23. April 2010

"Benefits" durch Personalratsarbeit

Ein "Gütesiegel für den Lebenslauf", außerdem bezahlte Lernzeit vor den Klausuren in Form von bezahltem Sonderurlaub - so wirbt der Referendarrat Schleswig-Holstein um neue Mitglieder.

Diese Form der Werbung scheint aber eher ein Ausdruck der Verzweiflung zu sein, denn die Bewerbungsfrist musste bereits zweimal verlängert werden, nun letztmalig bis zum 28.04.2010.

Wer sich eine Tätigkeit in der Personalvertretung vorstellen kann, dürfte bei einer Bewerbung in diesem Jahr besonders gute Chancen haben...

Neu: Juristenausbildungsstatistik für 2008

Das Bundesamt für Justiz hat kürzlich die Juristenausbildungsstatistik für das Jahr 2008 veröffentlicht. Doof: Im Bereich des GPA HB/HH/SH sinkt die VB-Quote im Zweiten Examen nocheinmal merklich ab. Während 2007 noch ca. 17 % der Prüflinge neun oder mehr Punkte hatten, waren es 2008 nicht einmal mehr 13 %.

18. April 2010

Mortal Kombat

Einer meiner Kollegen arbeitete in den 90ern für ein erfolgreich laufendes Indie-Label. Als ein paar KollegINNEN über "Street Fighter II", "Mortal Kombat" und ähnliche Prügel-Computerspiele philosophierten, kam er hinzu und erzählte uns in dem Zusammenhang eine Geschichte aus seiner Indie-Label-Zeit: Zu Beginn der 90er wollte jemand mit seiner Hilfe den Soundtrack zu dem Computerspiel "Mortal Kombat" herausbringen. Das war damals noch lange nicht üblich und so reagierte mein Kollege falsch, indem er sagte: "Wie? Was willst Du denn von mir? Dass ich den Soundtrack für ein Computerspiel herausbringe? Das kauft doch keine Sau, Mann. Geh nach Hause!" Nach Hause ging dieser Jemand aber leider nicht. Stattdessen ging er zu einem anderen Label, das sich interessierter zeigte und schließlich eine halbe Million Tonträger von dem "Mortal Kombat" Soundtrack verkaufte. Eine klassische Fehlentscheidung also.

Sowas kommt vor. Auch die Beatles wurden nicht gleich vom erstbesten Label freudestrahlend empfangen. Mich erinnerte die Geschichte außerdem ein wenig an John Niven, der in seiner A&R-Zeit Coldplay als billige Radiohead-Kopie beschimpfte und nach Hause schickte. Obwohl dieses Urteil nicht ganz unrichtig ist, wurden Coldplay sehr erfolgreich und John Niven arbeitet mittlerweile nicht mehr als A&R.

10. April 2010

Schecks vs. Überweisungen

Ab und zu wird bei uns im Büro über Schecks gesprochen. Es fallen Fragen wie: "Ist der Scheck von xyz schon eingetroffen?" Oder es kommt jemand mit einem großen Umschlag rein und sagt: "Die Schecks sind endlich da." Das verwirrt mich schon seit dem Start meiner Wahlstation, aber kürzlich fragte ich dann mal nach, ob Schecks hier so ein tolles Zahlungsmittel sind. Erstaunte Rückfrage: "Ja, klar, wie macht Ihr das denn in Deutschland?" Ich antwortete: "Online Banking?"

Daraufhin erntete ich nur Kopfgeschüttel, weil Schecks doch genauso gut sind. Dann kurzes Aufleuchten in den Augen, weil das große Gegenargument gefunden wurde: "Was, wenn eine Oma ihrem Enkel $ 50,- zum Geburtstag schenken will?" "Dann gibt sie es ihm cash." "Aber was, wenn sie so weit weg wohnt?" Ok, got me. Aber dann kann man ja das Geld den Eltern des Enkels überweisen und die geben das mit den Worten "Hier, von Oma." weiter?

Ich fand es jedenfalls erstaunlich, dass selbst in der Businesshauptstadt New York keine Überweisungen üblich sind, sondern auch große Summen mit Schecks in Briefumschlägen transferiert werden. Na gut, "When in Rome, do as the Romans do." Will sagen: "Andere Länder. andere Sitten."

9. April 2010

Prioritäten bei der Vertragsgestaltung

Was mir in meiner Station kürzlich aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die aus einem Vertrag herauszuziehende Kohle über die Perfektion des Vertrages gestellt wird. Ich hatte kürzlich an einem Lizenzvertrag gearbeitet, in welchem meine Aufgabe vor allem war, "derivative works" sinnvoll einzubauen, was der "Bearbeitung" im deutschen Urheberrecht weitestgehend entspricht.

Daran saß ich also erstmal und diskutierte auch mit den Beteiligten über die Hintergründe. Mein Ausbilder erzählte mir dann kurz nach Abschluss des Vertrags mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dass "mein" Absatz von einem Nichtjuristen zerstört wurde, indem er etwas nach dem Motto "Gut gemeint, aber schlecht gemacht" einfügte. Ich war verblüfft, weil ich auch mit diesem Nichtjuristen über den Absatz diskutiert hatte. Und ich fragte mich, ob man das nicht noch hätte geradebiegen können. Mein Ausbilder meinte dann, dass der Vertrag nun raus musste. Da hing zu viel Kohle dran, auf die alle warten. Fand ich megainteressant, denn ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass ein quasi unfertiger Vertrag in Deutschland unterzeichnet werden würde.

Ich will das allerdings auch nicht verurteilen, denn irgendwo kann man das ja auch verstehen, wenn der Kunde schon ungeduldig wird und Kohle wartet. Zudem habe ich in den Vertrag auch eine "Termination for Convenience" Klausel eingebaut, was bedeutet, dass die Vertragsparteien kurzfristig ohne weitere Erklärung aus dem Vertrag rauskönnen, wenn sie wollen. Insofern kann man im Streitfall einfach den Fallschirm ziehen. Dennoch fand ich das erwähnenswert.
 

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