23. März 2010

Studenten, überall gleich...

Ich habe Gelegenheit erhalten, einer Musikbusiness-Vorlesung an einem New Yorker College beizuwohnen. Diese Vorlesung war die letzte vor den "Midterm"-Prüfungen. Also wurde den Studenten kurz erklärt, worauf sie sich ungefähr vorbereiten müssen, da es nicht beabsichtigt ist, allen schlechte Noten zu geben.

Diese Wissenszusammenfassung lief sehr ausführlich ab, so dass alle fleißig mitschrieben: Was ist der Unterschied zwischen Verlag und Label, was sind Mechanicals, was versteht man unter Master etc. Für Leute, die in der Musikbranche arbeiten wollen, sind das absolute Basics, vergleichbar mit der Frage: "Wo ist im BGB der Kaufvertrag geregelt?" Dennoch gerieten die um mich herum sitzenden Personen in Panik. Einer fragte gar: "Wann ist denn die Prüfung?" und reagierte geschockt, als er hörte, dass dies die letzte Vorlesung vor der Prüfung sei. Dazu muss man sagen: Jeder hat eine zeitliche Übersicht bekommen, an welchem Datum was unterrichtet wird und wann Prüfungen sind. Sooo überraschend kam das nicht.

Der Knüller war dann aber folgender: In den Vorlesungen wurde auch das Buch "Hit Men" von Fredric Dannen (z.Zt. auch in Deutschland wohl nur auf englisch erhältlich) besprochen. In dem frühen Wissen, eines Tages in der Musikbranche zu arbeiten, habe ich dieses Buch schon zu Schulzeiten geradezu verschlungen. Es ist meiner bescheidenen Meinung nach eines der besten und packendsten Bücher aller Zeiten und enthält unglaublich interessante Informationen für jeden Musikjunkie. Es ist keine schwierige Aufgabe, dieses Buch zu lesen. Das ist nicht "Bürgerliches Recht" von Medicus, sondern eine Anekdotensammlung, die über den Payola-Skandal berichtet sowie über die Erlebnisse aus den unterschiedlichen Labels und die ganz Großen der Branche wie Clive Davis oder Tommy Mottola. Ein absolut unterhaltsames Buch, welches zeigt, dass die Klischees der Branche gar keine Klischees sind. Dieses Buch jedenfalls sollte man auch für die Prüfung gelesen haben, hieß es. Darauf meldete sich eine Studentin und fragte:
"Müssen wir das ganze Buch gelesen haben oder nur einen Teil?"
Auf die Antwort, es müsse schon das ganze Buch sein, ging dann nochmal ein Raunen durch die Menge.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Frage kommt aber auch bei Germanistikstudenten häufiger ;)

Alexander Hartmann hat gesagt…

Solche Nachfragen soll es auch an der BLS gehäuft geben. Wenn man viel Geld fürs Studium bezahlt, will man schon ein bisschen Service und reagiert empfindlich auf solche undifferenzierten Prüfungsvorbereitungshinweise ;-)

Anonym hat gesagt…

Es gibt übrigens noch ein paar Exemplare auf Deutsch bei Amazon. Es gab mal eine Auflage bei Zweitausendeins.

 

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