9. März 2010

Motherfucking Litigator

Mancher Gast in meiner Wahlstation in NYC wird vom Chef durch die Räume geführt. Ich dachte zunächst, dies sei einfach ein Teil der Gastfreundschaft und gleichzeitig die Möglichkeit für den Chef, sein Team vorzustellen. Da steckt aber viel mehr hinter, nämlich die Chance für das Team, "social networking" zu betreiben.

Und so führte mein Chef kürzlich einen Anwalt durch die Räume. Dabei wurde ich als Jurist gesondert vorgestellt mit dem Hinweis, dass ich aus Deutschland komme, was das Referendariat ist etc. So redete ich dann auch kurz mit diesem Anwalt, der mit dem Referendariat durchaus etwas anfangen konnte, da er ebenfalls schon einen Referendar beschäftigte. Die beiden zogen weiter Richtung Konferenzraum. In diesen wurde der Anwalt gesetzt und schon kam der Chef wieder raus und ging zu mir, um mich darauf hinzuweisen, dass dieser Anwalt einer der besten Entertainment-Anwälte der Welt ist und u.a. auch [...] vertritt. Ich fand den Anwalt ohnehin schon nett, aber nun stieg auch mein Respekt. Der Chef redete sich aber gerade in Rage, um mir deutlich zu machen, wie genial dieser Anwalt tatsächlich ist. Er schloss mit den Worten "He's a motherfucking litigator." Das kann ich ja wohl nicht richtig verstanden haben, aber auf meine Nachfrage wiederholte er: "He's a motherfucking litigator." Offensichtlich kann "motherfucking" umgangssprachlich auch so viel wie "arschgeil" bedeuten.

Und so fragte ich ihn kurz noch einmal nach dem Namen des Anwalts. Darauf meinte mein Chef, ich solle mir einfach eine Visitenkarte von dem Anwalt besorgen. Ich schaute ihn fragend an, ob ich das wirklich machen soll und er ermutigte mich grinsend: "Go, get your business card." Also tat ich das. Während ich im Konferenzraum mit dem "motherfucking litigator" sprach, kam mein Ausbilder (Ausbilder und Chef sind zwei Personen) kurz vorbei, verschwand dann aber wieder mit kurzem Gemurmel, er habe nur sichergehen wollen, dass wir zwei uns miteinander bekannt machen. Erst als ich den Konferenzraum verließ, kehrte der Chef in diesen zurück, als habe er gerade nur etwas nachschauen wollen o.ä. Fand ich unglaublich nett!

Später wurde mir erklärt, ich solle dem Anwalt dann eine kurze "Follow up"-Mail schreiben, wie sehr ich mich über das Treffen freute und hoffe, ihm in der Zeit hier in NYC erneut über den Weg zu laufen. Das machte ich, denn soweit waren mir die Gepflogenheiten hier eh noch geläufig. Und mittlerweile erreichte mich sogar schon eine Antwortmail.

Zum Schluss noch ein kurzer Hinweis, welchen Song ich in der heutigen Musik-Auswahl im Büro am coolsten fand: "So much trouble in the world" von Bob Marley. Dieses Instrument, welches sich bei ca. 0:58 mit dem Gesang abwechselt, großartig.

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