf die andere hinzugeholt wurde und erfuhr dann, dass diese Art Meeting so alle paar Wochen durchgeführt wird.

Der Inhalt des Meetings hat mich dann völlig umgehauen. Der CEO hielt mit Hilfe von "Power Point" einen Vortrag darüber, was im letzten Jahr wirtschaftlich erreicht wurde und wo wir nun gegen Ende des ersten Quartals dieses Jahres stehen. Dabei lobte er das gesamte Team über den grünen Klee und sagte, dass es schon jetzt wieder alles total rosig ausschaut. Er sagte sinngemäß: "Es ist nicht meine Firma, es ist unsere Firma. Ihr macht alle einen tollen Job." Derartige Motivation ist möglicherweise üblich hier in den USA, aber ich war besonders fasziniert darüber, dass in der Power-Point-Präsentation die nackten Zahlen offengelegt wurden. Es wurde zwar ausdrücklich auf die Vertraulichkeit hingewiesen, aber immerhin wurden sie offengelegt. Ich weiß nicht, ob das in Deutschland funktionieren würde, denn da würden sich vermutlich die meisten Arbeitnehmer denken: "Und warum verdiene ich dann nicht mehr?" o.ä. Hier funktioniert das offensichtlich perfekt.

Die Party war auch spitze, denn sie war nicht nur den Angestellten vorbehalten. Ich lernte also z.B. die unglaublich nette Frau meines Ausbilders kennen. Außerdem waren allerhand Namen aus der Musikbranche vertreten, mit denen ich so in Kontakt treten konnte. Keine Weltstars, aber wirtschaftlich wichtige Leute oder befreundete Musiker des Teams. So sprach ich mit einem älteren US-Verleger, der lustigerweise ein Nachfahre von Reinhard Keiser ist, worauf er stolz hinwies, als ich ihm meine deutsche Herkunft erklärte, oder mit einem Musiker-Paar, welches nächsten Monat ein Album herausbringen und einen Gig in NYC spielen wird.

Kommentare:

Thomas79 hat gesagt…

Wegen Deiner Frage, wie's bei deutschen Kanzleien mit wirtschaftlichen Ergebnissen aussieht - ich bin bei einer deutschen Großkanzlei, und wir bekommen jedes Quartal einen (an sich bedingt aussagekräftigen) Bericht, der uns dann noch von einem Partner in einem Meeting erläutert wird. Insoweit ist das nicht unbedingt anders - außer, daß die Motivations- und Präsentationsfähigkeiten hier in Deutschland eher geringer ausgeprägt sind.
Daß das teilweise zu Schwierigkeiten führt, wenn das Associategehalt eingefroren und der Partnergewinn gegenüber dem unglaublihc guten Vorjahr halbwegs stabil ist, muß ich wohl nicht sagen...
Viel Spaß Dir noch in NY, und alles Gute!

Desperado hat gesagt…

Vielen Dank für die Hintergrundinfos, sehr interessant. Vielleicht sind Großbuden durch die internationale Ausrichtung eher vom US-Vorbild geprägt, dass die auch die wirtschaftlichen Ergebnisse offenlegen? Auf jeden Fall superinteressant, dass sie es machen und es zu den erwartetenen Schwierigkeiten führt. Dir auch alles Gute!

Pascal hat gesagt…

Ich weiß nicht - mir wäre diese Form der Lobhudelei eher "zu viel", je nachdem, wie man es rüberbringt.

Als mein Ferienarbeitgeber mir (und allen anderen meiner Kollegen) auf der Firmengrillparty eine Liebeserklärung gemacht hat, wollte ich dann doch schnellstmöglich weg. Der Alleinunterhalter und seine Schlagersongs könnten aber auch dazu beigetragen haben.

 

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